Die Kupferne Hochzeit

Illustrierte Filmbühne Nr. 252  (E. S.) – Es ist schon eine seltsame Sache mit dem deutschen Kino in der Nachkriegszeit. Nach einer kurzen Periode mit einigen  „Trümmer- und Problemfilmen” flimmern auch schon längst wieder einige so genannte Reprisen (also Filme aus der der Nazizeit) über die Leinwände und bei den Produzenten geht es relativ rasch im alten und gewohnten Trott mit der Zelluloid-Belichtung weiter. Trümmer werden immer weniger gezeigt, die Macher verlegen die Handlungen deshalb oft aufs Land.

Kupferne HochzeitEin Film, der sich überaus ambitioniert gibt, aber doch nur die Strickmuster und auch die alten Klischees wiedergibt, ist der Streifen Die Kupferne Hochzeit, der am 15. Dezember 1948 im Luxor am Frankfurter Hauptbahnhof recht großspurig als Welturaufführung annonciert wird, obwohl er gleichzeitig auch in vielen anderen Städten startet. „Sieben Jahre Ehe heiter betrachtet” – das  verspricht die sehr freundlich-nette Werbebotschaft in der Tageszeitung „Frankfurter Rundschau”. Als Darsteller werden Hertha Feiler, Peter Pasetti, Sybille von Gymnich, Hans Nielsen, Hilde Classen, Bum Krüger, Albert Florath und Erich Ponto ins Rennen geschickt. Die Regie hat Heinz Rühmann übernommen, der mit seiner Comedia auch als Produzent auftritt. Drei befreundete Ehepaare, in deren Beziehungen es kriselt, treffen sich am Tag der kupfernen Hochzeit, dem verflixten 7. Jahr also, um Wege aus ihren Alltagsproblemen zu finden, was ihnen dann auch dank der Ratschläge eines inzwischen verstorbenen Lehrers gelingt.  Ganz hübsch von Rühmann in Szene gesetzt, aber auch nicht umwerfend.

Der Frankfurter Kinozar Friedrich Wollenberg hat erst vor wenigen Monaten das Luxor als Erstaufführungskinos mit dem klaren Ziel aus den Häuserruinen gestampft, nicht nur vom Kino-Boom dieser Zeit zu profitieren, sondern auch anspruchsvolles Kino zu bieten. Doch Die Kupferne Hochzeit ist für Wollenbergs Anliegen eher kontraproduktiv, weil nur durchschnittliche Unterhaltungsware.

Das Dilemma für Kinobesitzer und Produzenten besteht darin, dass die Menschen sich nämlich – täglich immer noch Ruinen, Schutt und Asche vor Augen und mit reichlich Sorgen konfrontiert – drei Jahre nach Ende des Krieges an den „Trümmerfilmen” und anderen die Vergangenheit betreffenden Produktionen der Nachkriegszeit nicht mehr so recht erfreuen mögen. Das Publikum klammert sich längst wieder an einer Art Unterhaltung, die schon zu Ufa-Zeiten als probates Mittel eingesetzt wurde, um Sorgen und Nöte vergessen zu lassen. Unkomplizierte Unterhaltung ist wieder gefragt. Und irgendwie ist das ja auch verständlich, schließlich gilt der Mensch ja als Meister der Verdrängung…

Daten zum Film

Die kupferne Hochzeit (Illustrierte Filmbühne Nr. 252) ist eine deutsche Komödie aus dem Jahr 1948 nach einem Theaterstück von Sven Rindom. Produktionsfirma ist die Comedia-Film von Alf Teich und Heinz Rühmann, der auch die Regie übernommen hat. Unter seiner Anleitung spielen Hertha Feiler, Peter Pasetti (als Ehepaar Mette und Per), Sybille von Gymnich und Hans Nielsen (als Ehepaar Inge und Otto), Hilde Classen und Bum Krüger (als Ehepaar Hedwig und Georg) sowie Albert Florath (als Herr Zietemann) und Erich Ponto als alter Lehrer. Die Welturaufführung findet u. a. am 15. Dezember 1948 im Gloria in Berlin und im Luxor in Frankfurt am Main statt.