Der rettende Engel

Illustrierte Filmkurier Nr. 3067 ( E. S.) – Am 1. Dezember  1950 bin ich wieder einmal – wie so oft in dieser Zeit – bei einer Kino-Eröffnung dabei. Das „Ultra” ist ein mehr als außergewöhnliches Lichtspielhaus, das in der Kelsterbacher Straße 51 im südlichen  Frankfurter Stadtteil Niederrad seine Pforten öffnet. Gezeigt wird dabei der Heimatfilm Der rettende Engel.

Rettende EngelDer bereits aus dem Jahr 1940 stammende Film mit Carla Rust, Sepp Rist und Grethe Weiser in den Hauptrollen ist nicht von großer Bedeutung, dagegen hat aber das neue „Ultra”-Theater einige Besonderheiten aufzuweisen. Der Besitzer Herbert Preis ist auch Vorführer, manchmal sitzt er auch an der Kasse und verkauft Billetts, die Leinwand ist mit 2.10 auf 2,60 Meter eher klein, die nur 165 Zuschauerplätze sind auch nicht gerade überwältigend – die Filmreporterin Renate Bang von der Tageszeitung  „Frankfurter Rundschau” spricht dann in ihrer kleinen Eröffnungsnotiz immerhin von einem „ganz in Rot und Gold gehaltenen Theaterchen”, – die Preise halten sich zudem mit 50 bis 90 Pfennig in Grenzen.

Doch die eigentliche Überraschung liegt im technischen Equipment: Die Filme werden nämlich auf einem Schmalfilm-Projektor abgespielt – und das stellt Herbert Preis auf die Dauer dann doch vor Probleme, denn das Angebot der Spezial-Verleiher ist bei weitem nicht so umfangreich wie im 35-Millimeter-Format und macht die Programmplanung äusserst schwierig.

Hinzu kommt, dass der Besitzer aufgrund der günstigen Eintrittspreise kaum Werbemöglichkeiten nutzen kann. So finden sich im Anzeigenteil der Frankfurter Tageszeitungen selten Hinweise auf sein Programm, er muss sich im wesentlichen auf Berichte und Programmvorschauen in den kostenlosen Stadtteil-Zeitungen „Niederräder Post” und „Sachsenhäuser Lokalanzeiger” verlassen. Auf modernen Zuschnitt umgestellt wird das kleine Kino erst 1956. Der neuer Inhaber Eduard Wenderoth setzt nun auf Großprojektoren und ändert den Namen in Pali (Palast-Lichtspiele). Gleichwohl muss das Kino schon im Jahr 1961 die Segel streichen.

Was den Eröffnungsfilm im Ultra anbelangt, geht es um einen Seemann (Sepp Rist), der einen Bauernhof geerbt hat, in seiner neuen Heimat aber wegen seiner Herkunft und seinen Verhaltensweisen für einigen Wirbel und viel Unruhe sorgt. Erst als er von sich aus auf die misstrauischen Dorfbewohner zugeht, erwirbt er sich deren Vertrauen und wird endlich akzeptiert. Als er sich schließlich auch noch ein Bauernmädchen (Carla Rust) zur Frau nimmt, wird er in die einst verschlossene Dorfgemeinschaft aufgenommen.

Daten zum Film

Der rettende Engel  – abgebildet wird der alte Illustrierte Filmkurier Nr. 3076 aus Berlin, da eine Ausgabe der Filmbühne nicht vorliegt –, ist ein komödiantischer Heimatfilm aus dem Jahr 1940, produziert von der Firma Arnold & Richter, die in erster Linie Berühmtheit durch ihre legendäre Arriflex-Kamera erlangt hat. Regisseur Ferdinand Dörfler führt die Darsteller Carla Rust, Sepp Rist, Grethe Weiser, Gustav Waldau, Margarethe Haagen und Franz Schafheitlin durch den Film. – Erstaufführung am 19. April 1940. In Frankfurt als Eröffnungsfilm der Ultra-Lichtspiele ab 1. Dezember 1950 im Einsatz.