Geheimwelle 505

Filmkritiker sind entsetzt (E. S.) – Kinobesuche Ende der Vierziger, Anfang der Fünfziger Jahre ergeben sich für den Autor nicht aus künstlerischen oder ähnlichen Erwägungen: Zugpferde sind vielmehr die großen Leinwandstars aus Hollywood und England. Sind sie einmal nicht in neuen Filmen zu sehen, nimmt man gerne auch mit biederer Hausmannskost aus Deutschland vorlieb oder lässt sich auch einmal wider besseres Wissen von einen eher zweifelhaften Streifen anlocken.

GeheimwelleEiner dieser Filme läuft Mitte April 1951 in der Frankfurter Scala. Obwohl die „Frankfurter Rundschau” in ihrer Kritik von einem wahren „Alptraum” geschrieben hat, sehe ich mir das britische Machwerk Geheimwelle 505 an. Don Stannard spielt darin einen gewissen Dick Barton, der als gewiefter Meisterdetektiv vorgestellt wird, der jedwede Situation voll im Griff hat und auch die aberwitzigsten Verbrechen verhindert. Weil zu dieser Zeit der Kalte Krieg zum politischen „Tagesgeschäft” gehört, sind auch die kommerziellen Filmemacher längst auf den Zug der Propagandafeldzüge aufgesprungen, ob in West oder Ost – je nach ideologischer Sicht. Auch die Werbung lässt sich nicht lumpen und spricht im Zusammenhang mit diesem Streifen von „einer menschenmordenen Waffe, gegen die die Atombombe nur ein Kinderspielzeug ist”.

Im Schwarz-Weiss des düsteren Films senkt sich jedenfalls das von einem Wahnsinnigen entwickelte Tötungsinstrument – Ultraschallwellen von besonders hoher Frequenz – mit sirrenden und unerträglich marternden Ton gegen Tausende von Menschen, die dem Unheil in verschiedenen Dörfern und Städten Englands nicht entrinnen können.

Dick Barton (Don Stannard) indessen steht in seinem heroischen Kampf gegen das Unrecht des bösartigen Schurken und seiner Helfershelfer nicht allein. Zwar ist Bartons Assistent einerseits ein durchaus lustiger Geselle, aber doch andrerseits nur von beschränktem Denkvermögen. Unter diesen mißlichen Umständen muss der junge Detektiv also seinen Kampf gegen das Böse praktisch alleine bestreiten, doch mit einer gehörigen Portion Mut, List und diversen „Göttern” im Bunde kann er schließlich verhindern, dass der Übeltäter seinen tödlichen „Spaß” bis zum finalen Wahnsinn betreibt. Wer hätte das (nicht) gedacht?

„Ein Film, in dem der Mord um des Mordes willen, die Spannung um der Spannung willen alle menschlichen und künstlerischen Maßstäbe verschlingt”,

schreibt ein irritierter Zeitungsmensch. Dass dessen Meinung freilich nicht von allen Besuchern geteilt wird, steht, wie so oft, auf einem anderen Blatt.

Daten zum Film

Geheimwelle 505 (Das Neue Filmprogramm – in diesem Beitrag wird jedoch eine eigene Grafik verwendet) ist ein britischer Kriminalreisser aus dem Jahr 1949 mit dem Originaltitel Dick Barton Strikes Back (Dick Barton schlägt zurück). Hergestellt von der Produktionsfirma Exclusive (Produzenten sind Anthony Hinds und Mae Murray) spielen in dem 73 Minuten langen Streifen unter der Regie von Godfrey Grayson die Darsteller Don Stannard (als Detektiv Dick Barton), Bruce Walker (als Snowey White), Sebastian Cabot (als Fouracada), James Raglan (als Lord Armadale) und Jean Lodge (als Tina) die Hauptrollen. Das Drehbuch von Ambrose Grayson beruht auf einer Vorlage von Edward J. Mason.

An der Kamera steht Cedric Williams, die Musik stammt von Frank Spencer und Rupert Grayson. Zusatzinformation: Der Film ist einer von dreien mit und über Dick Barton und beruht auf einer Serie von Radiosendungen über den Detektiv, die von der BBC zwischen 1946 und 1951 in unregelmäßigen Abständen ausgestrahlt worden ist. – Erstaufführung in Großbritannien im April 1949, in der Bundesrepublik Deutschland ab 15. März 1951 in den Kinos, in Frankfurt am Main am 13. April 1951 in den Scala-Lichtspielen angelaufen.