Föhn

Das Neue Filmprogramm (E. S.) – Der Tag passt irgendwie zum Film. Am Freitag, 27. Oktober 1950, gibt es in der Bundesrepublik Deutschland die ersten größeren Schneefälle des Winters. In Teilen Südwestdeutschlands sowie in Hessen entsteht eine geschlossene Schneedecke, in Frankfurt liegt Matsch auf den Straßen. An diesem Tag also läuft im Turmpalast der Film Föhn an, der in der eisbedeckten Landschaft der Alpen spielt.

FöhnDer Film ist ein Remake des klassischen Stummfilms „Die weiße Hölle vom Piz Palü“ aus dem Jahr 1929, gedreht von Arnold Fanck und Georg Wilhelm Pabst. Diesmal führt Rolf Hansen Regie, der gerade in München eine eigene Filmgesellschaft gegründet hat und den Streifen auch produziert. Das ist in dieser Zeit an der Tagesordnung, denn der Zuspruch des Publikums in den Kinos ist ungebrochen. Das Fernsehen als Konkurrenz ist noch nicht vorhanden. Zwar gibt es in Hamburg bereits erste Versuchssendungen, aber offiziell wird der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) erst zwei Jahre später mit einem noch dürftigen Programm beginnen. Gleichwohl erwirtschaften die neuen Filmfirmen nur selten Gewinne. Die Kosten sind hoch und die Refinanzierung nur bei wirklichen Kassenschlagern möglich. Auch Föhn wird kein Erfolg, obwohl Hans Albers die Hauptrolle spielt. Doch Albers bleibt in dem Drama eher blass. Auch bei der Frankfurter Erstaufführung im Turmpalast erscheint mir der Schauspieler nicht in Bestform, obwohl die Geschichte dramatisch genug ist.

Hans Albers spielt die Rolle eines gewissen Dr. Johannes Jensen, dessen Frau vor 20 Jahren bei einer Bergtour um’s Leben gekommen ist. Jensen hat sie zum Bergsteigen gedrängt und kämpft seit ihrem tragischen Tod immer noch mit Schuldgefühlen. Als Jensen erfährt, dass der junge Peter  (Adrian Hoven) und dessen Freundin Maria  (Liselotte Pulver) die gleiche Tour unternehmen wollen, versucht Jensen sie von dem gefährlichen Vorhaben abzubringen, zumal Maria auch Jensens verstorbener Frau sehr ähnelt und Peter ihn an seine eigene leichtsinnige Jugend erinnert. Sie hören nicht auf ihn und das Drama an der Ostwand, das mit dem Tod von Jensen endet, beginnt…

Daten zum Film

Föhn – zu diesem Film gibt es keine Ausgabe der „Illustrierten Filmbühne“, sondern vom Neuen Filmprogramm im Klemmer-Verlag – ist ein Drama aus der Bundesrepublik Deutschland aus dem Jahr 1950. Hergestellt nach Motiven und unter Verwendung einiger Szenen aus dem Stummfilm „Die weiße Hölle vom Piz Palü“ (1929) von der „Rolf Hansen Film GmbH“ in einer Länge von 107 Minuten. Unter der Regie von Rolf Hansen spielen Hans Albers (als Dr. Johannes Jensen), Antje Weisgerber (als Frau Jensen), Liselotte Pulver (als Maria), Adrian Hoven (als Peter), Heinrich Gretler (als Glucker). Das Drehbuch ist geschrieben von Erna Fentsch, an der Kamera steht Richard Angst, die Musik ist von Mark Lothar. – Deutsche Erstaufführung am 13. Oktober 1950, Frankfurter Premiere im Turmpalast am 27. Oktober 1950.