Rhapsodie in Blau

Illustrierte Filmbühne Nr. 202 (E. S.) – Die Nazis mochten Jazzmusik nicht besonders und versuchten sie zwischen 1933 und 1945 auf Sparflamme zu halten und zu unterdrücken, ohne jedoch ein offizielles Verbot auszusprechen. Die deutschen Jazzer konnten ihre Lieblingsklänge aufgrund der Diktatur deshalb vor allem im Verborgenen genießen, dennoch gab es nach Kriegsende einen starken Nachholbedarf für diese Musik.

Rhapsodie in BlauViele Besessene versuchten nach Ende des Zweiten Weltkrieges in den amerikanischen Offiziersklubs Fuß zu fassen, um sich dort an den Klängen der dort aufspielenden Bands zu erfreuen. Als dann 1948 der Film Rhapsodie in Blau in die Kinos kommt, ist das ein weiterer Schritt, um der jazzigen Musikgattung hier zum entsprechenden Stellenwert zu verhelfen. Dabei geht George Gershwins Bedeutung weit über den Jazz hinaus, hat er doch durch die Oper „Porgy and Bess”, durch  die Tondichtung „Ein Amerikaner in Paris”, einiger weitere Musicals sowie symphonischen Jazz wie der „Rhapsodie in Blue” die amerikanische Musikszene in vielen Stilrichtungen beeinflusst und mit geprägt. „Der Spiegel” sah in einer Besprechung nach der Aufführung des Films in Deutschland jedenfalls in Gershwin den Mann, „der den Jazz zur Lady gemacht hat.”

Warner Bros. hat den Film nur acht Jahre nach dem Tod Gershwins, der 1937 im Alter von nur 39 Jahren an einem Gehirntumor verstorben war, inszenieren lassen – oft zu sentimental  und mit einem Hang zu kitschigen Passagen, doch liegen die Vorzüge des Films in erster Linie in der vorzüglich präsentierten Gershwin-Musik und der ordentlichen Darstellung zeitgenössischer Atmosphäre. Die Darstellung des Lebens von George Gershwin ist dagegen in biografischer Hinsicht eher unzuverlässig, wie auch viele musikalische Zeitgenossen nach der Uraufführung in den USA zu Protokoll gaben, aber für einen erfolgreichen Kinofilm musste eben manches „passend” gemacht werden. Und für Nichtwissende im Zuschauerraum ging es ja ohnehin vor allem um die musikalischen Aspekte.

Daten zum Film

Rhapsodie in Blau (Illustrierte Filmbühne Nr. 202 und Filmpost Nr. 190) mit dem Originaltitel Rhapsodie in Blue ist eine Warner Bros.-Biografie über das Leben des Komponisten George Gershwin aus dem Jahr 1945. Unter der Leitung von Regisseur Irvin Rapper spielen Robert Alda (als George Gershwin), Joan Leslie (als Julie Adams), Alexis Smith (als Christine Gilbert), Charles Coburn (als Dreyfus). Weitere Mitwirkende sind: Julie Bishop, Albert Bassermann, Morris Carnovsky, Al Jolson. Welturaufführung am 27. Juni 1945 in New York City, USA-Start am 22. September 1945, die deutsche Erstaufführung erfolgt am 28. April 1948 in der Filmbühne Wien in Berlin, in Frankfurt in Erstaufführung ab 5. November 1948 im Luxor.