Der Millionär

Illustrierte Filmbühne Nr. 322  (E. S.)  – Einer der ersten Filme, die 1947 in die Lichtspielhäuser kommen, ist eine deutsche Komödie: sie heisst knapp Der Millionär. Das Lustspiel handelt von dem Postboten Leopold Habernal, der nach einer Erbschaft zum reichen Mann wird, aber entgegen aller Erwartungen seiner Mitmenschen weiter unverdrossen seine Postsendungen austrägt. Es ist das Hohelied vom braven Mann.

Der MillionärIn den ersten Monaten nach dem Krieg beschäftigen also nicht nur zahlreiche „Trümmerfilme” die eifrigen deutschen Filmemacher, es wird auch schon wieder recht emsig am Lustspiel-Genre gearbeitet – wenn in diesem Fall auch nur indirekt. Denn es handelt sich bei diesem belanglosen Streifen nicht um eine Nachkriegsproduktion, sondern um einen Überhang-Film aus der Zeit vor der deutschen Kapitulation. Die Münchener Bavaria hat das Stück von November 1944 bis in den Januar 1945 gedreht, für eine Uraufführung reicht es in den letzten Kriegsmonaten nicht mehr. Die Defa in Ost-Berlin vollendet den Streifen, danach genehmigen die Besatzungsbehörden aller Zonen die Vorführung, darunter auch in Frankfurt.

Der Film wirkt freilich irgendwie recht ambivalent. In der Nazi-Zeit, als ganz Europa schon in Schutt und Asche versunken ist, soll diese mehr als seichte Unterhaltungsware die Menschen zum Durchhalten animieren, zwei Jahre später dient er unter anderen politischen Voraussetzungen dazu, der Bevölkerung das schwierige Leben im Deutschland der Nachkriegszeit wenigstens filmisch zu versüßen.

Jedenfalls ist der Film so harmlos, dass die Besatzungsoffiziere keinerlei Bedenken haben, den Film freizugeben. Es ist ja auch ein unverbindliches Thema. Seit einem Vierteljahrhundert arbeitet Leopold Habernal als Briefträger – er trägt aber nicht nur täglich und pünktlich die Post aus, er nimmt auch immer wieder Anteil an Freud’ und Leid seiner Mitmenschen. Dann aber macht ihn eine unerwartete Erbschaft zum Millionär. Während seine Mitmenschen nun erwarten, dass er mit dem neuen Reichtum seinen den Dienst aufgeben wird, trägt Habernal treu und brav weiter seine Postsendungen aus, was ihm Unverständnis, aber auch Neid einträgt. Gleichwohl hilft Habernal vielen uneigennützig mit seinem Geld und alle – einschließlich Habernal selbst (er heiratet seine Wirtin) – kommen auf ihre Kosten.

Daten zum Film 

Der Millionär (Illustrierte Filmbühne 322) ist ein deutscher SW-Film aus dem Jahr 1944/1945, aufgeführt nach der Fertigstellung durch die Defa erst 1947. Regie: Robert A. Stemmle.  Als Darsteller agieren Hans Moser (als Briefträger Leopold Habernal), Annie Rosar (als seine Wirtin Frau Meierhofer), Hans Holt (als Komponist Franz Lichtenegger), weitere Mitwirkende sind Alfred Neugebauer, Gabriele Reismüller, Lotte Lang, Oskar Sima und Ernst Fritz Fürbringer.

Erstaufführung am 17. Januar 1947 (russische, amerikanische und britische Zone), 26. Mai 1950 (Österreich). In Frankfurt zuerst im Luxor (ab 31. Januar 1949 zu sehen.