Geisterkomödie

Illustrierte Filmbühne Nr. 171 (E. S.) – Es ist eine durchaus geistvolle Komödie mit Fantasy-Charakter, die zu Weihnachten 1948 über die Leinwand der Zoo-Lichtspiele in Frankfurt flimmert. Regisseur Lean liefert mit Geisterkomödie eine witzige Arbeit ab (so empfindet es jedenfalls das Publikum), während Bühnenautor Noel Coward mit der Arbeit eher unzufrieden ist, und dem Regisseur vorwirft, sein Stück kaputt gemacht zu haben. 

GeisterkomödieGleichwohl wird David Lean im Verlauf seine Karriere noch große Welterfolge wie „Lawrence von Arabien”, „Die Brücke am Kwai” und auch „Doktor Schiwago” drehen. Dem Publikum aber gefällt durchaus auch die Geisterkomödie. Das hängt sicher damit zusammen, dass solcher „schwarzer” Humor hier noch weitgehend unbekannt ist und auch die allgemeine Situation in den einzelnen Besatzungszonen ja nicht gerade zu Freudensprüngen verleitet. Immerhin ist auch das Weihnachtsgeschäft trotz der im Juni erfolgten Währungsreform meilenweit hinter den Erwartungen des Einzelhandels zurückgeblieben. Unter solchen misslichen Umständen sind viele Menschen im Lande jedenfalls erst einmal froh, sich für knapp zwei Stunden auf dem Kinostuhl richtig entspannen zu können, auch wenn die eingeblendeten deutschen Untertitel einiges an Konzentration abverlangen. Für die meisten Zuschauer, die das nicht kennen, ist das Texte-Lesen am Anfang gewöhnungsbedürftig.

Im Film geht es darum, dass dem Schriftsteller Charles Condomine (Rex Harrison) – in zweiter Ehe mit Ruth (Constance Cummings) verheiratet –, nach einer Seance mit einer gewissen Madame Arcati (Margaret Rutherford) seine Ex-Frau Elvira erscheint und ihr durch und durch unzufriedener Geist ihn und seine „Neue” zu verfolgen beginnt. Weil dem Autor dieses Berichts der weitere Verlauf des Geschehens nicht mehr recht erinnerlich ist, hilft ein Blick in die Beschreibung der „Illustrierten Filmbühne” weiter. Demnach sieht ja nur Charles Condomine den Geist, was die Sache noch verwirrender und komplizierter macht als sie ohnehin schon ist. Es ist unvermeidlich, dass Condomine es mit einer realen und einer geisterhaften Frau zu tun hat…

Weil die reale Ruth bald ebenfalls ums Leben kommt und zum Geist mutiert, hat es der Schriftsteller mit zwei Verblichenen zu tun; aber nicht besonders lange: Die Ex-Frauen manipulieren sein Auto und er gesellt sich nach einem schweren Unfall als dritter im Bunde der Geister zu seinen Ex-Frauen…

Daten zum Film 

Geisterkomödie (Illustrierte Filmbühne Nr. 171) mit dem Originaltitel Blithe Spirit ist eine Verfilmung aus Großbritannien aus dem Jahr 1944. David Lean führt in dem auf einem Bühnenstück von Noël Coward beruhenden Film Regie und verlässt sich auf die Darsteller Rex Harrison (als Charles Condomine), Constance Cummings (als Ruth Condomine), Kay Hammond (Elvira), Margaret Rutherford (Madame Arcati). Coward ist auch Produzent des Streifens. Der Film erhält 1947 einen Oscar für die Spezialeffekte. Sechs Tage nach der deutschen Kapitulation wird der Film am 14. Mai 1945 in London uraufgeführt. Die deutsche Erstaufführung ist am 6. März 1946 (Originalsprache mit deutschen Untertiteln). Frankfurter Erstaufführung Anfang September 1948 im Luxor. Vom Autor gesehen Ende Dezember 1948 in den Zoo-Lichtspielen in Frankfurt.