Die Fledermaus

Illustrierte Filmbühne Nr. 506 (E. S.)  – Diese Geschichte des Films Die Fledermaus kann getrost als ziemlich  abenteuerlich bezeichnet werden. Einzelheiten dazu erfahre ich Januar 1950, als ich als frisch gebackener Mitarbeiter einer Frankfurter Tageszeitung zu einer Sondervorstellung in den Gloria-Filmpalast geschickt werde. Ein gewisser Johannes Heesters soll dort anwesend sein und erzählen… 

FledermausDas Gloria-Theater ist zu dieser Zeit noch von den US-Behörden beschlagnahmt und dient als Kino für die amerikanischen Soldaten in Frankfurt am Main. Gelegentlich werden auch deutsche Besucher eingeladen. In einer Vorpremiere (Preview) wird der Operettenfilm vor geladenem Publikum gezeigt, nachdem die bundesdeutsche Uraufführung für den Februar angesetzt ist. In Frankfurt soll der Streifen im großen Filmpalast starten. Johannes Heesters berichtet aus diesem Anlass vor Journalisten über den Werdegang des Streifens, der 1944 in Berlin und Prag in verbesserten Agfacolor-Farben gedreht worden ist, aber 1945 nicht mehr in die Kinos kommt und nach den Angriffen auf Berlin und der Kapitulation Deutschlands zunächst als verschollen gilt. Doch nachdem das Material von der Cutterin Alice Ludwig in den Trümmerhaufen der zerstörten Ateliers in Babelsberg ausgebuddelt wird, bearbeitet sie es für die gerade im Aufbau befindliche ostdeutsche DEFA. Danach wird der Streifen von der russischen Firma „Sovexport” in die Vereinigten Staaten exportiert, wo er sogar überaus erfolgreich und für längere Zeit am Broadway in New York gezeigt wird.

Über die Operette selbst muss nicht viel gesagt werden, denn das hieße Eulen nach Athen zu tragen. Erkennbar ist jedoch, dass sich die Handlung im Film nicht so sehr an der musikalischen Vorgabe von Strauss (in der Bearbeitung von Alois Melichar) und den Textern Karl Haffner und Richard Genée orientiert, sondern die Liebesdinge, die vielfältigen Intrigen und die galanten Verwechslungen – angesiedelt zwischen Maskenball und fidelem Gefängnis – in einer außergewöhnlich unterhaltenden Form präsentiert. Gewiss ein Verdienst von Regisseur Géza von Bolváry und Drehbuch-Autor Ernst Marischka.

Daten zum Film

Die Fledermaus ( Illustrierte Filmbühne Nr. 506) ist ein Farb-Musikfilm der Terra aus dem Jahr 1945 nach der Operette von Johann Strauss (Sohn). Unter der Regie von Géza von Bolváry spielen und singen Johannes Heesters (als Gabriel von Eisenstein), Marte Harell (als Rosalinde), Hans Brausewetter (als Alfred), Willy Fritsch (als Gefängnisdirektor Frank), Siegfried Breuer (als Prinz Orlofsky) und Dorit Kreysler (als Adele) Das Drehbuch verfasst Ernst Marischka, Kameramann ist Willy Winterstein. Alice Ludwig ist Chefcutterin.

Erstaufführung am 16. August 1946 in der Sowjetischen Besatzungszone (Ost-Berlin). Erste Aufführung in der Bundesrepublik am 21. Februar 1950, u. a. im Filmpalast in Frankfurt. Eine Sondervorstellung vor geladenem Publikum zuvor (Mitte Januar) im Gloria-Palast.