Eva und der Frauenarzt

Illustrierte Filmbühne Nr. 1131 (E. S.) – Zu einer der merkwürdigsten Premieren des deutschen Films kommt es am 30. März 1951 im Frankfurter Filmpalast. Gezeigt wird der Film Eva und der Frauenarzt. Es soll Sexualaufklärung betrieben werden; das Ganze ist verpackt in eine schmale Spielfilmhandlung.

EvaDem Film wird zwar allgemein bescheinigt, aus medizinischer Sicht durchaus fundiert zu sein, bleibt aber gleichwohl eine zwiespältige Angelegenheit. Das mag einerseits daran liegen, dass der Streifen weitgehend aus amerikanischen Kulturfilmen zusammengeschnitten und mit einer nur dürftigen Rahmenhandlung deutscher Machart versehen ist, was die Herstellungskosten des Streifens auf nur 40.000 DM senkt. Auf der anderen Seite spekulieren die Produzenten natürlich auf größere Gewinne. Als „umsatzfördernde Maßnahme” wird beschlossen, das Publikum im Kino nach Geschlechtern getrennt sitzen zu lassen, was zweifellos (und durchaus beabsichtigt) Erwartungen auf besonders prickelnde erotische Szenen hervorruft. Und so ist der Andrang von Zuschauern tatsächlich beachtlich. Die Frauen müssen im Frankfurter Filmpalast auf der rechten Seite im großen Saal Platz nehmen, die Männer links. In der Mitte bleibt eine Reihe frei. Ein wenig schamhaft und klopfenden Herzens nehmen die meist jungen Leute – darunter auch meine Freundin und ich – ihre Plätze ein und harren der Dinge, die da kommen sollen. Die auf diese Weise hoch geschaukelten Erwartungen auf erotische Überraschungen werden freilich nicht erfüllt.

In einer mit Rückblenden versehenen Spielhandlung zeigt der Film hauptsächlich die Gefahren von diversen Geschlechtskrankheiten und die Wunder der Menschwerdung. Alles eher ernüchternd und klinisch sauber. Dass dabei der liebe Gott – besonders zu Beginn des Films – überaus eifrig bemüht wird, um den allgemeinen „moralischen Anforderungen” dieser Zeit gerecht zu werden, erscheint ziemlich überflüssig. Danach lächelt der medizinisch vorgebildete Albrecht Schoenhals – der Schauspieler war früher selbst kurzzeitig praktizierender Arzt – als Gynäkologe Dr. Florian auf ein junges Paar namens Eva (Edith Prager) und Fred (Til Kiwe) herab und kittet nebenbei mit weisen und manchmal salbungsvollen Worten die Risse in der Beziehung der beiden jungen Menschen.

Gleichwohl hebt sich der Film – vor allem durch die dokumentarischen Aufnahmen – durchaus positiv von ähnlichen Versuchen ab, zu Beginn der Fünfziger Jahre die herrschende Prüderie aufzubrechen, wozu auch gelegentlich die humorvollen Dialoge beitragen. Das Peinliche des Films liegt nach meiner Ansicht nicht am Inhalt, sondern an der „Verpackung”, – also an einer spekulativen Werbung, die mit den verschlossenen Türen der Frauenarzt-Praxis und „zu erwartenden sexuellen Sensationen” hantiert – wozu dann auch noch die Trennung des Publikums in Männlein und Weiblein im Kinosaal gehört.

Daten zum Film

Eva und der Frauenarzt ist ein Film der Produktionsfirma Zeyn aus der Bundesrepublik Deutschland, im Sonderverleih der amerikanischen Gesellschaft Columbia im Jahr 1951. Es handelt sich um einen sogenannten Aufklärungsfilm mit einer Länge von 80 Minuten. Unter der Regie von Erich Kobler spielen Albrecht Schoenhals (als Arzt Dr. Florian), Edith Prager (als Eva), Til Kiwe (als Fred), John Pauls-Harding (als Nicky), Jeanette Wiegand (als Marga) die Hauptrollen. Das Drehbuch schreibt Jobst Arndt, die Kameraarbeit leistet Josef Kirzeder, die Musik wird von Werner Scharfenberger komponiert. – Deutsche Erstaufführung am 30. März 1951 im Filmpalast in Frankfurt am Main.