Der Tiger Akbar

Illustrierte Filmbühne Nr. 1130 (E. S.) – Ab 25. Mai 1951 läuft in acht Frankfurter Stadtteilen der Film „Der Tiger Akbar“ an. Zusammengetan zur Erstaufführung haben sich das Anker (Fechenheim), das Adler (Ginnheim), Atrium (Heddernheim), Römer (Praunheim), Delphi (Preungesheim), Neues Theater (Höchst), Lichtspiele (Riederwald) und die Lichtspiele (Rödelheim). Hauptdarsteller des Streifens ist ein Mann, der auf eigentümliche Weise Kinogeschichte geschrieben hat.

Der Tiger AkbarDer Name Harry Piel ist uns Schülern und Jugendlichen geläufig, obwohl die meisten von uns nicht genau wissen, um wen es sich dabei eigentlich handelt. Doch so ziemlich alle Eltern haben früher nach Kinobesuchen immer intensiv über die skurrilen Abenteuer des Sensationsdarstellers und über spektakulären Aktionen in seinen Filmen gesprochen. Kein Wunder, dass auf Schulhöfen und Straßen der Satz „Harry Piel sitzt am Nil, wäscht die Beene mit Persil” – mit zahlreichen Abwandlungen, die hier nicht erörtert werden sollen – ein beliebter Reim ist. Nun ist also eine gute Gelegenheit, Harry Piel selbst in einem seiner Filme kennen zu lernen.

Die Handlung spielt in diesem Zusammenhang nur eine untergeordnete Rolle. Es geht um eine Liebesgeschichte zwischen einem Dompteur und einer Dompteuse, die im Zirkus mit einer Tiergruppe arbeitet. Doch ihr Lieblingstier wird eifersüchtig, stürzt sich am Hochzeitstag auf sie und verletzt sie tödlich.

Wie aber gefällt uns nun der legendäre Harry Piel? Einerseits macht der Mann bei seiner Darstellung einen ganz respektablen Eindruck, wirkt irgendwie unkompliziert und präsent, auf der anderen Seite trägt er bei allem etwas dick auf, die Ansätze zu einer gewissen Dicklichkeit sind nicht wegzudiskutieren, die Geheimratsecken und eine etwas ausgeprägte Nase sind unübersehbar. Ein Sensationsdarsteller? Irgendwie passt das nicht in unser Bild, da haben wir inzwischen doch einige andere „Helden” auf der Leinwand gesehen. War es der falsche Film oder ist die Zeit einfach über diese Art von Harry-Piel-Filmen hinweg gegangen?

Ein schwacher Zirkusfilm

Das ist wohl so. Auch in einer Kritik finde ich meine Enttäuschung bestätigt. Außer einigen gelungenen Dressur-Aufnahmen sei es ein recht schwacher und glanzloser Zirkusfilm gewesen, schreibt unsere Tageszeitung. Da kann ich nur zustimmen, habe ich mir doch vom berühmten Harry Piel mehr erhofft. Doch das Artisten- und Sensationskino, das ihn einst so verwegen daherkommen ließ, ist nach einem verheerenden Weltkrieg nicht mehr gefragt und wirkt schon ziemlich angestaubt.

Bei diesen ersten Kinofilme nach einem fünfjährigen Berufsverbot – verhängt von 1945 bis 1950 wegen seiner Nähe zum Nazi-Regime – ist der alte Glanz wie etwa in „Ein Unsichtbarer geht durch die Stadt”, „90 Minuten Aufenthalt”, „Artisten”, „Menschen, Tiere, Sensationen”, oder „Der unmögliche Herr Pitt” längst verflogen.

Daten zum Film

Der Tiger Akbar (Illustrierte Filmbühne Nr. 1130) mit dem Wiederaufführungstitel „Panik im Zirkus Williams” (ab 1958) ist ein deutscher Zirkusfilm der Ariel-Film aus dem Jahr 1950/51 nach einer literarischen Vorlage von William Quindt. Produzent, Drehbuchschreiber und Regisseur ist Harry Piel. Als Darsteller agieren Harry Piel (als Dompteur Jonny Wilken, Friedl Hardt ( als „Tigerbraut” Jutta Sarris), Hilde Hildebrand (als Kunstreiterin Madame Regina) ferner dabei: Helga Wiedenbrück, Nikolai Kolin, Fritz Lafontaine, Willy Millowitsch. Deutsche Erstaufführung im April 1951 (München), in Frankfurt am 25. Mai (siehe Einleitung) und im November 1951 (DDR).