Die Nacht ohne Sünde

Illustrierte Filmbühne Nr. 921 (E. S.) – In Frankfurt am Main liegen auch im Jahr 1950 noch massenhaft Trümmer in der Innenstadt herum, doch es entstehen auch immer mehr Gebäude, darunter auch das neue Insel-Hotel in der Großen Gallusstraße. Das grünlich leuchtende Gebäude erlebt am 14. November eine Invasion von deutschen Filmstars, die zur Uraufführung des Filmes Die Nacht ohne Sünde im Turmpalast angereist sind.

Nacht ohne SündeWährend in der City also überall noch Schutt herumliegt, werden fast an jeder Ecke weitere Häuser aus dem Boden gestampft. Und auch die deutsche Filmindustrie bemüht sich darum, den Menschen mit eher harmlosen Filmen das Alltagsleben zu erleichtern und zu versüßen. Konfektionsware ist gefragt, und eine hinlänglich bekannte Schar von Darstellern hat unter diesen Umständen alle Hände voll zu tun, um beim Zelluloid-Belichten mitzuwirken. Und vor allem ist es üblich, dass die Verleiher zu den Premieren ihre wichtigsten Darsteller auf Presseleute und Publikum loslassen. Im Falle von Die Nacht ohne Sünde in Frankfurt ist es gleich eine ganze Heerschar: Die kesse Grethe Weiser vorneweg, der charmante Karl Schönböck in der zweiten Reihe, dazu der sympathische Paul Klinger sowie die hübsche Nachwuchsdarstellerin Bruni Löbel. Auch der österreichische Komponist Peter Igelhoff ist mit von der Partie – erst beim Pressegespräch im Hotel, dann vor dem Publikum im Turmpalast.

Der Film selbst ist belanglos wie so viele andere in dieser Zeit. Es gibt reichlich Missverständnisse, zahlreiche Verwechslungen und natürlich ein glückliches Ende für drei Brautpaare. Und die harmlosen Turbulenzen reihen sich aneinander: Grethe Weiser muss als Hotel-Faktotum Wäsche zählen bis zur Nummer 1111, Paulchen Kemp verschüttet Kaffee – dummerweise auf einen kleinen Hund, Bruni Löbel genießt ihre Rache am heiss geliebten Paul Klinger, Karl Schönböck schließlich muss eine (missverständliche) Ohrfeige seines Großvaters Fritz Kampers einstecken, Beppo Brem klaut derweil geröstete Kastanien, während sich Lisl Karlstadt und Trude Hesterberg als unliebenswürdige Hotel- und Hausdrachen entpuppen.

Ein gut dressierter Affe bedient derweil überaus menschlich ein Telefon und Charlott Daudert trällert so ganz nebenbei den Igelhoff-Schlager „Ach du liebe Zeit, ach du liebe Zeit, hat den kein Mensch mehr für die Liebe Zeit…“ Damit ist alles gesagt.

Daten zum Film

Die Nacht ohne Sünde (Illustrierte Filmbühne Nr. 921) ist ein deutscher Lustspielfilm aus dem Jahr 1950, hergestellt von der Allegro-Film und verliehen von Siegel-Monopol. In dem 92 Minuten langen Streifen spielen Bruni Löbel (als Handelsschülerin Monika Göbel), Paul Klinger (als Hoteldirektor Heinrich Böckmann), Karl Schönböck (als übergeordneter Hotelmanager Josef Schmitz), Charlott Daudert (als seine Verlobte Charlotte). In weiteren Rollen sind Grethe Weiser (als Fräulein Wibak), Paul Kemp, Fritz Kampers, Trude Hesterberg, Friedrich Domin, Lisl Karlstadt, Beppo Brem und Walter Janssen zu sehen. Die Regie hat Karl Georg Külb, der auch das Drehbuch geschrieben hat. Kameramann ist Walter Pindter, die Musik stammt von Peter Igelhoff. – Deutsche Erstaufführung am 14. November 1950 im Turmpalast in Frankfurt.