Der Held der Prärie

Illustrierte Filmbühne Nr. 696 (E. S.) – In dem Film Der Held der Prärie treten drei namhafte Persönlichkeiten aus der Pionierzeit des „Wilden Westens” auf: Wild Bill Hickok, Buffalo Bill und Calamity Jane, doch mit der historischen Wahrheit nehmen es Paramount als Produzent und Regisseur Cecil B. DeMille nicht so ganz genau; wahrscheinlich würde sie ohnehin nur stören. Doch was soll’s? Für die Western-Liebhaber ist es ein überaus sehenswerter Streifen mit großartigen Action-Szenen.

Held der PrärieGleichwohl spielt Propaganda in diesem Western eine recht große Rolle. Die weißen Westmänner Wild Bill Hickok (Gary Cooper) und Buffalo Bill  (James Ellison) bezwingen einen skrupellosen und profitorientierten  Waffenhändler, weil dieser Indianer beliefert, wobei die Tendenz eindeutig ist: Der „weiße Mann”, der den Westen erobert, ist der Gute, die „Rothaut”, die ihr Land lediglich gegen die Eindringlinge verteidigt, stellt das Böse dar. Klar, dass es im Film dann ein Indianer namens „Zerhauene Nase” ist, der Hickok hinterrücks meuchelt. Im wirklichen Leben hat jedoch ein gewisser Jack McCall den Revolvermann Bill Hickock in einem Spielsalon niedergeschossen. Und auch Calamity Jane – im Film als die Geliebte von Hickok präsentiert –, hat mit dem Westmann rein gar nichts zu tun.

Immerhin ist es freilich bei solchen Verdrehungen mit rassistischem Hintergrund erklärbar, warum dieser Film noch im Jahr 1940 als einer der wenigen  amerikanischen Filme zu dieser Zeit den Weg in deutsche Kinos findet. Auch die Machthaber des Dritten Reiches haben ja ihre „roten” Feinde.

Der Paramount-Film ist im ersten Halbjahr 1940 als einer der letzten US-Streifen unter dem Titel Verrat – Die Abenteuer von Buffalo Bill in die Lichtspielhäuser gekommen. Im Juli wird dann allerdings der Import amerikanischer Filme von den Nazis unterbunden. Es darf kein Film vorgeführt werden, wenn nur ein einziger anderer in der Verleihstaffel nicht den politischen Vorstellungen des Propagandaministerium entspricht. Das kommt einem Verbot gleich und macht die Arbeit der US-Firmen in Deutschland unmöglich. Nach und nach schliessen diese ihre  Niederlassungen, zuletzt im Oktober 1940 die Paramount und die MGM.

Die daraus resultierende Einseitigkeit des Filmangebots lässt sich gut im Anzeigenteil des „Berliner Lokal-Anzeigers” vom 9. April 1940 erkennen. In den 50 inserierenden Kinos der Stadt läuft nur ein einziger amerikanischer Film („Rivalen” mit Nelson Eddy, Victor McLaglen und Lionel Barrymore). Außerdem wird der französische Streifen „Rivalin der Zarin” annonciert. In den anderen 48 Theatern sind nur deutsche Filme im Angebot, darunter allein achtmal „Weißer Flieder” und neunmal „Kriminalkommissar Eyck”.

Daten zum Film

Der Held der Prärie (Illustrierte Filmbühne Nr. 696) mit der Überschrift The Plainsman ist in Deutschland 1940 unter dem Titel Verrat – Die Abenteuer des Bufallo Bill erschienen. Der Western aus den Paramount-Studios stammt aus dem Jahr 1936. Produzent und Regisseur ist Cecil B. DeMille. Unter seiner Leitung spielen Gary Cooper (als Wild Bill Hickok), Jean Arthur (als Calamity Jane) und James Ellison (als Buffalo Bill Cody) die tragenden Rollen. Dabei sind außerdem noch Charles Bickford,  Helen Burgess und Porter Hall. Anthony Quinn spielt als Cheyenne eine kleine Nebenrolle. Die deutsche Stimme von Gary Cooper stammt von Wilhelm Borchert, Jean Arthur wird von Erika Goerner gesprochen.

Die Erstaufführungen sind am 16. November 1936 in den USA, im Frühjahr 1940 in Deutschland, am 15. April 1950 in der Bundesrepublik, wenig danach in Frankfurt zu sehen.