Gibraltar

Illustrierte Filmbühne Nr. 946 (E. S.)  Am 13. April 1951 startet in Frankfurter Erstaufführung der französische Abenteuerfilm Gibraltar. Weil mich seit einiger Zeit insbesondere die „exotischen“ Abenteuerfilme reizen, ist der Besuch im Filmpalast so etwas wie Pflicht.

GibraltarVon Gibraltar wissen wir zu dieser Zeit wenig. Nur das es eine wechselhafte politische Geschichte hat, ein britisches Überseegebiet an der Südspitze der Iberischen Halbinsel ist und seit 1704 unter Souveränität von Großbritannien und Nordirland steht, seitdem es im Jahr 1713 von Spanien offiziell beim Frieden von Utrecht abgetreten wurde. In solchen Gebieten tummeln sich erfahrungsgemäß Spitzel, Agenten, Militärverbände, Schmuggler, Schieber und sonstige Dunkelmänner. Immerhin ist auch Afrika nur einen Katzensprung von Europa entfernt. Eine Gegend  wie geschaffen  für einen Abenteuerfilm. In dem Film fliegt dann ein Truppentransporter in die Luft, alles mit dramatischen Bildern untermalt – und bald nach dem Kinobesuch erlebe ich eine seltsame Duplizität der Ereignisse. Denn zwei Wochen später, am 27. April 1951, gibt es im Hafen von Gibraltar tatsächlich eine mächtige Explosion, als beim Entladen des britischen Munitionsdampfers „Bedham“ sich massenweise Granaten entzünden. Das gesamte Gebiet an der Straße von Gibraltar, dort wo Atlantik und Mittelmeer zusammenstoßen, wird schwer erschüttert. Es sind mehrere Tote zu beklagen, Hunderte Menschen werden verletzt.

Das ist die harte Realität und hat natürlich nichts mit dem Film zu tun. in dem wird gezeigt, wie sich ein englischer Offizier ins Spionagemilieu begibt, um angebliche Spielschulden zu tilgen, in Wahrheit aber, um einer Tänzerin nahe zu kommen und gleichzeitig eine Waffenschieberbande internationalen Zuschnitts auszuheben. Neben der Schiffsexplosion gibt es natürlich haarige Autojagden auf engen Bergstraßen, durch Kastagnetten gemorste geheime Nachrichten, wilde Tänze in einer mehr als anrüchigen Bar in Tanger, Kriegsgerichtsurteile – allerdings nur zum Schein –, und wahrhaftig echte Pistolenduelle. Ein junges Mädchen weint kummervolle Tränen um den Geliebten, doch die spanische Tänzerin – als vermeintliche Rivalin – findet ein jähes Ende, was dann doch zum Happyend führt, ist der Offizier denn nun frei für die eher bürgerliche Maid. Alles drin im Film, was das Herz begehrt!

Daten zum Film

Gibraltar (Illustrierte Filmbühne Nr. 946) mit dem gleichnamigen Originaltitel ist ein französischer Abenteuer- und Spionagefilm aus dem Jahr 1938 (Cine Allianz). In dem 96 Minuten langen Film spielen unter der Regie von Fjodor Ozep Viviane Romance (als Tänzerin Mercedes), Erich von Stroheim (als deutscher Spion Marson), Roger Duchesne (als Offizier Robert Jackson), Yvette Lebon (als Maud Wilcox), ferner dabei: Abel Jacquin, Jean Périer, Y. Das Drehbuch stammt von Ernst Neubach, an der Kamera arbeitet Ted Pahle, Musik: C.P. Simon, Paul Dessau. –  Die Erstaufführung ist am 30. November 1938 in Paris, deutsche Premiere am 27. Oktober 1950, erstmals in Frankfurt zu sehen ab 13. April 1951 im Filmpalast.