SOS – Feuer an Bord

Illustrierte Filmbühne Nr. 841 (E. S.) – Wieder einmal bin ich im Filmpalast an der Konstablerwache in Frankfurt zu Gast: Es ist der 12. November 1950 und gezeigt wird hier ein Abenteuerdrama, das in Südamerika spielt, und eine mehr oder weniger in sich geschlossene Männergesellschaft porträtiert, die allerdings von zwei Frauen ein wenig durcheinander gewirbelt wird. SOS – Feuer an Bord heisst das Ganze und ist gelegentlich auch unter dem Titel Flugpioniere in Not in den Kinos zu sehen.

SOSDer Film trägt klar erkennbar die Handschrift von Howard Hawks, der seiner bekannten Leidenschaft für’s Fliegen freien Lauf lässt. Gleichwohl wirken einige Szenen mehr als zwiespältig. Wenn sich die raubeinigen Yankee-Piloten in den Anden wie Kolonialisten aufführen, mag das noch verzeihlich sein, wenn sie jedoch einen geradezu kindischen Ehrenkodex von so genannter „Kameradschaft“ zelebrieren, der sie dann auch „ungerührt in den sicheren Tod fliegen lässt”, wie der Hayworth-Biograf Gerald Peary später einmal formulieren wird, ist das mehr als infantil. Wir Kinobesucher mögen im Jahr 1950 kaum glauben, dass sich verantwortungsvolle Piloten – zum Beispiel all jene  amerikanischen Soldaten und Piloten, die bei der Luftbrücke von Westdeutschland aus nach West-Berlin von Juni 1948 bis August 1949 im Einsatz waren, so verhalten haben wie diese Männer. Oder doch? Täuschen wir uns vielleicht?

Trotz dieser Einschränkung zum „Fliegerlatein“ überwiegen die spannenden Momente. Jeff Carter (Cary Grant) gibt den hartgesottenen Besitzer einer Fluglinie in den Bergen, wo nicht nur bei Starts und Landungen ständig Gefahren lauern. Angriffe von Kondoren, unerwartete Motorschäden und natürlich das plötzliche „Feuer an Bord”: das alles sind beklemmende Ereignisse. Aber als der Flieger Kidd Dabb (Thomas Mitchell) nach einem Absturz mit seinem Leben bezahlt, wird von den anderen nur kurz innegehalten, denn: Das Leben geht schließlich weiter…

Frauen als Randfiguren

Die Darstellerinnen Jean Arthur (Bonnie Lee) und Rita Hayworth (Judith McPherson) spielen eine eher untergeordnete Rolle. Das kleine Showgirl Bonnie ist bei einem Urlaub in diese Gruppe von Männern geraten; auch Judith, die Frau eines neuen Piloten, hält sich neuerdings auf dem Stützpunkt auf. Die Frauen geraten bald aneinander, wetteifern sie doch beide um die Gunst des großen Fliegerhelden Carter. Doch am Ende entscheidet sich dieser für Bonnie, Judith McPherson bleibt bei ihren Mann – natürlich nicht ohne die üblichen Verwicklungen zuvor.

Daten zum Film

SOS – Feuer an Bord (Illustrierte Filmbühne Nr. 841) trägt den Originaltitel Only Angels Have Wings und ist ein Abenteuerfilm der Columbia aus dem Jahr 1939 (Produktion, Idee und Regie: Howard Hawks). Der Film hat im Original die Länge von 107 Minuten, wird in Deutschland aber in einer um 14 Minuten gekürzten Fassung gezeigt. Die Hauptdarsteller heissen Cary Grant (als Besitzer einer Fluglinie und Chefpilot Jeff Carter), Jean Arthur (als Showgirl Bonnie Lee), Thomas Mitchell (als Kid Dabb), Richard Barthelmess (als Pilot Bat McPherson), Rita Hayworth (als seine Frau Judith). Die deutschen Synchronsprecher sind u. a. Gisela Breiderhoff (Rita Hayworth) und Heinz Engelmann (Cary Grant).

Weltpremiere am 12. Mai 1939 in New York City, drei Tage später USA-weit angelaufen, deutsche Erstaufführung am 25. August 1950. Im Frankfurter Filmpalast ab 10. November 1950 auf dem Spielplan; von Autor gesehen am 12. November.