Sklavin des Herzens

Illustrierte Filmbühne Nr. 881 (E. S.) – Dieser Film ist ein Melodram wie aus dem Bilderbuch. Es geht um Schuld und Sühne, doch obwohl das stets Alfred Hitchcocks wichtigsten Filmthemen sind, strapaziert er das Drama mit überlangen Einstellungen von bis zu zehn Minuten, die eher an Theateraufführungen als an Filmsequenzen erinnern. Die Aufnahmen mit komplizierten Farbtricks sind so schwierig, dass es zwischen Alfred Hitchcock und Ingrid Bergman zu ernsthaften Auseinandersetzungen kommt.

Sklavin des HerzensIn einem Interview wird Ingrid Bergman später einmal sagen, zum ersten und letzten Mal habe sie bei diesen Aufnahmen an einem Drehort geweint. In der Biografie „Alfred Hitchcock“ von Donald Spoto (im Kabel-Verlag, Hamburg) wird dieses Interview genau zitiert, und darin beklagt sich die Schwedin über diese endlos langen Aufnahmen und die sich ständig bewegende Kamera zwischen all den Kulissen. „Sechs Minuten ging vielleicht alles ganz wunderbar, und dann ging plötzlich irgend etwas schief, und wir mussten wieder ganz vorne vorne beginnen“. Dazwischen seien auch noch die Bühnenarbeiter herumgelaufen, die Möbel hätten sich hin- und herbewegt und die Kamera ebenfalls. „Das machte uns alle verrückt (…) Der ganze Boden war mit aufgemalten Nummern übersät, und jeder musste im richtigen Moment neben der richtigen Nummer stehen, sonst war die ganze Einstellung ruiniert.“ Und nicht nur die Dreharbeiten waren sehr problematisch. Schon das Thema ist schwer und düster, zusammengeschneidert aus einem Theaterstück und einem Roman.

Die junge irische Lady Henriette (Ingrid Bergman) brennt mit ihrem Pferdeknecht Sam Flusky (Joseph Cotten) durch. Sie tötet den Bruder, der – um die Familienehre besorgt –, dem Paar in die schottische Eheschmiede nach Gretna Green folgt. In seiner Verliebtheit und zugleich edelmütig nimmt Flusky die Tat auf sich und büsst dafür in einer australischen Strafkolonie. Nach der Entlassung kommt er zu einigem Reichtum, wird aber von der einheimischen Bevölkerung gemieden.

Suche nach dem Glück von gestern

Die Ehepartner suchen verzweifelt nach ihrem alten Glück, doch die Tat von einst überschattet weiter ihr Leben. Sie beginnt zu trinken, und es kommt zu Eifersuchtsszenen mit ihrem Cousin Charles Adare (Michael Wilding), der sich in sie verliebt hat. Erst als sie ihm gesteht, dass sie selbst den Mord begangen hat, kehrt er nach England zurück, verhindert aber zuvor noch, dass sie von ihrer bösartigen Haushälterin umgebracht wird. Erst nach all diesen dramatischen Ereignissen rührt sich zwischen Henrietta und Sam wieder die alte Leidenschaft füreinander, immer wieder jedoch unterbrochen von Stunden der Verzweiflung.

Daten zum Film

Sklavin des Herzens (Illustrierte Filmbühne Nr. 881) mit dem englischen Originaltitel Under Capricorn ist eine melodramatische Literaturverfilmung  nach einem Theaterstück von Margaret Linden und John Colton und einem Roman von Helen Simpson. Von der Alfred Hitchcock-Firma Transatlantic Pictures im Jahre 1948 in Großbritannien hergestellt und verliehen von Warner Bros. hat der Film eine Länge von 117 Minuten. Unter der Regie von Alfred Hitchcock spielen Ingrid Bergman (als Lady Henrietta Flusky), Joseph Cotten (als Sam Flusky), Michael Wilding (als Charles Adare) die wichtigsten Rollen. Die deutschen Stimme der Hauptpersonen kommen von Ingeborg Grunewald (Ingrid Bergman), Wolfgang Lukschy (Joseph Cotten) und Erwin Linder (Michael Wilding).

