Der Verrat des Surat Khan

Illustrierte Filmbühne Nr. 961 (E. S.) – Der Warner-Streifen Der Verrat des Surat Khan ist Mitte April 1950 im Frankfurter Filmpalast zu sehen – und es ist ein durch und durch zwiespältiger Film: Auf der einen Seite die Verharmlosung britischer Kolonialgeschichte, pathetische Glorifizierung des Heldentodes, andererseits spektakuläre Bilder, die zu den ausgefeiltesten der Filmgeschichte zählen dürften.

Der Verrat-des-Surat-KhanUnverhohlen wird der Krieg verherrlicht, der „Heldentod“ als eine durchaus ehrenwerte Sache dargestellt. Fünf Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg mit seinen Millionen Toten wirkt der Film zu dieser Zeit deshalb eher ein wenig befremdlich. Die Freiwillige Selbstkontrolle der deutschen Filmwirtschaft (FSK) in Wiesbaden hat an dieser Tendenz freilich nichts auszusetzen. Anfang der Fünfziger Jahre entspricht das auch durchaus dem Zeitgeist in der Bundesrepublik. Abgesehen von diesem Aspekt überzeugen die mehr als kunstvoll arrangierten Actionszenen. Regisseur Michel Curtiz greift dabei auch beim zweiten großen Film von Errol Flynn nach dem erfolgreichen „Captain Blood“ („Unter Piratenflagge“) mit Bravour und Geschick in die Trickkiste Hollywoods. Der Spielleiter erweist sich dabei als Meister seines Faches, insbesondere bei der Anordnung spektakulärer Szenen. Eine groß angelegte Leopardenjagd, untermalt vom Dröhnen unzähliger Trommeln und der großartigen Filmmusik Max Steiners, die Erstürmung eines Forts, kreischende Frauen und brüllende Kinder –  das hinterlässt einen starken Eindruck und weist hin auf die meisterliche Hand von Kameramann Sol Polito.

Die Figuren selbst bleiben indessen holzschnitzartig und eindimensional. Dieser Mangel wird aufgewogen durch Tempo und visuelle Eindringlichkeit. Es wird fast ununterbrochen geritten: heraus aus dem Fort, hinein in’s Fort  mit Wimpeln, Lanzen und Trompeten. Alle üblichen Utensilien sind  dabei und umrahmen das Warner-Kriegsgemälde. Flynns Errol steckt in überaus prächtigen Paradeuniformen, stellt sich schlank und mit feinem Bärtchen, dabei soldatisch überlegen, zur Schau, bricht aber ausnahmsweise keine Mädchenherzen. Er gibt sich eher verdrossen, als seine Verlobte Elsa Campell (Olivia de Havilland) ihr Herz seinem Bruder Perry (Patric Knowles) schenkt.

Eine seltsam entstandene „Freundschaft“ zwischen Vickers-Flynn, dem britischen Offizier, und dem gegnerischen Fürsten Surat Khan (C. Henry Gordon), sowie dubiose politische Intrigen und heimtückischer Verrat bestimmen außerdem die Szenerie, die ein historisches Ereignis aus dem Krimkrieg von 1854 nur unzulänglich (und filmisch entzerrt) widerspiegelt.

Vielleicht auch deshalb bleibt doch ein fader Beigeschmack, weil die meisterhafte technische Handhabung durch die Macher die grundlegende kriegsverherrlichende Tendenz des Films nicht verdecken kann.

Daten zum Film

Der Verrat des Surat Khan (Illustrierte Filmbühne Nr. 961) trägt den Originaltitel The Charge of the Light Brigade  ist ein Kriegs- und Abenteuerfilm von Warner Bros  aus dem Jahr 1936. In dem 85 Minuten langen Film spielen unter der Regie von Michael Curtiz die Darsteller Errol Flynn (als Major Geoffrey Vickers) und Olivia de Havilland (als seine Verlobte Elsa Campbell) die Hauptrollen. Weitere Mitwirkende sind C. Henry Gordon (Surat Khan), Patric Knowles (als Captain Perry Vickers, Bruder von Geoffrey Vickers), Nigel Bruce (als Sir Benjamin Warrenton), David Niven (als Captain James Randall), Donald Crisp (als Colonel Campbell). Produzent ist Hal B. Wallis, das Drehbuch stammt von Michael Jacoby und Rowland Leigh. Die Kameraarbeit verrichtet Sol Polito, die Musik komponiert Max Steiner.

Uraufführung in den USA am 20. Oktober 1936, noch im gleichen Jahr kurzzeitig in Deutschland gelaufen, zu einer Zeit, als die Nazis den Import ausländischer Filme noch nicht unterbunden haben. In Österreich ab 1937 unter dem Titel „Die Todesbrigade“ im Einsatz. Neuaufführung in der Bundesrepublik am 24. Oktober 1950, Frankfurter Premiere 20. April 1951 im Filmpalast.