Maharadscha wider Willen

Illustrierte Filmbühne Nr. 719 (E. S.) – Im März 1950 versammeln sich in Berlin rund 400 Männer in den Ateliers der Central Cinema Company (CCC) in Spandau. Alle sind haarlos und 250 von ihnen werden schließlich ausgewählt, um in dem Lustspiel Maharadscha wider Willen als Statisten mitzuwirken

Maharadscha wider WillenEin Film also, der sich über Glatzköpfe lustig macht. Zwar ist das Thema zu dieser Zeit nicht von weltbewegender Bedeutung, aber Werner Siwik, einer der Filmkritiker der Tageszeitung „Frankfurter Rundschau“ (FR), spricht am 12. September 1950 gleichwohl ein sehr spezielles Problem des Films an: „Wer noch ein paar Haarbüschel sein eigen nennt, wird sicher viel lachen. Wie die anderen reagieren, ist schwer zu sagen…” Na, denn! Hoffen wir also alle auf ein generöses Schmunzeln der Betroffenen, denn Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Immerhin stammt die Idee zum Film vom jungen Berliner Filmproduzenten Artur Brauner, und da dieser selbst eine eher „hohe Stirn” sein eigen nennt, ist ihm eine gute Portion von Selbstironie nicht abzusprechen in der Geschichte um einen Friseur, der angeblich mit einem neuen „Wundermittel” für prachtvollen  Haarwuchs auf den bisher so leeren Häuptern sorgen kann.

Das sich nun rasend schnell verbreitende Gerücht über das neue „Saatgut” ruft umgehend den Fabrikanten Kurt Seifert auf den Plan, produziert dieser doch selbst ein Mittel namens „Anti Glazin”, das freilich – wer hätte das (nicht) gedacht? – seine Wirkung nicht so recht zu entfalten vermag. Seifert macht sich im Film also auf den Weg in das kleine Dorf, in dem der „Wunderfriseur” seiner Tätigkeit nachgeht und wo sich deshalb bereits eine erkleckliche Zahl von Glatzköpfen versammelt hat: – alle natürlich in der Hoffnung, auf ihrem Haupt bald wieder reichlich Haare sprießen zu sehen.

Weil das natürlich als Handlung alles noch ein wenig dünn ist, rücken noch zwei Maharadschas ins Bild. Ein echter, der aber inkognito unterwegs ist, und ein falscher, nämlich der Fabrikant. Unter solchen Umständen wird für allerlei Durcheinander gesorgt, ehe sich die freilich vorhersehbaren Verwicklungen in Luft auflösen, und eine kleine Liebesgeschichte zwischen der Tochter des Fabrikanten und dem Sekretär des „Maharadschas von Hatschipur” ihre Erfüllung findet. Dass es mit dem Haarwuchs nicht so richtig klappt, liegt in der Natur der Sache.

Der eher seichte Klamauk ist nicht immer ganz überzeugend, aber die Lieder, die von Rudi Schuricke und Rita Paul zum Besten gegeben werden, entschädigen für die manchmal durchhängende Handlung. Immerhin trällert sich die junge Rita Paul mit den Melodien „Feuerwehr, Feuerwehr, mein kleines Herz brennt lichterloh“ sowie „In einer Nacht am Ganges“ von Friedrich Schröder zu einem erfolgreiches Debüt als Schlagersängerin.

Daten zum Film

Maharadscha wider Willen (Illustrierte Filmbühne Nr. 719) ist ein deutsches Lustspiel der CCC-Film von Arthur Brauner, der auch die Idee liefert. Unter der Regie von Akos von Ratony spielen in dem aus dem Jahr 1950 stammenden Streifen Olga Tschechowa (als Journalistin Susanne de Bogne), Kurt Seifert (als Fabrikant Karl Brummer), Sonja Ziemann (als seine Tochter Brigitte Brummer), Ivan Petrovich (als Maharadscha von Hatschipur), Rudolf Prack (als sein Sekretär Jonny Williams), Rita Paul als Sängerin Elvira), Rudi Schuricke (als singender „Wunderfriseur”) und Hubert von Meyerinck (als „Generalsekretär” des Wunderfriseurs) die wichtigsten Rollen. Weitere Mitwirkende sind Rudolf Platte, Georg Thomalla und Walter Gross.

Deutsche Premiere am 1. Juni 1950; in Frankfurt am Main ist der Film Anfang September 1950 im Luxor in Frankfurter Erstaufführung zu sehen.