Die Weber von Bankdam

Illustrierte Filmbühne Nr. 208 (E. S.) – Eine beachtliche Flut von belanglosen deutschen Filmstreifen, amerikanischen Melodramen und auch britischen Kriminalreißern und Kostümschinken schwappt nach dem Krieg neben einigen wenigen deutschen„Trümmerfilmen”, die sich um Aufarbeitung der Vergangenheit bemühen, in die deutschen Kinos.

Weber von BankdamEiner der vielen englischen Filme heisst Die Weber von Bankdam, in dem auch einige sehr interessante sozialpolitische Aspekte erörtert werden, wenn auch unverhohlen aus der Sicht des Kapitals. Dabei steht der Blickwinkel der Besitzenden im Mittelpunkt, wobei sich um das Jahr 1860 ein Unternehmer und seine zwei Söhne in der Grafschaft Yorkshire bekriegen, um die Sicherung des Profits und des Erbes im konservativen und recht verkrusteten viktorianischen Zeitalter zu gewährleisten. Der Manchester-Kapitalismus hat Hochkonjunktur, die Arbeiter haben weder Rechte, noch eine soziale Absicherung. Gewerkschaften sind nicht zugelassen, Krankheit oder Arbeitslosigkeit werden von den Unternehmern schlicht als individuelle Risiken der Lohnabhängigen betrachtet. Die Arbeitszeit beträgt zehn bis zwölf Stunden, der Lohn reicht kaum, um die Existenzgrundlage zu sichern. Der Film schenkt dem wenig Aufmerksamkeit, sorgt sich dagegen eher um die Wohlhabenden. Immerhin sind viele dieser Probleme den Menschen im Nachkriegsdeutschland nicht gerade unbekannt, haben sie doch lange und täglich damit zu tun gehabt, sich in der schwierigen Wirtschaftslage über Wasser zu halten. Erst nach der Währungsreform ist einiges besser geworden.

Wohl wegen der vielen Parallelen gefällt der Film, aber auch wegen der guten Zeichnung seiner Charaktere; so gibt es also durchaus ansehenswertes Kino. Auch die Darstellung von wirtschaftlichen Problemen – von denen auch Unternehmer im harten Konkurrenzkampf heimgesucht werden – ist durchaus anschaulich, auch wenn die Krisen zwischen den beteiligten Brüdern zu sehr auf persönliche Verhaltensweisen reduziert werden und von den permanent vorhandenen gesellschaftspolitischen Themen ablenken. Den Patriarchen Simeon Crowther spielt Tom Walls, als Söhne treten Dennis Price (als Joshua Crowther)  und Stephen Murray (als Zebediah Crowther) in Erscheinung.

Daten zum Film

Die Weber von Bankdam (Illustrierte Filmbühne Nr. 208) ist eine rundum dramatisch angelegte Literaturverfilmung aus England von 1947 nach einem Roman von Thomas Armstrong. Die Spielleitung hat Walter Forde, als Darsteller agieren Tom Walls (Simeon Crowther sr.), Anne Crawford (Annie Pickersgill), Dennis Price (Joshua Crowther), Stephen Murray (Zebediah Crowther), Linden Travers (Clara Baker). Britische Erstaufführung ist am 20. August 1947 in London; in Deutschland kommt der Film im Dezember 1948 in die Kinos – vom Autor gesehen am 12. Februar 1949 im Bieberbau.