Mexikanische Nächte

Illustrierte Filmbühne Nr. 618 (E. S./M. F.) – Im Dezember 1950 erscheint in der Münchener Illustrierten „Quick” erstmals eine von Manfred Schmidt gezeichnete Comic-Serie namens Nick Knatterton; und die in Frankfurt beheimateten amerikanischen Film-Verleiher veranstalten in 18 deutschen Städten Vorführungen für bedürftige Kinder; Sonja Ziemann und Rudolf Prack werden als beliebteste deutsche Filmschauspieler mit dem Bambi ausgezeichnet; „Das doppelte Lottchen” startet in der Bundesrepublik. Und an Weihnachten hat der Streifen Mexikanische Nächte in den Scala-Lichtspielen in deutscher (und Frankfurter) Erstaufführung seine Premiere.

Mexikanische NächteDem Publikum ist schnell klar, dass es bei diesem flotten MGM-Spektakel weniger darum geht, einen plausiblen Handlungsfaden zu liefern, als vielmehr den erfolgreichen Star Esther Williams ins Bild zu setzen. Show und Musik sind deshalb Trumpf. Nur das feuchte Element – das eigentlich ureigene Arbeitsgebiet der Ex-Schwimmerin Williams – spielt diesmal nicht die Hauptrolle. Nur einmal ist der Star in einer kleinen Szene im Wasser zu sehen, und das steht im krassen Widerspruch zu ihren bisherigen, erfolgreichen Bade-Auftritten, zumal ihr schauspielerisches Talent nach eigener Einschätzung eher unterdurchschnittlich ist. Gleichwohl will MGM mal anderes mit ihr ausprobieren, und die Studio-Bosse lassen sie als Zwillingsschwester von Ricardo Montalban in die Arena ziehen. Ricardo verspürt nämlich keinerlei Lust sich mit den Stieren anzulegen, Esther dagegen schon. Während Ricardo also seiner musikalischen Leidenschaft frönt, zieht Esther in den Kampf. Das Täuschungsmanöver gilt dem sturen Vater, der natürlich den Sohn als berühmten Matador vor Augen hat.

Die an Originalschauplätzen in Puebla (Mexiko) gedrehte Story ist freilich zu dünn, um das Kinopublikum auf Dauer zu faszinieren. Deshalb wird das Geschehen umrahmt von schönen Tänzen, vielen Liedern und einem ausgezeichneten Musik-Arrangement, welches das Blut in Schwung bringt. Die Besucher erhalten damit – und mit der strahlenden Esther natürlich – bei ihrem Besuch in der Scala genau das, was sie erwartet haben: Über 100 Minuten prächtiger Unterhaltung. Auch die Werbung in den Zeitungen hebt genau darauf  ab: „Ein herrlicher Farbfilm mit Esther Williams als Stierkämpferin” wird da annonciert, oder gar kess behauptet, die feurigen mexikanischen Tanzweisen würden „den Applaus des Publikums auf offener Szene herausfordern”.

Das ist natürlich maßlos übertrieben. Als ich am zweiten Weihnachtstag das Scala-Kino besuche, sind die Zuschauer zwar durchaus von dem bunten Treiben auf der Leinwand angetan, Beifall auf offener Szene aber mag ich weder zu hören noch sonst wie zu erkennen. Sei’s drum…

Daten zum Film

Mexikanische Nächte (Illustrierte Filmbühne Nr. 618) ist ein Film von Metro-Goldwyn-Mayer aus dem Jahr 1947 mit dem Originaltitel Fiesta. Unter der Regie von Richard Thorpe agieren Esther Williams (als „Stierkämpferin” Maria Morales), Ricardo Montalban (als ihr mehr an Musik  interessierter Zwillingsbruder Mario Morales), Cyd Charisse (als Conchita), Mary Astor (als Senora Morales) sowie Akim Tamiroff.

Der Film wird erstaufgeführt am 12. Juni 1947 in den USA, am 23. Dezember 1950 in mehreren Städte der Bundesrepublik Deutschland, darunter in den Scala-Lichtspielen in Frankfurt am Main; dort vom Autor gesehen am zweiten Weihnachtsfeiertag.