Faustrecht der Prärie

Illustrierte Filmbühne Nr. 406 (E. S.) – Über den Wahrheitsgehalt der durch viele Filme über alle Maßen berühmt gewordenen Schießerei am 26. Oktober 1881 in Tombstone (Arizona) zwischen des berüchtigten Earp-Brüdern und dem Clanton-Clan klären Historiker des Wilden Westens Amerikas in ihren diversen Veröffentlichungen weit präziser auf, als wir es können (und wollen). Wir verlieren hier nur ein paar Worte über den Western Faustrecht der Prärie, der ab 1. November 1949 in den deutschen Kinos gezeigt wurde.

FaustrechtIn dem Streifen von Regisseur John Ford geht es vordergründig nur um den Konflikt zwischen den „guten” Earp-Brüdern und den vielen „Bösewichten” der „Clanton-Familie“. Oberhäupling Wyatt Earp, dessen Bruder bei einer Schießerei mit den Clantons getötet worden ist, lässt sich deshalb umgehend in Tombstone als Sheriff anheuern und befreit das Städtchen in Arizona mit Hilfe des Spielers Doc Holliday von der gegnerischen Sippe. Alles wahr oder alles Lüge? Egal. Das Publikum mag ja solche Geschichten, in denen meist nur wenige Fakten stimmen, die aber dennoch ins Reich der Hollywood-Träume entführen und historische Tatsachen verbiegen; hinzu kommt auch noch, dass in Deutschland in der Nazi-Zeit über die Geschichte Amerikas wenig gelehrt worden ist. Für die meist sehr jungen Kinobesucher – auch ohne Kenntnisse der tatsächlichen Ereignisse im Wilden Westen – ist der oft dunkel und düster wirkende Film im Jahr 1949 jedenfalls sehr sehenswert, zumal er  viel von den Verhaltensweisen der Amerikaner und ihren politischen Grundhaltungen verrät.

Das wird deutlich, weil es in dem Film nicht um die in den meisten Western üblichen Raufereien zwischen Goldsuchern, Trappern oder Cowboys geht (nicht einmal um den Vernichtungsfeldzug gegen die Indianer),  sondern um schlichte Macht- und Interessenpolitik. Es spiegelt sich darin die Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges (1861 bis 1865), in der die gewaltsame Lösung von politischen Problemen, wie auch später, zum amerikanischen Alltag gehört. Insofern ist die Schießerei am O. K. Corral – wie viele andere Auseinandersetzungen auch – nur ein Ausdruck der Realität, die im Film allerdings zu einer Art Märchenstunde wird.

Daten zum Film

Faustrecht der Prärie (Illustrierte Filmbühne Nr. 406) mit dem Originaltitel My Darling Clementine ist ein auf historischen Vorgängen beruhender Wildwest-Film der „20th Century Fox” aus dem Jahr 1946 nach einer Novelle von Sam Hellman. Regisseur ist John Ford, in den Hauptrollen sind Henry Fonda (als Sheriff Wyatt Earp), Linda Darnell (als Barmädchen Chihuahua), Victor Mature (als Doc Holliday), Walter Brennan (als Oberhaupt der Clanton-Familie), Cathy Downs (als Krankenschwester Clementine), Tim Holt (als Virgil Earp) und Ward Bond (als Morgan Earp) zu sehen. Die deutschen Stimmen stammen von Carl Raddatz (Henry Fonda), Walter Suessenguth (Victor Mature), Gisela Breiderhoff (Linda Darnell), Tilly Lauenstein (Cathy Downs).

Die Welt-Uraufführung ist am 16. Oktober 1946 – fast auf den Tag genau 65 Jahren nach der Ballerei – in San Francisco, Erstaufführungen ab 3. Dezember 1946 in den USA, ab 1. November 1949 in der Bundesrepublik Deutschland.