Geheimagent T

Illustrierte Filmbühne Nr. 555 (E. S.) – Diese Polizeinachricht macht auch in Deutschland Schlagzeilen und lässt überall aufhorchen: Am 17. Januar 1950 erbeuten neun mit Faschingsmasken verkleidete Männer bei einem dreisten Einbruch in das Gebäude einer Geldtransport-Firma in Boston sage und schreibe 1,5 Millionen US-Dollar, was zu dieser Zeit – es ist etwa eineinhalb Jahre nach der Währungsreform –  der Summe von rund 6,3 Millionen D-Mark entspricht.

Geheimagent TDas ist ganz gewiss ein dickes Ding und die großen Schlagzeilen der Presse verkünden: „Der bisher größte Überfall dieser Art.” Die Aufregung ist also entsprechend groß, denn wenn es um’s Geld geht, versteht der Mensch keinen Spaß, wo auch immer das sein mag. Und auch das mächtige Schatzamt der Vereinigten Staaten von Amerika mag es nicht sonderlich, wenn sich Banditen mit Druckerpressen oder Prägemaschinen ausrüsten, um falsche Dollarscheine oder Hartgeld unter die Leute zu bringen. Solche Falschmünzerei wird auf das heftigste bekämpft. Um die Drahtzieher schnappen und bestrafen zu können, setzten die US-Behörden eigens Geheimagenten ein. Einem von ihnen wird dann in dem Gangsterfilm Geheimagent T ein Denkmal gesetzt.

Das ist ein Krimi der besonderen Art; er gehört zum Genre des „Film noir”, setzt aber noch andere Akzente, weil er auf einem authentischen Fall in Los Angeles beruht. Obwohl der Film zunächst nur die üblichen Klischees für einen Krimi zu liefern scheint, wird es immer mehr zu einer höchst dokumentarischen, spannenden und realitätsnahen Reportage.

Was allerdings stört, ist der teilweise übertrieben patriotische Unterton, in dem der „Under-cover-agent” gewissermaßen als Retter der bedrohten Nation gegen das Böse dargestellt und überhöht wird. Nur wenige Tage nach dem spektakulären Überfall in Boston sehe ich im Roxy – bekannt für reißerische Themen jedweder Art – diesen Film mit Dennis O’Keefe  in der Hauptrolle.

Daten zum Film 

Geheimagent T (Illustrierte Filmbühne Nr. 555) mit dem Originaltitel T-Men ist ein amerikanischer Schwarzweiß-Kriminalfilm der so genannten „Schwarzen Serie” aus dem Jahr 1947. Unter der Regie von Anthony Mann spielen in dem Eagle Gamma-Streifen Dennis O’Keefe (als Geheimagent Dennis O’Brien), Mary Meale (als Evangeline), Alfred Ryder (als Tony Genaro) und June Lockhart (als Mary Genaro).

Die Uraufführung ist am 15. Dezember 1947 in den USA und am 13. Januar 1950 in der Bundesrepublik Deutschland. Gesehen vom Autor am 23. Mai 1950 in Frankfurt (Scala-Lichtspiele).