Konflikt

Illustrierte Filmbühne Nr. 606 (E. S.) – Die Trennung von Ehepartnern wird in der Regel durch eine vom Gericht ausgesprochene Scheidung vorgenommen. 1950 stehen in der Bundesrepublik Deutschland zum Beispiel einer halben Million Eheschließungen rund 75.000 Trennungen gegenüber, was in etwa 14 Prozent ausmacht. Doch sowohl aus „moralischen” als auch finanziellen Gründen und wegen der immer wieder schwierigen „Schuldfrage” bleiben viele Paare doch zusammen. 

KonfliktVor allem engstirnige Moralapostel spielen in dieser Zeit – hierzulande, aber natürlich auch anderswo – eine wichtige Rolle. So löst nach Zeitungsberichten aus den USA sogar die eher belanglose Nachricht, dass die Schauspielerin Ingrid Bergman einen Sohn zur Welt gebracht hat, helle Entrüstung unter den Sittenwächtern aus. Denn Vater des Kindes ist nicht Bergmans Ehemann Petter Lindström, sondern der Italiener Roberto Rosselini. Mit dem Regisseur lebt die Schwedin schon seit der gemeinsamen Arbeit an dem Film „Stromboli” im Jahr 1949 zusammen. Unter dem einengenden Druck solcher Moralbegriffe versucht mancher Scheidungswillige das Problem einer Trennung auf ganz individuelle Weise zu lösen. Der Film Konflikt aus den USA veranschaulicht das eindrucksvoll. Ein völlig frustrierter Ehemann ermordet seine ungeliebte Frau. Der Grund dafür ist  sehr banal und in einer bürgerlichen Gesellschaftsschicht angesiedelt, in der Konflikte ohnehin immer eher unter der Oberfläche vor sich schwelen.

Der beruflich durchaus erfolgreiche Richard Mason (Humphrey Bogart) will sich von seiner Frau (Rose Hobart) scheiden lassen, weil er insgeheim in Evelyn Turner (Alexis Smith), die jüngere Schwester seiner Frau, verliebt ist. Frau Mason lehnt das Ansinnen kategorisch ab, weil auch pekuniäre Interessen eine Rolle spielen. Statt jedoch nach einem Ausweg zu suchen, reift in Mason der Plan, seine widerspenstige Frau ins Jenseits zu befördern. Das tut er dann auch mit einem komplizierten, aber anscheinend perfekten Plan.

Das Dumme ist nur, dass seine heimlich Angebetete gar nichts von ihm wissen will. Da muss sich nun Mason selbst die Frage stellen, warum er nicht alle legalen Möglichkeiten einer Trennung voll ausgeschöpft hat, vor allem aber, warum er sich vor der Ausführung seines Plans nicht der tatsächlichen Zuneigung seiner Angebeteten versichert hat. Die Erkenntnis „vergeblich” gemordet zu haben, hinterlässt in Mason eine nach außen kaum sichtbare, tiefe Leere, so dass ihn auch die Entlarvung und Überführung durch Polizei und den Psychater Dr. Mark Hamilton (Sydney Greenstreet) kaum noch berührt.

Die Vielseitigkeit von Humphrey Bogart kommt in diesem Film außergewöhnlich gut und intensiv zur Geltung. Bogart spielt diesen Ehemann, der sich präzise und minutiös auf den Mord an seiner Frau vorbereitet. Das Irritierende ist, dass er dabei den Kinobesuchern nicht unbedingt unsympathisch erscheint. Auch die Entlarvung und Überführung des Täters wird eher als ein unglückliches Zusammentreffen widriger Umstände empfunden. Der Zuschauer neigt dazu, den Mörder zu verstehen und zu entschuldigen. Lässt sich eine solche Betrachtung tolerieren? Natürlich nicht.

Daten zum Film

Konflikt (Illustrierte Filmbühne Nr. 606) mit dem Originaltitel Conflict – verwendet wird auch der Titel „Tatort Springfield” (Österreich) – ist ein Thriller der Warner Bros. nach einer Vorlage von Robert Siodmak und Alfred Neumann aus dem Jahr 1945. Unter Leitung von Regisseur Curtis Bernhardt spielen Humphrey Bogart (als Richard Mason) und Alexis Smith (als Evelyn Turner) die Hauptrollen. Des weiteren ist Rose Hobart (als Masons Ehefrau Katherine Mason) zu sehen. Sydney Greenstreet (als Dr. Mark Hamilton) gibt einen Psychater, der Bogart zusammen mit der Polizei überführt. Die deutsche Stimme von Bogart kommt von Joachim Kemmer

Erstaufführungen am 15. Juni 1945 in den USA, am 18. Januar 1950 in der Bundesrepublik Deutschland. Gesehen vom Autor im Frühsommer 1950 in den Harmonie-Lichtspielen in Frankfurt-Sachsenhausen.