Die Nacht vor der Hochzeit

Illustriertes Filmprogramm/Odlas, Wien (E. S.) – Dieser Schwarzweiß-Film ist ein Klassiker der amerikanischen Screwball-Comedys der 30er und 40er Jahre, vollgepackt mit subtiler Gesellschaftskritik, witzigen und hintergründigen Dialogen und einer glanzvoller Besetzung. Der Film startet in der Bundesrepublik am 7. Februar 1950, der Autor sieht ihn im Laufe des Sommers in den Harmonie-Lichtspielen in Frankfurt-Sachsenhausen. 

Die-Nacht-vor-der-HochzeitSeltsamerweise ist zu diesem Streifen in Deutschland kein Filmprogramm-Heft erschienen; in Österreich ist jedoch eine Ausgabe des „Illustrierten Filmprogramms“ (siehe Bild) produziert worden. Obwohl 1950 vor allem so genannte leichtere Kost in den Kinos bevorzugt wird, ist die US-Komödie entweder bei der Planung der Filmbühne übersehen worden oder die Presseabteilung der MGM hat den Start des Films verschlafen. Immerhin gibt es wöchentlich mehrere Premieren und deutsche Streifen haben in dieser Zeit Hochkonjunktur. Film des Jahres in der Bundesrepublik ist zum Beispiel der Heimatfilm »Schwarzwaldmädel« mit Sonja Ziemann und Rudolf Prack in den Hauptrollen. Die „Illustrierte Filmbühne“ verkauft Hunderttausende von Programmheften zu dieser Heimatschnulze. Überhaupt finden in diesen Monaten gesellschaftliche Ereignisse großes Interesse. Die Wahl der ersten Miss Germany, die Verlobung des Schahs von Persien mit der Fürstentochter Soraya oder die Heirat des ehemaligen Hollywood-Kinderstars Liz Taylor mit dem Erben des Hotelimperiums Hilton sind wichtige Themen in der Regenbogen-Presse. Wahrscheinlich spielt auch politische Situation eine Rolle. In der Bundesrepublik steht die Wiederbewaffnung auf der Tagesordnung, international droht der Korea-Konflikt. Von diesen Dingen haben die Menschen genug. Heile Welt ist ihnen da lieber.

Eine heile, wenn auch überspannte Welt gibt es auch in dem Film Die Nacht vor der Hochzeit. Die überkandidelte Millionärstochter Tracy Lord (Katherine Hepburn) gedenkt den Aufsteiger George Kittredge (John Howard) zu heiraten. Unter den eingeladenen Gästen befindet sich auch ihr Ex-Mann C. K. Dexter Haven (Cary Grant). In der Nacht vor der geplanten Hochzeit schleust dieser im Auftrag von Sydney Kidd (Henry Daniell), dem skrupellosen Chefredakteur der Boulevardzeitung Spy Magazin, die Klatschreporter Macauley „Mike“ Connor (James Stewart) und Elizabeth „Liz“ Imbrie (Ruth Hussey) in das Anwesen ein. Kidd hat Dexter zugesichert, dass dann in der Zeitung auf eine diskriminierende Geschichte über Tracys Vater Seth (John Halliday) verzichtet wird. Denn der geschiedene Dexter liebt seine Ex-Frau immer noch und will ihre Familie vor Ungemach schützen.

Reichlich Turbulenzen

Tracy Lord erkennt zwar schnell, dass es sich bei den „Freunden“ von Dexter um Journalisten handelt, macht aber gute Miene zum bösen Spiel. Außerdem hat sie Gefallen an dem smarten Mike gefunden, der auch nicht abgeneigt ist, mit der schönen Tracy kräftig zu flirten. Das ruft natürlich sowohl ihren zukünftigen wie auch ihrem früheren Mann auf den Plan. Verwicklungen und Komplikationen erzeugen in den Stunden vor der Hochzeit reichlich Turbulenzen, wobei Mike Connor der überkandidelten Tracy eine Lektion in Sachen Herzenswärme und natürlicher Menschlichkeit erteilt. Tracy überwindet ihre Eitelkeit und ihren anerzogenen Dünkel und entscheidet sich kurzfristig dazu, auf eine Ehe mit einem ungeliebten Mann zu verzichten und zu ihrem Ex-Gatten zurückzukehren.

Daten zum Film

Die Nacht vor der Hochzeit (Illustriertes Filmprogramm © Odlas Wien) heisst im Original schlicht The Philadelphia Story und ist ein Verfilmung der Metro Goldwyn Mayer (MGM) aus dem Jahr 1940. Der 108 Minuten lange Film beruht auf dem Boulevard- Theaterstück von Philipp Barr und erhielt im Jahr 1941 zwei Oscars (James Stewart) und Donald Ogden Stewart (bestes Drehbuch nach einer literarischen Vorlage). Ausführender Produzent ist Joseph L. Mankiewicz, als Regisseur arbeitet George Cukor mit den Darstellern Katharine Hepburn (als Tracy Lord), Cary Grant (als C. K. Dexter Haven), James Stewart (als Reporter Mike Macauley Connor), Ruth Hussey (als Elizabeth Imbrie), Roland Young (als Onkel Willie), John Howard (als George Kittredge) und John Halliday (als Seth Lord). Das Drehbuch stammt von Donald Ogden Stewart und Waldo Salt, die Kamera wird von Joseph Ruttenberg geführt, die Musik komponiert Franz Waxman. Deutsche Synchronstimmen der Hauptpersonen: Curt Ackermann (Cary Grant), Hans Nielsen (James Stewart), Eva Vaitl (Katharine Hepburn). – Erstaufführung am 26. Dezember 1940 (USA), am 7. Februar 1950 in der Bundesrepublik Deutschland, im Sommer auch in Frankfurt zu sehen.