Es tanzt die Göttin

Illustrierte Filmbühne Nr. 1033 (E. S.) Weihnachten 1950. Das ganze Bundesgebiet wird an Heiligabend fast gänzlich von einer Schneedecke eingehüllt; Bundeskanzler Adenauer erklärt in der Weihnachtsansprache, die Erhaltung des Friedens sei das oberste Ziel der Regierung; am ersten Feiertag besiegt der amerikanische Boxer „Sugar” Ray Robinson im Haus der Technik (Halle 3) auf dem Messegelände in Frankfurt den 22 Jahre alten Hans Stretz durch K. o. in der 5. Runde – alles schön und gut, aber wir wollen hier von Rita Hayworth reden, denn schließlich: Es tanzt die Göttin

„Die Hayworth” ist der Tanz- und Revuestar der Vierziger Jahre und als der Film im 1500 Zuschauer fassenden Filmpalast von Willy Colm in der Nähe der Konstablerwache in Frankfurt am 21. Dezember 1950 für Deutschland uraufgeführt wird, sind die Weihnachtstage gerettet. Sowohl für das Publikum als auch für den Betreiber. Das prächtige Theater in der Großen Friedberger Strasse 26-28 – an diesem traditionsreichen Ort wurden schon seit 1929 in den Vorläufer-Kinos Roxy und Pali Filme gezeigt – ist von August Reichard nach den Kriegszerstörungen wieder aufgebaut und an den Stuttgarter Willy Colm verpachtet worden. Der riesige Saal mit Rängen und Logen bietet 1500 Menschen Platz. Nach offiziellen Angaben von Colm besuchen im Jahr 1950 zwar sage und schreibe 1.033.981 Menschen das Kino, was allerdings nur einer Auslastung von etwa 37 Prozent entspricht, und bei täglich fünf Vorstellungen – was die Regel ist –, ist es von Anfang an schwierig, die notwendigen Einnahmen zu generieren.

Insbesondere am Mittag und Nachmittag verlieren sich oft nur wenige Zuschauer in dem weitläufigen Raum. An Sonntagen und Feiertagen sieht das natürlich weit besser aus, und als dann der Film Es tanzt die Göttin läuft, ist das Kino bestens gefüllt. Das ist nicht erstaunlich, denn erstens sind die Weihnachtstage zu dieser Zeit immer (noch) ein lukratives Geschäft für die Kinobetreiber, und zweitens locken hier zwei Topstars. Die Hayworth ist schon der große Star, Gene Kelly schafft mit diesem Film seinen endgültigen Durchbruch.

„Der große Revue-Farbfilm um strahlende Schönheit, Liebe, Tanz, Musik und Humor” verspricht die Werbung, außerdem werden dem Publikum „15 der schönsten Girls Amerikas” offeriert. Bei so viel Tingeltangel muss der temporeiche Revuefilm sein Licht tatsächlich nicht unter den Scheffel stellen. Selbst die Handlung, in der es um den Aufstieg der Nachtclub-Tänzerin Rusty Parker geht, die nach einer Erfolgsstory vom Fotomodell zum Broadway-Star aus Liebe ihre Karriere aufgibt, ist nur Staffage für die erstklassige Musik und die tänzerischen Darbietungen der Protagonisten.

Daten zum Film

Es tanzt die Göttin (Illustrierte Filmbühne Nr. 1033) trägt den Originaltitel Cover Girl und ist eine Literaturverfilmung nach einer Vorlage von Erwin Gelsey und gilt als einer der besten Musical-Streifen. Produziert ist der Film von der Columbia und unter der Regie von Charles Vidor agieren Rita Hayworth (als Rusty Parker, auch Chicken genannt) und Gene Kelly (als Danny McGuire). Weiter dabei sind Lee Bowman, Phil Silvers, Jinx Falkenburg, Leslie Brooks und Eve Arden. Das Drehbuch schreiben Virginia Van Upp, Marion Parsonnet und Pauangelin; an der Kamera arbeiten Rudolph Maté und Allen M. Davey. Die Musik stammt von Morris W. Stoloff, Carmen Dragon, Jerome Kern und Ira Gershwin. Die deutsche Stimme von Gene Kelly kommt von Paul Klinger, die Rolle von Rita Hayworth spricht Eleonore Noelle. Der Film erhält 1945 zwei Oscars für die beste Musik. – Erstaufführungen am 30. März 1944 in den USA, am 21. Dezember 1950 in der Bundesrepublik Deutschland (u. a. in Frankfurt am Main), vom Autor an diesem 21. Dezember im Filmpalast.