Die Frauen des Herrn S.

Illustrierte Filmbühne Nr. 1180 (E. S.) – Erstaufführung eines deutschen Films im Bierbau im August 1951. Hoffnungen auf ein satirisches Lustspiel werden freilich nicht erfüllt, wenngleich es die Werbung verspricht.

Herr SEs geht – verfremdet versteht sich – um die Rolle der vier Besatzungsmächte in Deutschland und Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg. Dieses Thema ist nach 1945 in mehreren Filmen thematisiert worden. Die Briten machen den gangsterhaften Kriminalstreifen „Der dritte Mann”, die Schweizer drehen das Drama „Die Vier im Jeep” – ebenfalls mit Schauplatz Wien – , die Deutschen versuchen es mit einer Art satirischem Lustspiel mit dem Titel Die Frauen des Herrn S. Als Besatzungstruppen fungieren Makedonen (Amerikaner), Kreter (Briten), Perser (Russen) und Korinther (Franzosen). Sie werden dabei auf die Schippe genommen, doch nicht immer gelingt dies. Das politische Ränkespiel des Philosophen Sokrates als geheimer Ratgeber der Regierung im antiken Athen. Die Geschichte dient als Rückprojektion, um politische und weltanschauliche Probleme der Nachkriegszeit zu karikieren; das weitgehend niveaulos aufgezogene Lustspiel weist freilich nur geringe satirische oder kabarettische Elemente auf.

Die Handlung ist – mit großen historischen Freiheiten – in das besiegte und besetzte Athen nach dem Peloponnesischen Krieg (404 v. Chr.) verlegt worden, wo Herr S. (= Sokrates, gespielt von Paul Hörbiger) aus ganz persönlichen, egoistischen Gründen der athenischen Volksvertretung und den vier Besatzungsmächten die Doppelehe für Männer vorschlägt.

Nach außen hin geht es ihm darum, die vielen Kriegerwitwen zu versorgen. Seine tiefere Absicht aber ist es, neben der zänkischen Xanthippe die schöne Sklavin Euritrite als Nebenfrau zu freien. Was das alles mit der realen Situation in Nachkriegsdeutschland zu tun hat, bleibt den Zuschauern freilich rätselhaft…

Daten zum Film

Die Frauen des Herrn S. (Illustrierte Filmbühne Nr. 1180) ist ein Lustspiel
aus der Bundesrepublik Deutschland, produziert von der Pontus-Filmgesellschaft im Jahr 1951 in den Studios der Taunus-Film in Wiesbaden. In dem 95 Minuten langen Film spielen unter der Regie von Paul Martin die Darsteller Sonja Ziemann (als Euritrite) und Paul Hörbiger (als Sokrates) die Hauptrollen. Außerdem wirken Loni Heuser (Xanthippe), Walter Giller (Platon), Oskar Sima (Perikles), Fita Benkhoff (Stabila) und Rudolf Platte (Musarion) mit. Außerdem sind Heinz Engelmann, Willi Rose, Inge Stoldt, Karin Himboldt, Hubert von Meyerinck, Werner Finck, Friedrich Domin, Ursula Herking, Ralf Wolter und Paul Westermeier zu sehen. Das Drehbuch schreibt Gustav Kampendonk, an der Kamera steht Fritz Arno Wagner; die Musik komponiert Lotar Olias. – Erstaufführung am 10. August 1951 in Köln und Frankfurt am Main (Bieberbau).