Eine Frau mit Herz

Illustrierte Filmbühne Nr. 1096 (E. S.) – Eine Frau mit Herz ist ein eher belangloser Film aus der deutschen Nachkriegszeit. Die Venus-Film der in München lebenden Schauspielerin Olga Tschechowa hat den Streifen produziert, ein Erfolg freilich wird es nicht, obwohl einige der zu dieser Zeit üblichen Verdächtigen mitspielen. Neben der Tschechowa selbst sind das Rudolf Prack – kurz zuvor mit „Schwarzwaldmädel” zu frischem Ruhm gekommen –, Gustav Knuth, Susi Nicoletti, Ursula Herking und Siegfried Breuer.

Die Frankfurter Erstaufführung ist am 9. Mai 1951 im Metro im Schwan, aber die Kritiker sind nicht angetan: „Das ist wirklich kein guter Film“, heisst es da zum Beispiel, und weiter: „Da quält sich der begabte Regisseur Rudolf Jugert mit einem Drehbuch herum, das sich mit einem geringen Aufwand an Einfällen zähflüssig bis zum Happy-End hinzieht.” Die Darstellung von Rudolf Prack wird als „holzschnitzartig” bezeichnet, und einige der Witzchen als „geschmacklos” eingestuft. Kein Grund also, sich den Film anzusehen, obwohl andere Rezensenten zu dem gegenteiligen Schluss kommen; sie schreiben, der Film sei nicht „ohne Stil, Leichtigkeit und vergnügliche Regieeinfälle”. Und die öffentliche Werbung natürlich – wie könnte es anders sein –, fabuliert sogar von einem „Feuerwerk lustiger Einfälle”. 14 Tage später gerate ich doch in Versuchung, mir diesen Film anzusehen. Der Grund: Das „Schwanen” in Bockenheim und „Die Kurbel“ im Nordend annoncieren den Auftritt der „3 Travellers”.

Das Trio aus Berlin ist zu dieser Zeit immer wieder im Radio zu hören. Die Schallplatten verkaufen sich ebenfalls gut. Einer der erfolgreichsten Titel ist: „Ich hab so Heimweh nach dem Kürfürstendamm” von Bobby Kamp (Musik) und Günther Schwenn (Text). Vor dem Film soll dem Publikum ein kleiner Reigen ihrer Lieder vorgetragen werden. Also ein guter Grund, sich die Musikanten im Original anzuhören.

Getagt, getan! Der Gesang der Travellers ist im Ohr geblieben, der Film haftet dagegen nicht mehr so recht im Gedächtnis. Dunkle Erinnerungen an einen Werbemenschen namens Osterwald (Rudolf Prack), einen Kaufhausbesitzer und diverse Eheverwicklungen. Die Venus-Film von Olga Tschechowa verabschiedet sich alsbald aus dem Filmgeschäft. Neben Eine Frau mit Herz, kamen aus den Ateliers noch „Geheiminis einer Ehe”, „Aufruhr im Paradies” und „Hinter Klostermauern”.

Wegen diverser Finanzierungsproblemen kam dann das schnelle Aus. Nicht allein der mangelnden Qualität der Filme geschuldet, sondern auch der Tatsache einer überaus komplizierten und bürokratischen Filmförderung durch Bund und Länder.

Daten zum Film

Eine Frau mit Herz ist ein Lustspiel aus dem Jahr 1950, hergestellt von Olga Tschechows Firma Venus-Film in einer Länge von 86 Minuten. Die Regie hat Rudolf Jugert übernommen, als Darsteller fungieren Olga Tschechowa (als Vera von Wesener), Rudolf Prack (als Werbemann Andreas Osterwald), Gustav Knuth (als Kaufhausbesitzer Straßmeier), Susi Nicoletti (als seine Frau Hilde Straßmeier), Siegfried Breuer (als Manfred Schilling), Ursula Herking (als Schillings Sekretärin), Hermann Pfeiffer (als Direktor Wappler). Drehbuch von Karl Georg Külb und Wolf Neumeister, an der Kamera steht Erich Claunigk, die Musik komponiert Werner Bochmann. – Deutsche Erstaufführung am 15. März 1951, in Frankfurt gestartet im Metro im Schwan (9. Mai 1951), vom Autor gesehen im Schwanen in Bockenheim am 26. Mai 1951.