Caesar und Cleopatra

Illustrierte Filmbühne Nr. 61 (E. S.) – Weihnachten 1946 sind bereits eineinhalb Jahre nach Kriegsende vergangen, aber es gibt immer noch bittere Not in den Städten; es fehlt an fast allem, das Geld ist längst nichts mehr wert und die Lebensumstände sind beschwerlich. Gleichwohl lassen die Menschen den Mut nicht sinken; inzwischen haben überall schon wieder Kinos ihren Betrieb aufgenommen, im Dezember kommt der Film Caesar und Cleopatra in die Kinos der britischen Zone und die Kassen klingeln.

Caesar und CleopatraIrgendwie ist es ja doch merkwürdig. Die Menschen kämpften ums Überleben, haben genügend alltägliche Sorgen und trotz allem blüht ungebrochener Optimismus. In Frankfurt zum Beispiel ist der von deutschen Pionieren gesprengte Eiserne Steg vor kurzem wieder eröffnet worden, erste Theaterstücke werden aufgeführt, zum Beispiel in Sachsenhausen Goldinis „Diener zweier Herren”. Aufführungsort ist das „Kleine Komödienhaus”, aber was so bombastisch klingt, ist in Wirklichkeit eine Turnhalle mit primitivster Ausstattung.

Ganz bescheiden geht unterdessen am Römerberg ein erster Weihnachtsmarkt über die Bühne. Egal wie: Die Menschen lechzen nach Unterhaltung. Ein 129 Minuten langer Monumentalschinken aus England passt da also durchaus gut ins Bild, auch wenn der Film zunächst nur in Städten der britischen Zone zu sehen ist. Erst eineinviertel Jahr später kommt er nach Frankfurt.

Caesar und Cleopatra ist jedenfalls ein prächtiger Farbfilm – mit Darstellern, die damals schon durchaus prominent sind, die aber noch niemand hierzulande richtig kennt. Claude Rains, Vivien Leigh – sie war auch die Scarlett O`Hara in Vom Winde verweht –, Stewart Granger. Die Geschichte selbst ist bekannt: Auf seinem Feldzug in Ägypten 48-45 vor Christus begegnet der alternde Cäsar der erst 16 Jahre alten Cleopatra und erteilt ihr Lektionen über die Finessen der Staatskunst, während sie – durchaus mit gelegentlichem Erfolg – ihre Verführungskünste an ihm erprobt, gleichwohl unter den politischen Gegebenheiten der damaligen Zeit eine aussichtslose Sache…

Geschrieben ist der Film vom irisch-britischen Autor George Bernhard Shaw. Der 1856 Geborene hat sein Theaterstück 1898 im zarten Alter von 42 Jahren verfasst, 47 Jahre später schreibt er das Drehbuch zum Film. Welche Zeitspannen…

Daten zum Film 

Caesar und Cleopatra (Illustrierte Filmbühne Nr. 61) ist ein englischer Monumentalfilm in Technicolor unter der Regie von Gabriel Pascal. Das Drehbuch schreibt der berühmte Schriftsteller George Bernard Shaw, der auch das Theaterstück verfasst hat. Die Hauptdarsteller sind Claude Rains (als Caesar), Vivien Leigh (als Cleopatra), Stewart Granger (als Appolodorus). Weitere Mitwirkende: Flora Robson, Francis L. Sullivan. Der Film kommt zunächst mit Untertiteln in die Kinos und wird erst 1948 synchronisiert. Dabei leihen Robert Klupp (Claude Rains), Ruth Hellberg (Vivien Leigh) und Rolf Ritschel (Stewart Granger) den Hauptdarstellern ihre Stimmen.

Weltpremiere am 11. Dezember 1945 in London. Deutsche Erstaufführung am 17. Dezember 1947. Frankfurter Erstaufführung  am 27. März 1948 bei der Eröffnung des Luxor-Filmtheaters am Hauptbahnhof sowie in der Scala.