Gasparone

Illustrierte Filmbühne Nr. 714  (E. S.) – Rund fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges boomt die Kinobranche. Ein Filmtheater nach dem anderen öffnet seine Pforten. In Frankfurt werben zum Beispiel am 17. März 1950 schon wieder 33 Häuser für ihre Aufführungen. Es sind einige alte, aus den Trümmern wieder aufgebaute, aber auch viele ganz neu errichtete Spielstätten. Umso verwunderlicher ist es, dass auch kleine Wanderkinos noch ihr Publikum finden.

GasparoneVor allem in einigen der Frankfurter Stadtteile ist ein Nachholbedarf an leichter Unterhaltung nicht zu übersehen. Aus diesem einfachen Grund hat Rudolf Elias mit seinen Wanderkino, das er „Tournee-Lichtspiele” nennt, die Hoffnung, in den Stadtteilen ohne Kino Menschen für seine Vorführungen zu interessieren. Die ersten Vorstellungen Anfang März (zweimal in der Woche) veranstaltet er in der Turnhalle von Seckbach, danach führt sein Weg nach Oberrad und Kalbach. Dass bei einem solchen Unternehmen nur sehr leichte Kost auf dem Menüplan stehen kann, versteht sich fast von selbst. Zwar sind die alten Vorführgeräte und die Tonapparaturen durchaus auf der Höhe der Zeit, aber die Bestuhlung ist unmodern und auch die sonstige Atmosphäre in der nicht gerade modernen Turnhalle sind dann doch eher ein wenig trist und nüchtern. Da braucht es statt herzzerreißende Dramen dann doch besser flotte Unterhaltung, um die Besucher bei Laune zu halten. Der Operetten-Film Gasparone soll es richten.

Der Film beruht auf der gleichnamigen Operette von Carl Millöcker. Darin geht es um den sizilianischen Räuberhauptmann Gasparone, der natürlich kein böser Bube, sondern in Wirklichkeit ein rundum ehrenwerter Mensch ist. Johannes Heesters, Marika Rökk, Edith Schollwer, Rudolf Platte und Leo Slezak geben dem Treiben auf der Leinwand mit Musik, Tanz und Romantik  den entsprechenden Schwung, so dass sich das Publikum auch auch 13 Jahre nach der Uraufführung des Films noch ausgesprochen gut unterhalten fühlt – auch wenn es nur in einer schmucklosen Turnhalle ist. Doch eine Zukunft hat diese Art des Wanderkinos wohl nur noch auf dem „flachen Land“.

Daten zum Film

Gasparone (Illustrierte Filmbühne Nr. 714) ist ein Musikfilm der Ufa aus dem Jahr 1937, der nach dem Krieg wieder als Reprise in die Kinos gelangt. Unter der Regie von Georg Jakoby spielen Marika Rökk (als Revuestar Ita), Johannes Heesters (als Erminio Bondo), Heinz Schorlemmer (als Sindolfo), Rudolf Platte (als Benozzo), Edith Schollwer (als Carlotta Gräfin Ambrat), Oskar Sima (als Massaccio alias Gasparone), Leo Slezak (als Statthalter Nasoni), Ursula Herking (als Sora). Die Musik von Carl Millöcker ist für den Film von Peter Kreuder neu arrangiert und bearbeitet worden.

Erstaufführung am 17. Dezember 1937 im Ufa-Palast am Zoo in Berlin.