Endstation Mond

Illustrierte Filmbühne Nr. 1161 (E. S.) – Es ist Mitte Juli des Jahres 1951, als einige seltsam aussehende Gestalten den Menschen an der Frankfurter Hauptwache entgegentreten. Die sperrig wirkenden Anzüge sind nicht gerade furchteinflößend, aber die mächtigen, runden Helme erregend die Aufmerksamkeit der Passanten, obwohl Weltraumfahrt bisher kein großes Thema in der Bundesrepublik Deutschland ist.

NeumondDeshalb sind es vor allem Jugendliche und Kinder, die sich für die Männer interessieren, die vom Constantin-Filmverleih auf die Straße geschickt worden sind, um für den im Turmpalast anlaufenden Film Endstation Mond Werbung zu betreiben. Dieser utopische Farbstreifen ist ohne Zweifel ein Propagandafilm des beginnenden Kalten Krieges. „Wer zuerst Besitz vom Mond nimmt”, – und damit eine Raketenabschussbasis besitzt –, „wird die Erde kontrollieren und beherrschen”, lautet die Botschaft, nachdem eine „feindliche Macht” sich ebenfalls um Präsenz auf dem Erdtrabanten bemüht. Die US-Regierung freilich ist einigen gut betuchten Privatleuten zu zögerlich, nachdem ein erster Versuch, den Mond zu erobern, durch Sabotage gescheitert ist. Die wirklich Mächtigen des Landes greifen zur Selbsthilfe.

Vor allem der Großindustrielle Jim Barnes (John Archer) greift großzügig in die Tasche, um das Projekt finanziell zu ermöglichen. Und das zunächst unmöglich Erscheinende gelingt tatsächlich. Feuerspeiend erhebt sich ein silbernes Ungetüm, eine Art von überdimensionierter V 2, in den Himmel und strebt von der Erde weg in Richtung Mond. Tatsächlich gelingt der Flug und die Eigentumsfrage wird sogleich und ohne Rücksicht auf internationale Gesetze zur völligen Zufriedenheit der Beteiligten und „mit Gottes Hilfe” gelöst, denn: ”Im Namen der Völker der Erde ergreifen wir Besitz vom Mond!”

Doch nicht nur die Besitzansprüche sind zu eigenem Gunsten entschieden, auch die militärisch-strategische Überlegenheit wird demonstriert, aber abgesehen von dieser rustikalen US-Ideologie stellt dieser erste „moderne” Science-Fiction-Film mit seinen Oscar-würdigen Spezialeffekten und vielen exakten technischen Details, die sogar einer späteren Wirklichkeit ähnlich sind, ein Stück interessanter Kinogeschichte dar. In New York, wo der Streifen uraufgeführt wird, ist er eine Attraktion und spielt schnelle einige Millionen Dollar ein. In Deutschland freilich ist das Utopische – dies mag auch den bitteren Nachkriegsjahren geschuldet sein – noch verfehlt. Der Constantin-Filmverleih hat auch eine schnelle Antwort parat: Einfach „zu wenig Erotik” drin!

Daten zum Film

Endstation Mond (Illustrierte Filmbühne Nr. 1161) heisst im Original Destination Moon und ist ein Science-Fiction-Film der Eagle-Lion aus den USA (1950) nach einem Zukunftsroman von Robert A. Heinlein aus dem Jahr 1947. In dem 92-minütigen Film führt Irving Pichel Regie, die Darsteller sind John Archer (als Jim Barnes), Warner Anderson (als Dr. Charles Cargraves), Tom Powers (als General Thayer), Dick Wesson (als Joe Sweeney), Erin O’Brien-Moore (Emily Cargraves), Ted Warde (Brown). Produzent ist George Pal, das Drehbuch stammt von Alford Van Ronkel, Robert A. Heinlein und James O’Hanlon. An der Kamera arbeitet Lionel Lindon, die Musik kommt von Leith Stevens. Spezialeffekte von Lee Zavitz. Ausgezeichnet mit einem Oscar für die besten Spezialeffekte, außerdem 1951 ein Bronzener Bär für Kriminal- und Abenteuerfilme bei der Berlinale. Deutsche Synchronstimmen nicht bekannt. – Weltpremiere am 27. Juni 1950 in New York City, im August 1950 USA-weit in den Kinos, deutsche Erstaufführung am 10. Juni 1951, in Frankfurt am Main ab 17. Juli 1951 im Turmpalast zu sehen.