Die Nacht der Zwölf

Illustrierte Filmbühne Nr. 175  (E. S.) – Im „Eden” in der Lange Straße, das vor noch nicht einmal zwei Monaten am Tor zum Frankfurter Ostend eröffnet worden ist, läuft Anfang Januar 1949 in Erstaufführung der Kriminalfilm Die Nacht der Zwölf. Es geht darin um Leopold Lanski, einen Betrüger und Heiratsschwindler, der – um seinen aufwendigen Lebensstil aufrecht erhalten zu können – zum Raubmörder wird.

Nacht der 12Dieses brisante Thema scheint sehr genau in die Nachkriegszeit zu passen, wirft aber auch einige Fragen auf. Die Jahre nach dem Krieg sind geprägt von Schiebern Schwarzhändlern und Glücksrittern – und da passt durchaus auch ein Heiratsschwindler gut ins Bild. Der Film ist durchaus spannend, hat aber für Zuschauer nur schwer erkennbare Fallstricke, denn irgendwann erfahre ich, dass die Handlung des Films auf einem Kriminalroman von Felicitas von Reznicek („Shiva und die Nacht der Zwölf”) beruht, dem später von Historikern bescheinigt wird, auf subtile Art der Nazi-Ideologie zu entsprechen. Doch wer als Jugendlicher kann das zu dieser schon Zeit wissen? Noch nicht einmal die Tatsache, dass der Film ein so genannter „Überläufer” aus der Nazizeit ist – Filme, die noch vor der Kapitulation fertiggestellt worden sind, aber erst nach Kriegsende aufgeführt werden – ist mir bewusst.

Der im Film geschilderte Fall ist auf den ersten Blick jedenfalls zu einleuchtend, um mehr darin zu erkennen als eine Kriminalgeschichte. Fallen doch auch mir in der Zeitung immer wieder Heiratsanzeigen auf, die den Verdacht aufkommen lassen, einigen Inserenten gehe es nicht um „ein angestrebtes Glück zu Zweit”  – wie es in den meist recht geschwollen Annoncen beschrieben wird –, sondern um finanzielle Vorteile.

Auch der sich ständig wiederholende Wunsch nach „Einheirat” in bestehende Betriebe oder Bauernhöfe nährt den Verdacht der Unredlichkeit. Gerade die Kriegs- und Nachkriegszeit macht es windigen Typen leicht, sich insbesondere bei alleinstehenden Frauen einzuschmeicheln. So wie es im Film auch der charmante Leopold Lanski (Ferdinand Marian) tut, dem es zum Lebensinhalt geworden ist, Frauen zu betrügen und um ihr Geld zu bringen.

So plant Lanski es auch bei einer recht gut betuchten Frau von Droste (Dagny Servaes), die unvorsichtig genug ist, ihn auch noch zum Universalerben ihres Vermögens zu machen. Unverzüglich stösst Lanski die Dame die Treppe hinunter, was sie nicht überlebt. Doch dummerweise für Lanski hat die Witwe das Testament noch gar nicht unterschrieben. Lanski, der auf ein sorgenfreies Leben gehofft hat, guckt in die Röhre, und muss weiter lügen und betrügen, bis er gefasst wird.

Daten zum Film 

Die Nacht der Zwölf ist ein Kriminalfilm der Bavaria aus dem Jahr 1945, der erst Anfang Januar 1949 gezeigt wird. Die Geschichte basiert auf dem Roman „Shiva und die Nacht der Zwölf” von Felicitas von Reznicek. Die Regie führt Hans Schweikart, als Darsteller agieren Ferdinand Marian (als Agent und Heiratsschwindler Leopold Lanski), Rudolf Fernau (als Kriminalrat Rohrbach), Mady Rahl (als Sekretärin Lili Kruse), Hildegard Flöricke (als eine der betrogenen Ehefrauen), ferner: Oskar Sima, Adolf Gondrell, Ellen Hille, Ernst Karchow, Kurt Müller-Graf, Fritz Odemar, Annelies Reinhold, Dagny Servaes, Alice Treff. – Als Termin für die Erstaufführung wird von verschiedenen Quellen der 7. Januar 1949 angegeben, doch geht der Film im Frankfurter Eden zu diesem Zeitpunkt laut Anzeige in der Frankfurter Rundschau bereits in die zweite Woche.