Verdacht

Illustrierte Filmbühne Nr. 1 (M. F.) – Ende des Jahres 1946 läuft in den drei westlichen Besatzungszonen der amerikanische RKO-Film Verdacht an. Es ist einer der ersten Filme von Alfred Hitchcock in den USA und ab 9. März 1947 ist er auch im Offenbacher Gloria-Theater zu sehen.

VerdachtDie Hauptdarsteller sind Cary Grant und Joan Fontaine. Zu dieser Zeit sind die beiden hierzulande noch unbekannte Größen, was sich allerdings sehr bald ändern wird. Höchst interessant ist dabei vor allem, dass der bekannte Filmprogramm-Verlag von Paul Franke (Berlin, später München) zu diesem Psycho-Thriller das erste Exemplar der Reihe „Filmbühne”, die einige Zeit später als „Illustrierte Filmbühne” reüssieren wird, auf den Markt bringt. Sage und schreibe weitere 8068 schöne Exemplare werden noch folgen.

Der Film ist nebenbei bemerkt auch einer der ersten, die nach dem Krieg in der amerikanischen und britischen Zone in deutscher Sprache gezeigt werden, was natürlich bei den potentiellen Zuschauern die Lust erhöht, ins Kino zu gehen. Die deutschen Schauspieler Axel Monjé und Viktoria von Ballasko leihen den US-Stars dabei ihren Stimmen.

Über die näheren Umstände des Filmbesuchs in Offenbach berichtet unser Zeitzeuge E. S.:

„Mein Vater hatte nach dem Krieg mit Kollegen seiner Schlosserei bei der Instandsetzung des Gloria-Theaters in Offenbach gearbeitet. Wie damals üblich, wurde nicht nur in Reichsmark für die Arbeit gezahlt, sondern es gab auch Entlohnung in Naturalien. In diesem Fall auch ein Päckchen Freikarten. Deshalb fuhr ich von Lokalbahnhof in Sachsenhausen mit der so genannten Lokalbahn nach Offenbach, um mit den Film anzuschauen. Der zerstörte Bahnhof lag direkt an der Ecke Darmstädter Landstraße und Dreieichstraße, dort, wo sich noch heute das Harmonie-Kino befindet, der Offenbacher Endpunkt war am Dreieck der Dom-, Bahnhof-, Kaiserstraße, unterwegs gab es für den Dieselzug einen Halt zwischen den Gärtnereien von Oberrad nahe der Gerbermühle. Nach nur kurzer Fahrzeit war man in Offenbach, musste nicht mehr weit laufen bis zum Gloria, allerdings ging es auch hier vorbei an den Trümmerwüsten, bis man das Kino erreichte.”

Doch um was geht es in dem Film? Johnny Aysgarth (Cary Grant) ist ein attraktiver Mann – allerdings ein Zocker und Playboy, der sich vor allem von seinen Freunden aushalten lässt. In einem Eisenbahnzug lernt er die eher zurückhaltende, aber gut betuchte Lina McLaidlaw (Jean Fontaine) kennen. Beide heiraten schnell, aber gegen den Willen ihrer Eltern. Als Johnnys Geschäftspartner Beaky ermordet wird, entsteht bei ihr die

Furcht, ihr leichtsinniger Mann könne der Mörder sein – und sie fühlt sich mehr und mehr von ihm bedroht, am Ende aber erweist sich der Verdacht als unbegründet, sie hat sich selbst nur in psychotische Angst hinein gesteigert…

Daten zum Film 

Verdacht (Illustrierte Filmbühne Nr. 1 – zuvor auch Nr. 1 des dritten Jahrgangs der Filmbühne) ist ein amerikanischer Spielfilm der RKO in Schwarz-Weiß von 1941. Regisseur ist Alfred Hitchcock, der nach seinen englischen Erfolgen schon eine Reihe interessanter Filme in den USA abgedreht hat. Die Hauptdarsteller sind Cary Grant (als Johnny Aysgarth) und Joan Fontaine (als seine Verlobte und spätere Frau Lina McLaidlaw), die für ihre Rolle mit dem Oscar belohnt wird. Das Drehbuch des 98 Minuten langen Films  stammt von Samson Raphaelson, Joan Harrison und Alma Reville, an der Kamera  arbeitet Harry Stradling, die Musik ist von Franz Waxman geschrieben. Die deutschen Sprecher der ersten Synchronfassung sind Viktoria von Ballasko (Fontaine) und Axel Monjé (Grant).

Erstaufführungen am 14. November 1941 in den USA, ab 1. Dezember 1946 in vielen Kinos der Besatzungszonen; ab 9. März 1947 im Gloria-Palast in Offenbach zu sehen.