Der grüne Finger

Illustrierte Filmbühne Nr. 62  (E. S.) – Die hier erzählte Geschichte ist simpel, denn ein Polizeipräfekt agiert höchstpersönlich als Chef einer Einbrecherbande. Doch hat der Mann die Rechnung ganz ohne den gescheiten Privatdetektiv Paul Temple gemacht, der mit Nachdenken und feiner Kombinationsgabe den skrupellosen Sheriff zur Strecke bringt. Das Ganzeist eine „Räuberpistole” namens Der grüne Finger und versehen mit den üblichen und gängigen Zugaben des Genres.

Der grüne FingerDer Autor Francis Durbridge ist in England zu dieser Zeit schon ein recht etablierter Schriftsteller. 1938 hat er für die BBC den Paul Temple erfunden, der fortan als Krimi-Autor und brillanter Hobbydetektiv zusammen mit seiner Frau Steve Trent in zahllosen Hörspielen seine Fälle löst. Auch in Deutschland sind Ende der Vierziger und in den Fünfziger Jahren Paul Temples Geschichten im Radio zu hören; sie sind spannend erzählt, zeichnen sich oft durch den typisch britischen Humor aus und schließen auch übelste Kaschemmen als Schauplätze nicht aus. Manche dieser Storys werden in England auch verfilmt, so zum Beispiel auch das Hörspiel „Send for Paul Temple” (Der grüne Finger). Von Temple, seiner Radiokarriere und seinen überaus geschickten Ermittlungen hat sich freilich noch nicht viel herumgesprochen, so dass viele Frankfurter (und auch der Autor) zum ersten Mal mit dem Detektiv bei der Frankfurter Erstaufführung des Films im Roxy (am 7. Januar 1949) konfrontiert werden. Als ich diesen Film sehe, ahne ich nicht, dass der Autor und Erfinder in Deutschland später noch Fernsehgeschichte schreiben wird.

Durbridge nämlich kommt Anfang der 60er Jahre mit den Mehrteilern „Der Andere”, „Es ist soweit”, „Das Halstuch”, „Tim Frazer” und „Melissa” hierzulande zu Ruhm und die eigentlich eher dürftigen Storys mutieren dabei zu so genannten „Straßenfegern”. Nach Angaben der Fernsehsender werden Einschaltquoten von bis zu 90 Prozent erreicht, allerdings gewiss auch der Tatsache geschuldet, dass zu dieser Zeit nur ARD und ZDF ihre Programme ausstrahlen.

Daten zum Film 

Der grüne Finger (Illustrierte Filmbühne Nr. 62 – unter dieser Nummer ist zunächst das Programm Der freche Kavalier erschienen, ehe dieses später als Nr. 154 in die Reihe aufgenommen wird). Der Originaltitel des Filmes der Nettefold-Produktion lautet Send for Paul Temple und stammt aus dem Jahr 1947. Unter der Regie von John Argyle spielen in dem Film nach einer Vorlage von Francis Durbridge unter anderen Anthony Hulme (als Paul Temple), Joy Shelton (als seine Frau Steve Trent). Außerdem sind Tamara Desni, Jack Raine und Beatrice Varley mit von der Partie. Britische Uraufführung ist am 23. Dezember 1946 in London, deutsche am 9. November 1947 in der britischen Besatzungszone. In Frankfurt wird der Film am 7. Januar 1949 im Roxy erstmals gezeigt, wo er auch vom Autor gesehen wird.