Der Wahnsinn des Dr. Clive

Illustrierte Filmbühne Nr. 815 (E. S.)  – Die ein wenig oberflächliche Steve Riordan (Sally Gray), Gattin eines Arztes in London, hat viele Freunde, darunter auch den amerikanischen Diplomaten Bill Kronin (Phil Brown). Den jedoch kostet die Bekanntschaft fast das Leben, denn der mehr als eifersüchtige und dem Wahnsinn nahe Dr. Clive (Robert Newton) plant den perfekten Mord an dem vermeintlichen Liebhaber. Ein Alptraum für das Opfer.

Wahnsinn CliveHat der Regisseur Edward Dmytryk hier etwa eigene Erfahrungen verarbeitet?  Es könnte sein. Denn Antikommunismus hat bekanntlich Hochkonjunktur in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, besonders intensiv in den USA. Und Edward Dmytryk, wegen einer kurzen Mitgliedschaft in der US-KP vom so genannten „Ausschuss für unamerikanische Umtriebe“ unter Senator John McCarthy verfolgt und zu einer Strafe von sechs Monaten Gefängnis verurteilt, arbeitet also jetzt in Großbritannien, denunziert aber 1951 einiger seiner früheren Mitstreiter, was ihm von Kritikern und Kollegen im Verlauf seiner weiteren Karriere niemals verziehen wird; er wird – trotz weiterer Erfolge – von vielen geschnitten. Unter seinen britischen Filmen ist jedenfalls auch Obsession, welcher in Deutschland unter dem Titel Der Wahnsinn des Dr. Clive in die Kinos kommt, und der gelegentlich an Filme von Alfred Hitchcock erinnert.

Renate Bang, Filmkritikerin der Zeitung „Frankfurter Rundschau“, und lange Zeit eine überaus liebenswerte Kollegin, sieht in dem Film jedenfalls einen „Kampf der Nerven und der geistigen Kräfte“, dazu „lasterhafte Intelligenz und raffinierten Sadismus.“ Lässt sich daraus ableiten, dass der Regisseur auf die eigene Situation anspielt? Die Frage bleibt offen, obwohl die Handlung durchaus entsprechende Schlüsse zulässt.

Besessen von krankhafter Eifersucht plant Dr. Clive jedenfalls den „perfekten Mord“ an dem amerikanischen Diplomaten, den er für den Liebhaber seiner Frau hält. Clive sammelt Salzsäure, um den Widersacher spurlos verschwinden zu lassen. Fünf Monate lang dauert das nervenaufreibende Katze- und Maus-Spiel zwischen dem Mörder in spe und seinem Opfer, das er in einem Keller – an einer Kette gefesselt – gefangen hält, ehe es Scotland Yard gelingt, den Mann zu befreien.

Glasklare und teils zynische Dialoge machen den Thriller sehenswert, und obwohl manche Kritiker eher zurückhaltend bei ihren Beurteilungen sind, ist es ein gut gemachter Film mit einer „fast unerträglichen Spannung“, wie jemand schreibt.

Daten zum Film

Der Wahnsinn des Dr. Clive (Illustrierte Filmbühne Nr. 815) trägt den Originaltitel Obsession und ist auch unter der Bezeichnung Die teuflische Falle bekannt geworden. Der Thriller von 1949 stammt aus Großbritannien (Independent-Produktion, General Film, J. Arthur Rank, Eagle Lion). Unter der Regie von Edward Dmytryk spielen Robert Newton (als Dr. Clive Riordan), Sally Gray (als Steve Riordan), Phil Brown (als Bill Kronin) und  Naunton Wayne (als Superintendent Finsbury). Die deutschen Stimmen der Hauptfiguren kommen von Heinz Klevenow (Robert Newton) und Dagmar Altrichter (Sally Gray). – Erstaufführungen  am 3. August 1949 in London für Großbritannien, am 14. November 1949 in Schweden, am 8. Januar 1950 in den USA, am 4. August 1950 in Deutschland.  Frankfurter Premiere am 6. Oktober 1950 im Roxy.