Der Fall Rabanser

Illustrierte Filmbühne Nr. 883 (E. S.) – Am 17. Januar 1950 wird auf das bekannte US-Geldtransportunternehmen Brink’s in Boston ein brutaler Raubüberfall verübt, bei dem elf bewaffnete Männer immerhin über 1.2 Millionen US-Dollar an Bargeld und über 1,5 Millionen US-Dollar in Schecks, Zahlungsanweisungen und anderen Wertpapieren erbeuten. Es ist der bis dahin größte bewaffnete Raubüberfall in den Vereinigten Staaten.  

RabanserEs könnte durchaus sein, dass dieses dreiste Bubenstück Pate gestanden hat beim Film Der Fall Rabanser, den die „Junge Film-Union“ im Frühjahr 1950 in Bendestorf bei Hamburg belichtet. Aus zeitlichen (und inhaltlichen) Gründen ist es denkbar, denn auch in dem Streifen von Kurt Hoffmann, der am 19. September 1950 in den Kölner Hahnentor-Lichtspielen seine deutsche Uraufführung erlebt, wird ein Raubüberfall auf Geldtransporteure durchgeführt, wobei – zugeschnitten auf deutsche Verhältnisse – freilich „nur“ eine halbe Million DM geraubt werden. Allerdings werden dabei zwei Kassenboten kaltherzig erschossen. In Verdacht kommt schnell der Reporter Peter Rabanser (Hans Söhnker), der gerade an einem Tatsachenbericht unter dem Titel „Ich raubte eine halbe Million“ arbeitet, in dem er ein solches Verbrechen ziemlich genau und exakt beschreibt.

Ist Peter Rabanser also der Strippenzieher; ist er sogar der Mörder? Fragen über Fragen! Das wäre beim sympathischen Rabanser natürlich zu einfach, und niemand will es so recht glauben, zumal eher Rabansers Bruder Georg (Paul Dahlke) Grund für einen solchen Raubzug hat, schließlich ist er bis über beide Ohren verschuldet. Auch im Nachtlokal von Baronin Felten (Ilse Steppat), in dem sich allabendlich „mehr als zweihundert Jahre Gefängnis versammeln“, gibt es einige Verdächtige.

Am Ende aber wird ziemlich überraschend Kriminalkommissar Schelling (Richard Häussler) höchstpersönlich als Täter entlarvt, was den ansonsten gut gemachten Film in meinen Augen entwertet, auch wenn das manche professionelle Betrachter anders beurteilen. Einer schreibt sogar: „Der Knalleffekt am Schluss wirkt überzeugend echt und gar nicht konstruiert.“

Diesem Urteil kann ich allerdings nicht ganz folgen. Der handwerklich akzeptable Kriminalfilm hat aus meiner Sicht hier sogar eine Chance vertan. Jedenfalls hat das Publikum, das während der Vorführung sich so seine Gedanken über den bösen Buben macht, keine große Chance, den Mörder zu entlarven.

Denn wer bitte schön, vermutet im Jahr 1950 hinter einem seriösen Beamten in der Maske eines Biedermanns einen Verbrecher? Oder sind wir nur zu naiv? Denn natürlich gibt es auch Korruption und Bestechlichkeit bei den Polizeiorganen – was wir freilich zur Zeit des Kinobesuchs noch nicht glauben mögen.

Daten zum Film

Der Fall Rabanser (Illustrierte Filmbühne Nr. 883) ist ein deutscher Kriminalfilm der „Jungen Film-Union“ aus dem Jahr 1950 (Länge: 80 Minuten) im Verleih der National-Film. Unter der Regie von Kurt Hoffmann spielen Hans Söhnker (als Zeitungsreporter Peter Rabanser), Paul Dahlke (als sein verschuldeter Bruder Dr. Georg Rabanser), Carola Höhn (als dessen Ehefrau Dorothea Rabanser), Ilse Steppat (als Baronin Ellinor Felten, Inhaberin eines zwielichtigen Nachtklubs) und Richard Häussler (als Kriminalkommissar Schelling) sowie Inge Landgut (als Steffi, Sekretärin von Peter Rabanser). Weitere Darsteller sind unter anderen Harald Paulsen, Franz Schafheitlin, Albert Hehn, Inge Meysel und Willi Rose.

Deutsche Erstaufführung am 19. September 1950 in den Hahnentor-Lichtspielen in Köln. In Frankfurt ab 3. Oktober 1950 im Turmpalast, in der ARD gezeigt am 11. Dezember 1961.