Gaslicht und Schatten

Illustrierte Filmbühne Nr. 219  (E. S.) – Gaslicht und Schatten! Diesen Film habe ich versäumt, als er nach Kriegsende in englischer Originalfassung in vielen deutschen Kinos gezeigt wird. Im April 1949 aber läuft das Stück in einer deutsch synchronisierten Fassung in der Lichtburg am Hauptbahnhof in einer Nachaufführung. Gelegenheit also, das Versäumte nachzuholen.

Gaslicht und SchattenDer Titel weckt, noch bevor ich in die Lichtburg eingetreten bin, Erinnerungen an unsere frühere Wohnung in Bockenheim. Dort muss noch Anfang der Vierziger Jahre allabendlich das bläulich-weiße Gaslicht entzündet werden, um etwas sehen zu können. Als wir dann nach Sachsenhausen in eine andere Wohnung ziehen, mache ich eine ganz neue Erfahrung, denn dort gibt es Elektrizität und „richtige” Glühlampen. Doch als bei einem schweren Luftangriff 1944 Bombeneinschläge für einen ziemlich langen Stromausfall sorgen, müssen wir uns auch hier mit einer Notlösung behelfen: Kerzenlicht! Aufgrund solcher persönlicher „Licht”-Erlebnisse aus der Kindheit verlockt nun also Gaslicht und Schatten zum Besuch in einem Kino, das trotz langer Tradition nicht zu den ersten Häusern am Platz zählt. Doch die Kino-Situation in Frankfurt ist noch sehr bescheiden. Die neuesten Filme starten zu dieser Zeit im Bieberbau, im Eden, Luxor, Scala oder Roxy, während in der Lichtburg (mit durchgehendem Einlass für Bahnreisende) meist nur Zweit-und Drittaufführungen angeboten werden. Die Innenstadt rüstet allerdings kräftig auf. Der Filmpalast und das Metro im Schwan werden beide im Dezember 1949 ihren Betrieb aufnehmen, der Turmpalast soll Ende März 1950 folgen.

Es sind wieder einmal drei große britische Mimen, die dem viktorianischen Melodram Gaslicht und Schatten die Würze geben: James Mason, Phyllis Calvert und Stewart Granger. James Mason  glänzt wieder einmal als gewissenloser Bösewicht mit leicht diabolischen Zügen. Wie so oft in englischen Filmen dieser Jahre spielt die Zeit am Ende des 19. Jahrhunderts eine zentrale Rolle: Die junge Fanny (Phyllis Calvert) dient als Zofe bei einem Minister namens William Hopwood (John Laurie). Irgendwann erkennt Fanny in ihrem Dienstherrn den leiblichen Vater, worauf sich zwischen den beiden eine große Zuneigung entwickelt.

Das weckt allerdings – nicht gänzlich unerwartet – bei ihrer Stiefmutter rasende Eifersucht und diese zettelt mit ihrem Vertrauten Lord Manderstoke (James Mason) eine ziemlich üble Intrige an, die sogar zum Suizid von Fannys Vater führt. Doch Fanny wird nicht alleingelassen mit ihrem Schicksal, denn Hopwoods Sekretär Harry Somerford (Stewart Granger) eilt Fanny selbstlos zu Hilfe. Alles ein wenig schwülstig aufbereitet.

 Daten zum Film

Gaslicht und Schatten (Illustrierte Filmbühne Nr. 219) mit dem englischen Originaltitel Fanny by Gaslight ist ein britisches Melodram von 1945 nach einem Roman von Michael Sadleir. Der Gainsborough-Film läuft schon am 16. November 1945 zunächst in Originalfassung mit deutschen Untertiteln in der britischen Besatzungszone an, er wird jedoch schon ein Jahr später synchronisiert. Unter der Regie von Anthony Asquith spielen Phyllis Calvert (als Fanny Hopwood), James Mason (als Lord Manderstoke), Stewart Granger (als Harry Somerford), Wilfrid Lawson (als Chunks), John Laurie (als William Hopwood), Jean Kent (als Lucy). Erstaufführung ist am 16. November 1945 in der britischen Zone, der Film läuft ab 4. Oktober 1946 in deutscher Sprache. Gesehen vom Autor jedoch erst am 15. April 1949 in der Lichtburg am Frankfurter Hauptbahnhof.