Singapur

Illustrierte Filmbühne Nr. 925 (E. S.) – Es ist fast ein wenig frech, wie den Zuschauern die Botschaft suggeriert wird, Krieg mache selbst Gesetzesbrecher zu edlen Menschen. Im amerikanischen Film Singapur wird jedenfalls aus einem früheren Perlenschmuggler ein eleganter Bootsoffizier der US-Navy, auch wenn es es nicht aufgibt, seine versteckten Perlen aus einem Hotel heraus zu bugsieren. 

Singapur-neuDass es nicht ganz so ehrenhaft zugeht, beweist eine kleine Zeitungsnotiz vom 27. Februar 1950. DerNachricht  zufolge lehnt ein Gericht in den Vereinigten Staaten von Nordamerika die Aushändigung der nach dem Ende des Krieges von einem US-Offizier gestohlenen hessischen Kronjuwelen im Wert von rund 6,3 Millionen Mark an Prinz Wolfgang und Gräfin Margarethe von Hessen schlichtweg ab, weil – so die überaus seltsame Begründung – ,der Prinz und die Gräfin als „feindliche Ausländer“ keinen Prozess vor einem Gericht in den USA führen dürften – „solange nicht der Kriegszustand zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Deutschland“ beendet sei. Wie an dieser spitzfindigen Entscheidung recht unschwer zu erkennen ist, ist es also mit der so genannten „Ehrenhaftigkeit“ nicht so besonders weit her: weder beim aus Offizierskreisen stammenden Juwelendieb noch bei den direkt beteiligten Justizbehörden.

Auch in dem Film geht es um wertvolles Gut. In einem Hotel in Singapur hat ein Abenteurer namens Matt Gordon (Fred McMurray) für rund eine Viertelmillion Dollar wertvolle Perlen versteckt, die er unter den Augen der Polizei aus dem dortigen Versteck holen möchte. Nebenbei fallen seine leicht verträumten, schwermütigen Augen auf, die er wegen seiner in einer Bombennacht verschwundenen Braut Linda Graham (Ave Gardner) zu Schau trägt. Sie leidet seitdem unter einer Amnesie und hat Herrn Michael van Leyden (Roland Culver) gefreit, was für den weiteren Verlauf des Geschehens durchaus interessant ist.

Skrupellose Gangster aus der Unterwelt bringen die junge Dame nämlich in ihre Gewalt, doch retten einige gelungene Knockouts und Bauchschüsse kurz und sachlich die ein wenig verfahrene Situation. Danach verzichtet Matt Gordon auf die reizende, schwarzhaarige Schöne, und fliegt zunächst von dannen, aber auch der edelmütige Ehemann sieht keinen Sinn mehr im Fortbestand der Ehe, zumal die junge Dame ihr Gedächtnis wieder erlangt und damit mehr zum Gentleman-Gauner-Offizier tendiert.

Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, dass das Flugzeug wieder umgekehrt, langsam auf die Dame zurollt und sich danach die Liebenden in die Arme sinken. So geht ein sauberer, wenn auch nicht allzu dramatischer Unterhaltungsfilm zu Ende, auf die gleiche Art und Weise wie tausende anderer auch…

Daten zum Film 

Singapur (Illustrierte Filmbühne Nr. 925) mit dem Originaltitel Singapore ist ein Gangster- und Liebesfilm der Universal aus den USA (1947) nach einer literarischen Vorlage von Seton I. Miller. In dem 82 Minuten langen Film spielen unter der Leitung von Regisseur John Brahm die Darsteller Fred MacMurray (als Abenteurer Matt Gordon), Ava Gardner (als Linda Graham/Ann van Leyden), Roland Culver (als Michael van Leyden), Richard Haydn (als Commissioner Hewitt). Am Drehbuch arbeiten Seton I. Miller und Robert Thoeren. An der Kamera steht Maury Gertsman, die Musik kommt von Hans J. Salter. Synchronstimmen von Ernst Wilhelm Borchert (Fred McMurray) und Antje Weisgerber (Ava Gardner). – Erstaufführung in den USA am 13. August 1947, in der Bundesrepublik erstmals zu sehen am 22. September 1950. Frankfurter Premiere am 18. Juni 1951 im Filmpalast an der Konstablerwache.