Die Liebesabenteuer des Don Juan

Illustrierte Filmbühne Nr. 1080 (E. S.) – Friedrich Wollenberg, Besitzer des „Metro im Schwan” an der Hauptwache in Frankfurt, hat sich wieder einmal etwas Besonderes ausgedacht, als der Warner-Streifen Die Liebesabenteuer des Don Juan Premiere hat. Nicht gerade verwunderlich, denn Wollenberg ist stadtbekannt für seine außergewöhnliche Werbemaßnahmen.  

Die Liebesabenteuer des Don JuanAls der Film Anfang März 1951 vor seiner Erstaufführung in der Mainmetropole steht, ordert Wollenberg sage und schreibe 10 000 kleine Blumensträußchen bei einschlägigen Händlern, lässt die gleiche Zahl von winzigen Visitenkärtchen drucken, und fügt sie den Gebinde bei. Die Geschenke werden von Pagen in der Innenstadt verteilt. Auf den Kärtchen steht nicht viel, nur einige Worte: „Ihr Don Juan erwartet Sie. Telefon 34668!“ Es ist eine eigens eingerichtete Nummer für den Vorverkauf. Im Gefolge der Pagen rollt – wie die Zeitung „Frankfurter Rundschau” am 6. März zu berichten weiß –, ein von Ponys gezogener Wagen des Zoologischen Gartens durch die Stadt, der ebenfalls zur eingesetzten Werbekolonne gehört. Klappern gehört für den Kinozar einfach zum Handwerk. Es ist nicht überliefert, inwieweit die Aktion den Besuch des Kinos tatsächlich positiv beeinflusst hat, immerhin ist Hauptdarsteller Errol Flynn zu dieser Zeit auch ohne massive Werbung immer noch ein Kassenmagnet, obwohl sein Stern in der Heimat wegen diverser Alkoholprobleme bereits am Sinken ist.

Gleichwohl kann Flynn unter der Regie von Vincent Sherman noch einmal zu alter Hochform auflaufen. Dabei beglückt der charmante Galan als Don Juan am spanischen Königshof im Madrid des 17. Jahrhunderts nicht nur unzählige schmachtende Frauenherzen, sondern vereitelt auch politische Intrigen und diverse Ränkespiele eines kriegslüsternen Ministers.

Hollywood-Konzern Warner hat noch einmal tief in die Geldschatulle gegriffen und so ist ein  prächtiges Gemälde menschlicher Leidenschaften entstanden. Ein riesiger Aufwand von prächtigen Dekorationen, Kostümen und Darstellern ist Staffage für einen sagenumwobenen Liebhaber, dem ein schon angeschlagener Flynn doch noch einmal Leben einhaucht.

Wie eine Persiflage

Manchmal wirkt der Film auch wie eine Persiflage auf Flynns eigenes Leben und seine vorherigen Mantel-und-Degenfilme. Immer ist Ironie zu spüren, besonders zum Schluss, als er mit seinem ständigen Begleiter Leporello (Alan Hale) über die Düsternis seiner nahen Zukunft schwadroniert. Im gleichen Augenblick rollt an den beiden Männern eine Kutsche vorbei, in der ausgerechnet Nora Eddington sitzt. Ihre Rolle ist so winzig, dass sie nicht einmal im Vorspann namentlich erwähnt wird, aber sie ist im wirklichen Leben zur Zeit der Dreharbeiten Flynns Ehefrau.

Flynn folgt der Kutsche spornstreichs und lässt seinen Begleiter mit den Worten stehen: „In jedem Mann schlummert etwas von einem Don Juan. Da ich selbst dieser Don Juan bin, muss ich davon eine größere Portion in mir haben.”

Daten zum Film

Die Liebesabenteuer des Don Juan (Illustrierte Filmbühne Nr. 1080) heisst im amerikanischen Original The Adventures of Don Juan und ist ein Abenteuer- und Liebesfilm von Warner Bros. aus dem Jahr 1948 in einer Länge von 110 Minuten nach Motiven einer Geschichte von Herbert Dalmas. Produziert von Jerry Wald für Warner. Unter der Regie von Vincent Sherman spielen Errol Flynn (als Don Juan), Viveca Lindfors (als Queen Margaret), Robert Douglas (als Herzog de Lorca) die Hauptrollen. Weitere Mitwirkende sind Alan Hale (als Leporello), Raymond Burr (als Cpt. de Alvarez), Douglas Kennedy (als Don Rodrigo) und Ann Rutherford (als Donna Elena).

Das Drehbuch verfassen George Oppenheimer und Harry Kurnitz. An der Kamera arbeitet Elwood Bredell, die Musik ist von Max Steiner. Der Film erhält Oscars für die besten Farbkostüme 1950. Deutsche Stimmen kommen von Hans Nielsen (Errol Flynn), Eva Vaitl (Viveca Lindfors), Ernst F. Fürbringer (Robert Douglas), Bum Krüger (Alan Hale), Tina Eilers (Ann Rutherford), Wolfgang Preiss (Douglas Kennedy). –  Uraufgeführt am 24. Dezember 1949 in New York City, in Deutschland am 30. Januar 1951, in Frankfurt am Main ab 7. März 1951 im Metro im Schwan.