Weltpremiere ist am 8. September 1949 in New York City. Am 8. Oktober 1949 startet der Film landesweit in den USA. Deutsche Premiere ist am 17. November 1950. In Frankfurt ist der Film im Metro im Schwan ab 18. Mai 1951 zu sehen.

Dokumentation

Die vom Warner-Filmverleih in Deutschland für Werbezwecke an die Presse verteilte Inhaltsangabe des Films, die auch Textvorlage für die „Illustrierte Filmbühne“ ist, hat folgenden Wortlaut:

Samson Flusky (Joseph Cotten), ein Stallknecht, in Irland angeklagt, den aristokratischen Bruder seiner Braut ermordet zu haben zu haben, wurde in Ketten in eine Häftlingskolonie nach Australien gebracht. Seine Verlobte, Lady Henrietta (Ingrid Bergman), folgte ihm nach dort…

Jetzt, im Jahre 1831, ist Flusky ein freier Bürger und erfolgreicher Geschäftsmann in Sydney, doch Henriette ist durch die lange Wartezeit nervlich völlig zerbrochen und ihre Ehe nicht sehr glücklich. Ihr Haushalt wird von Miss Milly, einer intriganten Person geführt, die Lady Henrietta – ohne dass sie dessen gewahr wird – durch Alkohol und inszenierte Wahnvorstellungen stets in Angst und Terror hält.

Zu dieser Zeit kommt Charles Adare (Michael Wilding), der Vetter des neuen Gouverneurs, nach Australien, um dort sein Glück zu machen. Flusky, der hofft, Henrietta aus ihrer Lethargie zu reißen, indem sie Freundschaft mit einem Menschen ihres Standes schließt, hilft ihm dabei. Adare wiederum, den mit Henrietta eine frühere Jugendfreundschaft verbindet, ist gern bereit, Flusky zu helfen… Milly merkt bald, dass ihre Stellung im Haus gefährdet ist, da Adare versucht, Lady Henriettas Selbstbewusstsein wieder zu wecken, und tut daher ihr Bestes, Adares Pläne zu durchkreuzen.

Henrietta geht langsam der Besserung entgegen. Als sie jedoch zusammen mit Adare den Ball des Gouverneurs besucht, macht Milly unterdessen Flusky so eifersüchtig, dass dieser ebenfalls zum Ball geht, diesen stört und später Adare wütend angreift. Der Gouverneur droht Flusky für den Fall, dass Adare seinen Wunden erliegt, ihn zu hängen! Bleibt Adare am Leben, so beabsichtigt er, Adare nach Irland und Flusky wegen Rückfälligkeit in die Gefangenschaft zurück zu schicken.

Als Henrietta daraufhin gesteht, dass sie es war, die den Bruder in Notwehr erschoss und Flusky nur die Schuld auf sich nahm, um sie zu schützen, gibt der Gouverneur ihr zu verstehen, dass er sie vor ein Tribunal nach Irland schicken würde. Zuerst glaubt Flusky darin nur eine neue List Henriettas zu sehen, um mit Adare nach dessen Genesung zu ‚ihren‘ Leute zurückkehren zu können. Als sie aber schwer erkrankt, sieht Flusky seinen Irrtum ein, und beschließt , mit ihr nach Irland zu reisen.

Diese Wendung durchkreuzt Millys PLäne, Flusky in Henriettas Abwesenheit für sich zu gewinnen und veranlasst sie, zum letzten Mittel zu greifen. Sie versucht Henrietta zu vergiften, wird aber bei dem Versuch ertappt. Flusky wird festgenommen, Adare jedoch, der inzwischen genesen ist und genau weiß, dass Henrietta nur ihren Gatten lieben wird, weigert sich einzugreifen, woraufhin Flusky wieder freigelassen wird.

Der verwegene junge Mann, der zwei Menschen, die sich entfremdet hatten, wieder zusammenführte, hat sein Herz dabei verloren… Australien ist groß, aber nicht groß genug für alle Drei. Deshalb segelt Adare zurück nach Irland.