Engel im Abendkleid

Das Neue Filmprogramm (E. S.) – Der Zweite Weltkrieg scheint 1951 bei vielen Kinobesuchern vergessen und abgehakt. Reine Unterhaltung zählt. Das lässt sich auch daran ablesen, dass so genannte gesellschaftliche Ereignisse die Menschen eher faszinieren: Im Iran und in Ägypten spiegeln Märchenhochzeiten eine heile Welt aus Tausendundeiner Nacht vor. Schah Resa Pahlewi, Herrscher auf dem Pfauenthron, heiratet die deutschstämmige Soraya, König Faruk von Ägypten die 17-jährige Narriman Sadek. Und genau zu solchen Ereignissen passen dann auch Unterhaltungsfilme wie Engel im Abendkleid.

Engel im AbendkleidEine der am meisten beschäftigen Nachwuchsschauspielerinnen im deutschen Nachkriegsfilm ist die in Chemnitz geborene Bruni Löbel. Sie spielt eine energische, junge Gerichtsvollzieherin, die angeblich eine große Erbschaft gemacht hat und deshalb bald von überaus penetranten Mitgiftjägern heimgesucht wird. Weil sich bald herausstellt, dass die vermeintliche Erbin einer Nerzfarn nach wie vor ein arme Schluckerin ist, verschwinden die Heiratswilligen flugs wieder aus ihrem Leben. Übrig bleibt nur Peter Harden (Rudolf Prack), der sich als jener Übeltäter entpuppt, der mittels eines fingierten Inserats den ganzen Wirbel um den vermeintlichen Millionenbesitz erst ausgelöst hat. Selbst mit einem Berg von Schulden belastet und Besitzer einer maroden Immobile, erobert er gleichwohl das Herz die Gerichtsvollzieherin. Das ist durchaus eine Geschichte, die sich mit Pfiff erzählen ließe, doch die Hand des ungarischen Regisseurs Ákos von Rátony kann dem Geschehen keinen rechten Schwung verleihen. Selbst die ansonsten immer bewährten Routiniers Rudolf Prack und Paul Kremp wirken ein wenig uninspiriert.

Unter diesen Umständen schleppt sich das ländliche Lustspiel mühselig über die 93 Minuten. Selbst die eingestreuten Schlager von Erfolgskomponist Michael Jary („Die Loreley, die Loreley…” und „Ich habe mir ein Schlüsselbund zum Himmelstor besorgt”) werden nicht gerade zu Gassenhauern. So kommt am Ende ein Lustspielchen heraus wie es für den Beginn der Fünfziger Jahre typisch ist.

Bruni Löbel, damals 31 Jahre alt, hat schon vor 1945 in einigen Filmen mitgespielt, aber nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nimmt ihre Karriere richtig Fahrt auf. „Kein Platz für Liebe”, „Krach im Hinterhaus”, „Man spielt nicht mit der Liebe”, „Es begann mit einem Kuss”, „Mädchen mit Beziehungen”, „Die Nacht ohne Sünde”, heissen die Streifen, ehe dann 1951 der belanglose Engel im Abendkleid folgt.

Daten zum Film

Engel im Abendkleid (Das Neue Filmprogramm) ist ein deutsches Lustspiel der Real-Film aus Hamburg (im Verleih der Allianz), gedreht im Jahr 1951 (93 Minuten). Unter der Regie von Ákos von Rátony spielen Bruni Löbel (als Gerichtsvollzieherin Ingrid Engel), Rudolf Prack (als verschuldeter Hausbesitzer Peter Harden), Paul Kemp (als Richard Richart), Rudolf Platte (als Dr. Jakobs), Hubert von Meyerinck (als Dr. Paulicke), Carl-Heinz Schroth (als Graf Molowitz), Inge Meysel (als Frau Wuttig), Ursula Herking (als Betty Schmidt), Willy Maertens (als Dr. Mollwitz), Hermann Pfeiffer (als Onkel Kurt). In weiteren Nebenrollen sind Joseph Offenbach, Carl Voscherau und Bruno Fritz zu sehen. Das Drehbuch stammt von Kurt Bortfeldt, an der Kamera arbeitet Albert Benitz, die Musik komponiert Michael Jary. Deutsche Erstaufführung am 8. Juni 1951, in Frankfurt als Erstaufführung ab 18. April 1952 im Rex in der Kaiserstraße zu sehen.