Die Frau von gestern Nacht

Illustrierte Filmbühne Nr. 732  (E. S.) – Obwohl Dieter Fritko, der Kritiker der Zeitung „Frankfurter Rundschau”, nun nicht gerade begeistert ist  – er formuliert das so: „Die Frau von gestern nacht ist zwar der hundertste Film der Luxor-Lichtspiele, aber leider kein Jubiläumsereignis” –, sehe ich mir den neuen  Film an, der als „Jubiläum” im Kino am Hauptbahnhof Mitte Januar 1951 auf dem Programm steht.

Die Frau-von-gestern NachtDie frühen 50er Jahre sind eine Zeit, in der sich immer mehr Nachtbars und Lokale um zahlungskräftige Kundschaft bemühen und Cafés und Lokale in Mode sind, die zwecks zwischenmenschlicher Kontakte über Tischtelefone verfügen. Das große Kontakt-Lokal „Das Neue Zillertal” in Frankfurt (Werbung: „Wie in Grinzing”) verfügt gleich über 50 dieser Apparate. In der Nähe der Großmarkthalle steigen im Zirkusbau Oscar Hoppe die Catcher zur allgemeinen Belustigung in den Ring, das Revue- und Kabarett-Theater „Moulin Rouge” in der Weserstraße steht vor der Eröffnung. Doch nicht nur in Frankfurt, auch in anderen Städten beginnt das Leben zu pulsieren, nachdem das „Wirtschaftswunder” am Horizont erscheint. Die Atmosphäre dieser Zeit spiegelt sich auch in manchen Filmen wider.

Das Lustspiel Die Frau von gestern nacht ist so ein Streifen, der als Kulisse unter anderem den Berliner Kurfürstendamm und diverse Nachtlokale benutzt – so wie es zu dieser Zeit in vielen Unterhaltungsfilmen ist. Alles soll ein bisschen verrucht wirken. Der Inhalt des Lustspielchens ist freilich insgesamt dann doch eher belanglos.

Die kesse Heidi (Heli Finkenzeller) lockt nach einer Geburtstagsfeier zwei wildfremde Männer in ihre Wohnung, um – natürlich nur zum Schein – die vermeintliche Leichtlebigkeit der Frauen ad absurdum zu führen. Dass der Journalist Ruppert (Albert Matterstock), in Liebe zu der „Verführerin” entflammt, obwohl er ihr Verhalten zunächst als ziemlich anstößig empfindet, ist vorhersehbar und so geht nach einem Drehbuch von Gustav Kampendonk und unter der Regie von Arthur Maria Rabenalt alles seinen gewohnten Gang: ohne besondere Höhen und Tiefen. Wie Fritko treffend bemerkt: Kein „Jubiläumsfilm.”

Daten zum Film

Die Frau von gestern nacht (Illustrierte Filmbühne Nr. 732) ist ein deutsches Lustspiel der Firma Cinephon im Verleih der Luxor-Filmgenossenschaft aus dem Jahr 1950. Das Drehbuch schreibt Gustav Kampendonk, die Regie führt Arthur Maria Rabenalt. In den wichtigsten Rollen sind Heli Finkenzeller (als Heidi) und Albert Matterstock (als Journalist Ruppert) im Einsatz. Als weitere Darsteller werden Hilde Sessak, Hans Stiebner, Franz-Otto Krüger, Bruno Fritz, Willi Rose und Emil Suhrmann eingesetzt. – Deutsche Erstaufführung am 2. Juni 1950; in Frankfurt im Januar 1951 im Luxor angelaufen.