Schwarzwaldmädel

Illustrierte Filmbühne Nr. 776 (E. S.) – Im September 1950 wird der erste deutsche Nachkriegsfarbfilm wenige Tage nach der Stuttgarter Premiere auch im Turmpalast am Eschenheimer Tor in Frankfurt am Main gezeigt. Der Titel heisst Schwarzwaldmädel und der bunte Operetten-Streifen wird – obwohl es schon andere, aber eher dürftig gemachte Vorläufer gibt – zum Urvater jener Schnulzenwelle, die in den Fünfziger Jahren die Kinos in der Bundesrepublik überschwemmt. 

SchwarzwaldDie Theaterbesitzer Siegfried Lubliner, Heribert Froechte und Hans Ulbrich haben zusammen mit dem Herzog-Filmverleih am Frankfurter Premierentag einen riesigen Rummel inszeniert. Im Kino wird ein Postamt im Stil eines Schwarzwaldhauses eingerichtet, in dem Briefe und Postkarten mit dem ersten Film-Sonderstempel in der Geschichte der Deutschen Bundespost versehen werden. Firmen präsentieren sich ebenfalls und die Hauptdarsteller verneigen sich lange vor einem recht begeisterten Premierenpublikum.

Es ist ein Großereignis, operettenähnlich wie der Film, und voller Seelenschmalz. Das Ganze passt in die Stimmung jener Tage, in denen Harmoniesucht befördert wird, obwohl sich der Ost-West-Konflikt verschärft, im fernen Korea ein großer Krieg tobt und die Wiederbewaffnung Westdeutschlands auf der Tagesordnung steht. Die Menschen freilich sind offensichtlich (und vielleicht gerade deshalb?) auf der Suche nach einer heilen Welt…

Der Film ist voll davon. Kitschige Ansichtskarten-Romantik überwiegt. Azurblauer Himmel, ländliche Idyllen, Eisrevue-Szenen, ein turbulentes Trachtenfest, die Dorfkirche mit Chorknaben, singende, herzige Vagabunden – alles, aber auch alles, was die deutsche Traumfabrik zu dieser Zeit zu bieten hat, wird belichtet. Sogar ein funkelnagelneues, rotes Cabrio aus Kölner Landen ist zu sehen, und dazu Darsteller wie geschaffen für diese üppige Mischung aus ländlicher Idylle und mondänem Großstadtflair.

Der Österreicher Rudolf Prack ist zwar schon 45 Jahre alt, gibt aber immer noch den jugendlichen Liebhaber; als Partnerin tritt das in diesen Monaten kometenhaft aufgestiegene Musenkind Sonja Ziemann auf, die auch in der „unechtesten ländlichen Verkleidung bezaubert”, wie ein Filmkritiker schreibt. Gretl Schörg gibt den wirbelnden Revuestar, Paul Hörbiger einen Domkapellmeister wie nur er ihn zustande bringt.

Die Geschichte selbst erzählt von dem Maler Hans Hauser (Rudolf Prack), der auf einem Maskenball die als Schwarzwaldmädel auftretende Sekretärin Bärbel (Sonja Ziemann) kennenlernt und nach zahlreichen Irrungen und Wirrungen – unter anderem um die Revuesängerin Malwine (Gretl Schörg) und den Domkapellmeister Römer (Paul Hörbiger) – am Ende doch mit Bärbel zusammenkommt. Wer hätte das (nicht) gedacht? Ende gut, alles gut.  Das Publikum ist begeistert…

Daten zum Film

Schwarzwaldmädel (Illustrierte Filmbühne Nr. 776) ist eine Heimatschnulze und der erste deutscher Nachkriegsfilm in Farbe aus dem Jahr 1950 nach einer Operette von Leon Jessel und August Neithard und gibt der Ära der schnulzigen Heimatfilme den letzten Anstoss. Die Regie führt Hans Deppe, die Darsteller sind Sonja Ziemann (als Sekretärin und Schwarzwaldmädel Bärbel Riederle), Rudolf Prack (als Maler Hans Hauser), Paul Hörbiger (als Domkapellmeister Blasius Römer), Gretl Schörg (als Revuestar Malwine Heinau), Walter Müller (als ihr Gesangspartner Richard Petersen). Außerdem sind Lucie Englisch, Fritz Kampers, Ernst Waldow und Hans Richter zu sehen.

Deutsche Erstaufführung am 7. September 1950 in den Universum-Lichtspielen in Stuttgart, in Frankfurt zuerst am 12. September im Turmpalast aufgeführt.