Eine Stadt hält den Atem an

Das Neue Filmprogramm (E. S.)  – Seit den Atombombenabwürfen auf die japanischen Städte Hiroshima (6. August 1945) und Nagasaki (9. August 1945) weiß die Menschheit, welches ungeheure Zerstörungspotenzial in diesen Waffen steckt. Wegen dieser schrecklichen Erkenntnis kommt es zu einem erbitterten Wettlauf um die Vervollkommnung der Bombe zwischen den USA und der Sowjetunion.

Der Kampf um das für die Bombe wichtige Uran und diverse Spionageeinsätze verschärfen das Tempo der Entwicklung. Nachdem die USA 1946 auf dem Bikini-Atoll in der Südsee zu Testzwecken Bomben explodieren lassen, zieht die die UdSSR nach und bringt am 29. August 1949 auf dem Gelände in Semipalatinsk in Sibirien ihre eigene Waffe zur Detonation. Dieser Wettlauf schlägt sich auch in verschiedenen Filmen nieder. Einer dieser Streifen im halb dokumentarischen Stil kommt aus Großbritannien und heisst Eine Stadt hält den Atem an. In der Handlung bringen heftige Gewissensbisse  über die mörderischen Möglichkeiten seiner Arbeit sowie die seelische Belastung seiner Arbeit den britischen Atomwissenschaftler Professor Willingdon (Barry Jones) völlig aus der Fassung und treiben ihn an den Rand eines Nervenzusammenbruchs. Willingdon droht damit, London in die Luft zu sprengen, wenn die Regierung seine Forderung nach einem Atomwaffenstop nicht erfüllt. Er stellt der Regierung ein Ultimatum von sieben Tagen. Scotland Yard wird alarmiert, das Kabinett tagt ununterbrochen…

Es gibt Szenen, in denen den Zuschauern der Atem stockt. Dabei wird deutlich, wie sehr die Menschen von der Entfesselung der Atomkraft bedroht sind, vor allem, als Willingdon ziellos durch die Stadt irrt. In seiner Aktentasche liegt die Bombe, in seinen Augen flackert Wahnsinn. Vorsichtshalber wird London evakuiert. Ströme von Eisenbahnen und Autos ergießen sich auf’s Land. Die Straßen sind öde und verlassen in der trostlosen Stadt. In letzter Sekunde wird Willingdon gefunden, die Sirenen heulen Entwarnung…

Im Film geht alles gut aus, doch in der Realität bleibt die Bedrohung greifbar. Das spüren auch die Zuschauer, als sie den Filmpalast in Frankfurt verlassen. Einige von ihnen sind sensibilisiert worden für die ständige, tödliche Gefahr der Atomkraft.

Daten zum Film

Eine Stadt hält den Atem an (Das Neue Filmprogramm) ist ein britischer Film aus dem Jahr 1950 mit dem Originaltitel Seven Days to Noon in einer Länge von 97 Minuten. Der Science Fiction-Streifen mit Thriller-Effekten wurde von der London-Film hergestellt und verliehen. Unter der Gesamtleitung von Produzent Roy Boulting (gleichzeitig auch Drehbuchschreiber und Schnittmeister) spielen unter der Regie seines Zwillingsbruders John Boulting die Darsteller Barry Jones (als Prof. Willingdon), Olive Sloane (als Goldie), Andre Morell (als Inspektor Folland), Joan Hickson (als Mrs. Peckett) die Hauptrollen. In weiteren Parts sind Sheila Manahan, Hugh Cross und Ronald Adam zu sehen. Frank Harvey ist Co-Autor des Drehbuchs, an der Kamera stehen Gilbert Taylor und Ray Sturgess. Die Musik komponiert John Addison.

Die deutschen Synchronstimmen gehören zu Paul Bildt (Barry Jones), Anneliese Würtz (Olive Sloane), Siegfried Schürenberg  (Andre Morell), Agnes Windeck (Joan Hickson) und Siegmar Schneider (Hugh Cross). Ausgezeichnet mit dem Oscar für die beste Story 1952. – Erstaufführung am 30. Oktober 1950 in London, am 19. Januar 1951 in Deutschland erstmals gezeigt. In Frankfurt ab 1. Februar 1951 im Filmpalast.