Die Spur des Falken

Illustrierte Filmbühne Nr. 83  (E. S.) – Im Jahr 1946 läuft im Rahmen des von den amerikanischen Militärbehörden installierten Filmverleih-Programms der Motion Pictures Export Association (MPEA) auch der Film Die Spur des Falken an. Die Hauptrolle des hartgesottenen Privatdetektivs Sam Spade ist Humphrey Bogart auf den Leib geschneidert und die sehr spannende Story mit der Jagd nach einer kostbaren antiken Figur passt so recht in die Frankfurter Nachkriegszeit, in der ebenfalls alles versilbert wird, was nur irgendwie die Lebensverhältnisse verbessern kann.

Spur des FalkenNatürlich ist die übergroße Mehrheit der Menschen durchaus sehr ehrenwert geblieben in dieser schwierigen Zeit und versucht sich tagtäglich irgendwie ehrlich durch die Widrigkeiten des Lebens zu schlagen, aber gleichwohl tummeln sich zwielichtige Gestalten – wie auch im Film – in der Gegend um den Hauptbahnhof, der Schwarze Markt blüht, immer wieder gibt es Razzien, kleine und große Händel; Schiebereien sind ohnehin an der Tagesordnung, die Kriminalität ist hoch, Tauschgeschäfte bestimmen den Kampf der Bevölkerung. Und viele teure Wertsachen wie etwa Kameras, Silberbesteck, Porzellan, Teppiche und ähnliches – soweit sie die Fliegerangriffe überhaupt unbeschädigt überstanden haben – werden entweder auf den dunklen Straßen unter der Hand verhökert oder in der gerade neu eröffneten offiziellen Tauschzentrale der Amerikaner an der Ecke Weser- und Kaiserstraße gegen Nahrungsmittel eingetauscht.

Genau in diese Atmosphäre passt Die Spur des Falken, der einerseits nüchtern, aber auch mit Zynismus und einer Portion hintergründigem Humor angereichert ist. Die Frankfurter Nachkriegssituation passt dazu wie die Faust auf’s Auge…

In die Spur des Falken wird eine wertvolle Statue gejagt. Verschiedene  Gangster, die Polizei und der Privatdetektiv Sam Spade sind in die Suche involviert, es gibt undurchsichtige Querverbindungen, die Figuren bleiben lange undurchschaubar, aber am Ende wartet eine unbeschreibliche Enttäuschung auf die Beteiligten, denn sie sind allesamt darauf hereingefallen, dass der Malteser Falke eine wertlose Fälschung ist. An Stelle von Geld, Glanz und Glück erwartet die meisten eine harte Strafe.

Die Story von Dashiell Hammett ist nicht das Entscheidende dieses Films. Interessanter ist, dass von dem jungen Regiedebütanten John Huston ein Film geschaffen worden ist, der nicht nur als einer der besten Detektivfilme gilt, sondern auch die Karriere von Humphrey Bogart in die richtigen Bahnen lenkt, denn immerhin hat der zum Zeit des Filmdrehs 1941 schon 41 andere Filme auf dem Buckel, ohne jedoch – vielleicht abgesehen von High Sierra, ebenfalls 1941 – wirklich vorwärts gekommen zu sein.

Daten zum Film 

Die Spur des Falken oder auch Der Malteser Falke (Illustrierte Filmbühne Nr. 83 – zuvor Nr. 13 des ersten Jahrgangs) gilt als legendärer stilbildender Film der amerikanischen Schwarzen Serie. Er wurde von der National First-Film für die Warner Bros. im Jahr 1941 nach dem Roman Dashiell Hammett von Hal B. Wallis produziert. Beim Regiedebüt von John Huston spielen Humphrey Bogart (als Privatdetektiv Sam Spade), Mary Astor (als Brigid O’Shaughnessy), weitere Mitwirkende sind Gladys George, Peter Lorre, Sydney Greenstreet, Barton MacLane, Lee Patrick, Ward Bond. Welt-Uraufführung ist am 3. Oktober 1941 in New York, deutsche Erstaufführung am 3. Mai 1946 in der amerikanischen Zone. – 1948 in den Hansa-Lichtspielen in der Kaiserstraße in Frankfurt gespielt.