Die Schöne und das Biest

Illustrierte Filmbühne Nr. 262  (E. S.) – Cocteau! Jean Cocteau? Das sagt uns nichts, als wir die Plakate des Film Es war einmal… betrachten. Und Jean Marais? Auch er ist eine unbekannte Größe. Doch der Film gefällt und sehr – es ist eine Mischung zwischen Fantasy und Abenteuer und für uns Jugendliche in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg etwas völlig Neues und Ungewohntes.

Es war einmalIn der Illustrierten Filmbühne (Nr. 262), die wir an der Kinokasse kaufen, lesen wir, dass für den französischen Dichter, Maler und Filmregisseur Jean Cocteau dieser tolle Film „ein Gedicht (ist), das von der Kamera geschrieben wird.” Diese Einschätzung hat gewiss etwas für sich. Der Fantasy-Film ist tatsächlich außergewöhnlich. Sowohl für uns (und wohl auch für das deutsche Publikum) ist das Gesehene eine ganz und gar neue Erfahrung, zumal in schwierigen Zeiten, da es für jeden Einzelnen noch genug Probleme im Nachkriegsalltag gibt. Es ist also schön, sich im Kino von den Bildern einfangen zu lassen und sich märchenhaften Illusionen hinzugeben. Auch wenn wir Cocteau – auch nach diesem Filmbesuch – noch immer nicht wirklich kennen und seine künstlerische Bedeutung natürlich nicht einordnen und beurteilen können, sind wir doch höchst angetan von den faszinierenden Bildern auf der Leinwand. Der deutsche Name Es war einmal scheint uns allerdings wenig glücklich, wo doch der Film im Original La belle et la bête genannt wird: Die Schöne und das Biest. Dieser Titel ist genauso voller Poesie wie der ganze Film.

Das Geschehen, das über die Leinwand eines Frankfurter Kinos flimmert – welches es war, ist weder erinnerlich noch in Notizen festgehalten – , ist erdacht von Madame Jeanne-Marie Leprince de Beaumont und es handelt von der wahren Schönheit des Lebens, die auch oft als die Schönheit des Herzens bezeichnet wird. Weil die Tochter eines verarmten Kaufmanns seine Schulden begleichen muss, begibt sich die schöne junge Frau in ein von Geheimnissen umwittertes Schloss, in dem ein rätselhaftes Tier haust. Während ihre Geschwister das Tier töten wollen, um sich an seinen Schätzen zu bereichern, nähert sich „Die Schöne” (Josette Day) ihm mit viel Mitgefühl, so dass „Das Untier” (ein glänzender Jean Marais) zum Prinzen wird.

Daten zum Film 

Es war einmal… (Illustrierte Filmbühne Nr. 262) mit dem Originaltitel La belle et la bête ist ein französischer Film aus dem Jahr 1946 nach einem Märchen von Jeanne-Marie Le Prince de Beaumont. Unter der Regie von Jean Cocteau – er schreibt auch das Drehbuch – spielen Josette Day (Die Schöne), Jean Marais (Untier und Prinz) sowie Mila Parély, Nane Germon, Marcel André. Die Uraufführung ist im September 1946 bei den Filmfestspielen in Cannes, die französische Erstaufführung folgt wenig später am 29. Oktober 1946. – Deutscher Start am 8. April 1947, in Frankfurt im Jahr 1948 gesehen.