Wege im Zwielicht

Illustrierte Filmbühne Nr. 218  (E. S. /M. F.) – Die schwierige und  überaus komplizierte Nachkriegszeit mit ihren außergewöhnlichen wirtschaftlichen Problemen ist in den alliierten Besatzungszonen ein Nährboden für harte und auch weiche Kriminalität. Schwarzhändler, Schieber und Nepper haben Hochkonjunktur, wie sich auch an der Tatsache ablesen lässt, dass die deutsche Polizei im April 1948 an der belgischen Grenze einen internationalen Schmugglerring aushebt.

Wege im ZwielichtDie Kriminalität und ihre Folgen spielen in vielen deutschen Filmen eine Rolle. Als jedoch am 9. April 1948 der Streifen Wege im Zwielicht uraufgeführt wird, liegt noch vieles im Argen. Immerhin aber ist auch die Zeit der so genannten „Trümmerfilme” schon wieder vorbei, die Themen Krieg, Nazi-Diktatur, Vernichtung rücken in den Hintergrund, nun blicken die Filmemacher – gewiss durchaus dem aktuellen Zeitgeist entsprechend – mit Interesse auf den Wiederaufbau des zerstörten Landes und tun dabei so, als sei die Zukunft des Landes und seiner Bewohner ein echtes Anliegen für sie. Dabei geht es oft genug aber nur um reißerische Kolportage. Die Handlung um drei junge Männer, die in Hannover nicht nur unter lichtscheues Gesindel, sondern in kriminelles Zwielicht und in Mordverdacht geraten, und erst durch einen resoluten Bürgermeister bei einem Brückenbau auf dem Land ihre persönlichen Perspektiven entdecken, ist so ein Beispiel. Die schlichte Botschaft lautet, sich nicht auf dunkle Geschäfte einzulassen, sondern lieber beim Wiederaufbau des Landes mitzuhelfen – wobei der Zeigefinger allerdings zu deutlich erhoben wird. Für unsere Kino-Clique, die sich den Film ansieht, bleibt das Ganze jedenfalls ohne nachhaltige Wirkung. Man spürt die Absicht, und ist verstimmt.

Vielleicht aus diesem Grund kommt der von Robert A. Stemmle geschriebene und von Gustav Fröhlich inszenierte Film nicht so recht beim Publikum an, vor allem, weil zuviel Symbolik den Spaß verdirbt und die moralischen Aspekte über Gebühr strapaziert werden. Unter solchen Umständen kann auch die eingewobene Liebesgeschichte kaum noch etwas bessern.

Was den Wiederaufbau Deutschlands und Europas betrifft, wird die Karre ohnehin ganz woanders angeschoben, nicht von den deutschen Filmproduzenten. So unterzeichnet US-Präsident Harry S. Truman just in diesen Apriltagen in Washington das Gesetz über den Marshall-Plan, der rund fünf Milliarden US-Dollar als Wirtschaftshilfe in verschiedene europäische Staaten katapultiert und die Gründung vieler kapitalistischer Unternehmen und Betriebe hierzulande erst ermöglicht. Bei solch gigantischer Summe spielen die drei Helfer aus dem Film beim Bau einer kleinen Brücke ohnehin nur eine winzige ideologische Rolle.

Daten zum Film

Wege im Zwielicht (Illustrierte Filmbühne Nr. 218) ist ein deutsches Gegenwartsdrama aus dem Jahr 1948. Regie führt Gustav Fröhlich. Fröhlich spielt auch die Rolle von Bürgermeister Otto Lukas. Mit von der Partie sind noch Johanna Lepski als Edith Siems), Sonja Ziemann (als Lissy Stenzel), Benno Sterzenbach  (als Stefan Kolb) Gert Schaefer (als Peter Wille), Alfred Laufhütte ( als Sepp Lauterjung). In winzigen Rollen und ohne Namensnennung sind auch Hanns Lothar und Wolfgang Völz zu sehen. Die deutsche Erstaufführung ist am 9. April 1948 im Palast-Theater in Hannover; am 25. Juni 1948 läuft der Film im Luxor am Hauptbahnhof.