Keine Zeit für Liebe

Illustrierte Filmbühne Nr. 99  (E. S.) – Im Sommer des Jahres 1946 haben in Frankfurt nur wenige Kinos nach den massiven Zerstörungen im Krieg ihren Betrieb wieder aufgenommen, darunter befinden sich auch die im nordöstlichen Stadtteil Bornheim die Schauburg-Lichtspiele (Berger Straße Nr. 161) und das Apollo (Berger Straße 179). Mit nur einer Kopie des Filmes Keine Zeit für Liebe werden im Juni beide Häuser gleichzeitig bespielt.

Keine Zeit für die LiiebeKopien sind oft rar in diesen Tagen. Nicht selten wird ein Film gleichzeitig in zwei Kinos gespielt. Das verursacht ein kleines organisatorisches Problem, aber die Menschen jener Tage sind sehr erfinderisch. Die Anfangszeiten werden einfach  entsprechend zeitlich versetzt, es werden auch Schulbuben engagiert – meist sind es Kinder der Kino-Besitzer, des Filmvorführers oder andere Schulkameraden, die dann für ihre Tätigkeit mit Freikarten „entlohnt“ werden –, um die  Filmrollen sind zwischen den Kinos hin- und herzutragen. Dabei muss natürlich der Ablauf perfekt sitzen, aber wenn einmal Verzögerungen eintreten, werden diese vom geduldigen Publikum recht gelassen hingenommen. Die meisten Menschen sind schließlich Schlimmeres gewohnt aus der Zeit des Krieges und den Monaten danach, in denen die permanente Jagd nach Nahrungsmitteln aufgrund der Zuteilungen von Lebensmittelmarken zum Alltag gehört. Der Film – in englischer Sprache mit einkopierten deutschen Untertiteln – ist hübsch und unterhaltsam.

Katharine Grant (Claudette Colbert), Bildreporterin des Mirror-Magazins, kommt bei einem Fototermin beim Tunnelbau unter dem East River in New York dem rüpelhaften Bergbau-Ingenieur James Ryan (Fred MacMurray) in die Quere – und dieser verliert nach Veröffentlichung  einiger unliebsamer Bilder seinen Job. Weil sich aber die Reporterin längst in den knorrigen Baumenschen verliebt hat – er natürlich auch in sie –, kommt es zu zahlreichen Verwicklungen, zumal sich beide ihre Zuneigung nicht eingestehen wollen. Doch weil es eine Hollywood-Komödie ist, kommt alles  zu einem guten Ende.

Daten zum Film

Keine Zeit für Liebe (Illustrierte Filmbühne Nr. 33, zuvor als Nr. 10 des  Jahrgangs II erschienen), trägt den Originaltitel No Time for Love und ist eine Komödie der Paramount aus den USA; gedreht 1943 in Los Angeles. Regisseur Mitchell Leisen setzt auf die bewährten Darstellerkräfte Claudette Colbert (als Magazin-Starfotografin Katherine Grant) und Fred MacMurray (als tunnelbauende Ingenieur Jim Ryan) sowie auf Ilka Chase (als Hoppy Grant), Richard Haydn (als Komponist Roger), June Havoc (als Tänzerin Darlene). – Premiere in den USA im Januar 1943 in New York, in der amerikanischen Zone in Deutschland wird der Film im Juni 1946 in die Kinos gebracht: in Frankfurt im Schauburg und Apollo zu sehen.