Duell in der Manege

Illustrierte Filmbühne Nr. 1209 (E.S.) Im dekorativen neuen Gewand präsentiert sich das Frankfurter Innenstadt-Kino „Roxy”, als am 22. Februar 1952 der MGM-Film „Duell in der Manege“ seine Frankfurter Premiere erlebt. Innerhalb von nur zehn Tagen ist das Lichtspielhaus, das drei Jahre nach dem Kriegsende (am 16. November 1948) seinen Spielbetrieb inmitten von Trümmern aufgenommen hat, modernisiert worden.

AnnieIm Innenraum sorgen neue Hochpolsterstühle in Rot und eine Fußboden-Erhöhung für bequemere Sicht auf die Leinwand. Der Kassenraum im Eingangsbereich besteht aus einer Mischung aus Glas und Metall, insgesamt ein Ambiente, dass der Zeit angemessen ist. Und zur Wiedereröffnung gibt es einen Film, der die Herzen der Stammkunden höher schlagen lässt. Denn dieser farbenprächtige Streifen ist die Verfilmung des großen Broadway-Erfolges „Annie get your Gun” von Irving Berlin. Es ist eine ziemlich freie Schilderung des Lebens der berühmten amerikanischen Kunstschützin Annie Oakley (1860-1926), die im glitzernden Reich der Wildwestschauen mit Buffalo Bill und Häuptling Sitting Bull ihre Schießkünste feilbietet. Cowboys, Indianer und Artisten prägen das bunte Bild der Zirkusnummern, in denen Eifersucht und Ehrgeiz eine große Rolle spielen – und natürlich auch die Liebe.

Mit lärmender Naivität einerseits und einem Massenaufgebot an Statisten andererseits wird das alles zusammen gemixt, wobei inmitten dieses hervorragend inszenierten Musikgetümmels die widerspenstige Annie Oakley (Betty Hutton) von ihrem Kollegen Frank Butler (Howard Keel) schließlich „gezähmt” wird. Ein Bild freilich, dass nicht so ganz zu der wilden und auf Selbstständigkeit bedachten Annie passt. Doch der Film ist nicht das wirkliche Leben.

Mitreißende Musik

Es ist gleichwohl ein buntes, vielfältiges Leben, dass sich in diesem Western-Musical auftut. Und wenn es auch auf den ersten Blick so scheint, als sei der Titel „Duell in der Manege“ ein mörderischer Kampf auf Leben und Tod, so wird der Kinobesucher ganz schnell eines Anderen belehrt, denn es geht nicht um tödliche Schießereien, sondern um mitreißende Musik – eine Musik, die die Herzen höher schlagen lässt.

Die von Irving Berlin (und Adolph Deutsch) komponierten Melodien geben sowohl dem Broadway-Stück als auch dem Film die notwendige Würze. Die populären und witzigen Songs halten die Story am Laufen – vor allem der legendäre Schlager „There is no business like show business” geht in’s Blut. Das Lied, das Glanz und Glimmer eines Lebens im Show-Business schildert, ist bis auf den heutigen Tag ein Evergreen. Im Musical und im Film dient die Melodie einzig dem dem Zweck, Annie Oakley davon zu überzeugen, ein Mitglied in der Wildwest-Truppe zu werden.

Daten zum Film

Duell in der Manege (Illustrierte Filmbühne Nr. 1209) trägt den
Originaltitel Annie get yor Gun und ist ein Technicolorfilm des bekannten Musicals von Irving Berlin (Text von Herbert und Dorothy Fields) aus dem Jahr 1950 in einer Länge von 1087 Minuten. Unter der Regie von George Sidney spielen in dem MGM-Streifen Betty Hutton (als Kunstschützin Annie Oakley), Howard Keel (als Kunstschütze Frank Butler), Louis Calhern (als Buffalo Bill) die Hauptrollen.

Weitere Mitwirkende sind Edward Arnold (als Pawnee Bill), Keenan Wynn (als Charlie Davenport), J. Carroll Naish (als Sitting Bull), Benay Venuta (als Dolly Tate), Clinton Sundberg (als Foster Wilson), James H. Harrison (als Mac), Bradley Mora (als Little Jake). Produzent ist Arthur Freed, das Drehbuch schreibt Sidney Sheldon, an der Kamera steht Charles Rosher, die Musik stammt von Irving Berlin (und Adolph Deutsch). Der Film erhält 1951 den Oscar für die beste Musik. – Uraufführung am 17. Mai 1950 in den USA, Premiere in Deutschland am 28. Dezember 1951, in Frankfurt ab 22. Februar 1952 im Roxy zu sehen.