Geächtet

Illustrierte Filmbühne Nr 1046 (E. S.) – Ein Wildwest-Film ohne besondere Tiefenwirkung ist der Streifen Geächtet aus dem Jahr 1943. Er kommt im März 1951 in die deutschen Kinos. Begleitet wird sein deutscher Start von zahlreichen Berichten in den einschlägigen Illustrierten und auch in der Tagespresse. Das hat seinen Grund im Auftritt von Jane Russell, die meist als „Busenwunder” apostrophiert wird, sowie den vielfältigen Hintergründen der Filmentstehung.

GeächtetIn Frankfurt wird der Film erstmals im April 1951 im Eden gezeigt. Als ich den Kino wenig später im Wall-Kino in Sachsenhausen anschaue, ist von all dem wenig zu spüren. Es ist ein Western der noch nicht einmal das Niveau der üblichen Sorte erreicht, und in dem Revolverheld Doc Holliday (Walter Huston) und Sheriff Pat Garret  (Thomas Mitchell) in erster Linie um ein Pferd streiten, während sich der junge Billy the Kid (Jack Beutel) in das Mädchen Rio (Jane Russell) verlieben darf, die im Film eigentlich nur eine Nebenrolle spielt. Die beiden heiraten sogar und fliehen über die Grenze, während Doc Holliday von Pat Garrett niedergestreckt wird. Das wirkt nicht nur alles recht harmlos, sondern ist auch ziemlich unbedarft auf die Leinwand gebracht. Der zu dieser Zeit acht Jahre alte Film hat jedoch 1943 nach seiner Premiere in San Francisco heftige Kontroversen ausgelöst. Einerseits stehen brutale Gewalt und auch sexuelle Andeutungen im Mittelpunkt, andererseits werden die legendenumwobenen „Westernhelden” durchaus mit ironischen Untertönen durch den berühmten Kakao gezogen.

Schon während der Produktion ist das Projekt von den Zensoren argwöhnisch beobachtet worden. Die Tugend- und Sittenwächter Hollywoods bringt vor allem auf die Palme, dass Produzent Howard Hughes die ohnehin schon vorhandene Oberweite von Jane Russell – es ist nebenbei bemerkt ihr erster Film – mit technischen Tricks noch vergrößern will, wozu einen eigens konstruierter Büstenhalter eingesetzt werden soll, was allerdings nie geschieht.

Wie auch immer: Nach der Premiere am 5. Februar 1943 in San Francisco schreiten die prüden Zensoren sofort gegen den Film ein (u. a. mit der Begründung, die Frauen würden „verächtlich gemacht“) und verlangen umgehend weitere Schnitte. Erst drei Jahre später (23. April 1946) kommt es zur Vorführung einer neuen Fassung, die aber erneuert abgelehnt wird. Das Spiel setzt sich noch einige Male fort, bis schließlich im Januar 1950 eine unbeanstandete Fassung in die US-Kinos gelangt.

Howard Hawks verlässt das Studio

Auch andere Vorkommnisse sorgen für ungewollte, aber letztes Endes dann doch kassenträchtige Popularität des Film. Der renommierte und ursprünglich vorgesehene Regisseur des Films Howard Hawks verlässt bereits zwei Wochen nach Drehbeginn (und vielen Auseinandersetzungen) das Studio, um den später preisgekrönten Film „Sergeant York” (mit Gary Cooper) zu machen. Der eigenwillige, aber als Regisseur untalentierte Produzent Howard Hughes übernimmt selbst die Regie und setzt kurz darauf den ursprünglich verpflichteten Kameramann Lucien Ballard vor die Tür.

Auch die in ihren Urteilen ansonsten eher großzügige Filmkritikerin Renate Bang von der „Frankfurter Rundschau” mag sich nicht so recht freuen über das Gezeigte. Sie schreibt:

„Oh, diese Propaganda! Wenn Jane Russell nur halb soviel Oberkörper hätte, und dafür mehr schauspielerisches Talent, könnte vielleicht eine brauchbare Darstellerin aus ihr werden. Nun, den Männern des Filmes ist es egal. Sie begeben sich ihretwegen in diverse Lebensgefahren, verzehren sich in Eifersüchteleien und lassen ihre gegenseitigen Freundschaften bröckelig wie Torf werden… Gott Eros lahmt auf beiden Flügeln, wofür der Frau und der Zensur zu gleichen Teilen die Schuld beizumessen ist.”

Dem ist nur noch hinzuzufügen, dass der Rummel und die Berichterstattung über den Film nicht einmal im Ansatz dem Gesehenen gerecht werden.

Daten zum Film

Geächtet (Illustrierte Filmbühne Nr. 1046) heisst im Original The Outlaw und ist ein Western aus den USA (Hergestellt im Jahr 1940 von der Howard Hughes Produktionsgesellschaft in einer Länge von 118 Minuten), verliehen von RKO. Unter der kurzzeitigen Regie von Howard Hawks und danach Howard Hughes spielen Jane Russell (als Rio), Jack Buetel (als Billy the Kid), Walter Huston (als Doc Holliday), Thomas Mitchell (als Pat Garrett), Mimi Aguglia (als Guadalupe), Joe Sawyer (als Charley). Weitere Mitwirkende sind Gene Rizzi, Frank Darien, Pat West und Martin Garralaga. Das Drehbuch wird von Jules Furthman geschrieben, mit der Kamera arbeiten zuerst Gregg Toland und danach Lucien Ballard, die Musik komponiert Victor Young. Deutsche Synchronstimmen nicht bekannt.

Welturaufführung am 5. Februar 1943 in San Francisco, Neuaufführung nach Einspruch der Zensurbehörden am 23. April 1946, danach wird eine Neufassung am 1. September 1947 in New York City präsentiert. Deutsche Premiere einer gekürzten Fassung am 16. März 1951, in Frankfurt am 26. April 1951 im Eden angelaufen, gesehen vom Autor am 25. Mai in den Wall-Lichtspielen.