Die verschleierte Maja

Das Neue Filmprogramm (E. S.) – Der bewährte Zelluloid-Schuster Geza von Cziffra hat in den Nachkriegsjahren reichlich zu tun. Seine Spezialität sind musikalische Revue- oder Unterhaltungsfilme. Nachdem er bei der Hamburger Real-Film erst „Gabriela“ und danach sogleich „Die Dritte von rechts“  heruntergekurbelt hat, inszeniert er für die Pontus-Film Die verschleierte Maja. Cziffras Rezept ist einfach: Inhaltlich belanglose Geschichten, angereichert mit flotter Musik und tanzenden Frauen.

Die verschleierte-MajaGleichwohl rankt sich um Die verschleierte Maja ein politischer Skandal allererstes Ranges. Ursprünglich will nämlich die Hamburger Real-Film diesen Film produzieren; doch eine politische Intrige macht das unmöglich. Innenminister Robert Lehr ist in diese übers traurige Geschichte verwickelt. Deutsche  Filmproduzenten beantragen in der Regel so genannte Bundesbürgschaften, um gegen eventuell auftretende finanzielle Verluste gewappnet zu sein. Die finanziellen Zusagen des Bundes sollen dazu dienen, die filmkulturelle Entwicklung in Deutschland anzuschieben, sie werden – wie am Fall des Real-Chefs Walter Koppel zu sehen ist – von der Adenauer-Regierung jedoch als politisches Druckmittel missbraucht. Der Jude Walter Koppel wird 1951 denunziert, weil er von 1947 bis 1949 Mitglied der Kommunisten Partei Deutschlands (KPD) war und demzufolge – so der Vorwurf, „nicht würdig” ist, eine Bürgschaft zu erhalten.

Obwohl Koppel erklärt, dass seine KP-Mitgliedschaft eine Reaktion darauf war, dass seine Eltern von der Gestapo umgebracht worden sind, und er selbst jahrelang in Konzentrationslagern verbracht hat, bleibt Bonn unnachgiebig. Ähnlich wie bei McCarthy, dessen Ausschuss Filmschaffende der USA wegen angeblicher „unamerikanischer Umtriebe” verfolgt, wird Koppel in Bonn  vor einem Ausschuss gezerrt und erhält tatsächlich keine Bürgschaften für seine Filme.

Die verschleierte Maja geht deshalb an die Pontus-Film über. Danach ist es dem Hamburger Bürgermeister Max Brauer zu verdanken, dass es mit der Real-Filmproduktion überhaupt weiter gehen kann, denn die Hansestadt übernimmt in der Folge die Bürgschaft für einige Real-Produktionen (Quellen u.a. Geza von Cziffra: „Es war eine rauschende Ballnacht“, Ullstein-Verlag). Dabei sind die meisten Real-Filme eher harmlos. Auch Die verschleierte Maja folgt bei der Pontus-Produktion dem bewährten Schema seichter Unterhaltung.

Der Streifen lebt fast einzig und allein von den Schlagern Michael Jarys. Schon vor dem Filmstart werden sie in den Radiosendern abgenudelt. Vor allem Gerhard Wendland mit dem Ohrwurm „Das machen nur die Beine von Dolores“ und Anneliese Rothenberger mit dem Titel „Liebe ist ja nur ein Märchen“ sind ständig zu hören – auch die Lieder „Das ist nichts für kleine Mädchen“, „Fahr’n Sie nicht zum Nordpol“ und der Majo-Mambo machen Furore. Dazu tanzen die Hiller-Girls und es schwimmen die Isarnixen.

Schlichte Handlung

Die Handlung ist ohnehin eher schlicht. Das Ehepaar Prickwitz samt Tochter, notdürftig vom Zimmer vermieten lebend, tut etwas, was in Filmen dieser Art ansonsten eher untypisch ist. Sie geht nämlich hart arbeiten. Zuerst die Tochter Helga als Tänzerin in der Bar „Verschleierte Maja“, dann die Mutter, die sich als Garderobenfrau in dem ein wenig anrüchigen Etablissement verdingt: Doch Vater Prickwitz – er verdient seine Brötchen als Sektvertreter – darf als prinzipien- und sittenstrenges Familien-Oberhaupt natürlich nicht wissen, was die weiblichen Familienangehörigen so treiben – immerhin leben wir (siehe oben) in der Adenauer-Ära und die ist nicht nur politisch fragwürdig, sondern auch prüde und verklemmt.

Bewährte Darsteller

Unter diesen Umständen gibt es natürlich und nicht ganz unverhofft zahlreiche Irrungen und Wirrungen, ehe sich wie üblich dann doch alles in Wohlgefallen auflöst. Das Geschehen wird immerhin von bewährten Darstellern auf die Leinwand gebracht, allen voran Willy Fritsch, Grethe Weiser, Rudolf Platte, Oskar Sima – und als Neuentdeckung Maria Litto, die sich als Tänzerin vom Nabel bis zur Fußsohle entschleiert. Das alles aber ist nur das Gerüst, um die Melodien von Michael Jary zu präsentieren.

Daten zum Film

Die verschleierte Maja (Das Neue Filmprogramm) ist ein deutscher Revuefilm der Pontus-Produktion im Allianz-Filmverleih. Die Regie führt Drehbuchautor Geza von Cziffra, als Darsteller in dem 96 Minuten langen Streifen agieren Maria Litto (als Helga Prickwitz, alias Helga Pitt), Käthe Haack (als ihre Mutter), Ernst Waldow (als ihr Vater), Willy Fritsch (als Dr. Kirst), Grethe Weiser (als Melly de Santho), Rudolf Platte (als Peter Paul Rubin), Oskar Sima (als Emmerich Huiber). Weitere Mitwirkende sind Margarethe Slezak, Ingrid Lutz,, Eva Probst und Günther Jerschke. Die Kamerawird von Georg Bruckbauer geführt, die Musik stammt von Michael Jary.  Als Sänger sind Gerhard Wendland, Anneliese Rothenberger, Ingrid Lutz, das Geller-Quintett, Iska Geri und die Sunshines im Einsatz. – Erstaufführung in der Bundesrepublik Deutschland am 31. August 1951, Frankfurter Start am 7. September im Turmpalast.