Gottes Engel sind überall

Illustrierte Filmbühne Nr. 366 (© E. S.) Die Nachkriegszeit hat einige recht unkonventionelle und ansprechende Filme hervorgebracht, ohne dass dabei auf die mächtige Pauke der „Vergangenheitsbewältigung” geschlagen wird. Gottes Engel sind überall – am 24. Februar 1950 ist er gleichzeitig in der Harmonie (Sachsenhausen), der Schauburg (Bornheim) und im Casino (Höchst) in Frankfurter Erstaufführung zu sehen – ist so ein feiner Streifen, der aus Österreich zu uns gekommen ist.

Gottes-Engel-sind-überallIn der Zurückhaltung von Regisseur Hans Thimig bei der Führung der Darsteller Attila Hörbiger (als handfester Haudegen) und Heiki Eis (als der herumirrende Bub) liegt die nachhaltige Wirkung dieses eigentlich schlichten Films, in dem die Geschichte eines österreichischen Soldaten erzählt wird, der in den letzten Tages des Zweiten Weltkrieges desertiert ist und sich nun von der Front in Deutschland bis nach Wien durchzuschlagen versucht. Da gabelt er unterwegs (und eher unfreiwillig) einen kleinen Jungen auf, der in den Wirren eines Fliegerangriffs von seiner Mutter getrennt worden ist und nun nach Hause tippeln will. Der Mann nimmt ihn unter seine Fittiche und gemeinsam stiefeln sie mühselig von Oberösterreich über das Salzkammergut und die Wachau in Richtung Wien.

Auf der beschwerlichen Wanderung entfaltet der kleine Dreikäsehoch eine geradezu entwaffnende Lebendigkeit, aber fern von jeder Altklugheit. So dominiert der Junge den Film auf eindrucksvolle Weise und schiebt selbst den erfahrenen Altmeister Attila Hörbiger ins zweite Glied, ohne dass dies dem Film irgendwie schaden würde. Ganz im Gegenteil: Weil Hörbiger fern jeder Eitelkeit klugerweise darauf verzichtet, sich auffällig in den Vordergrund zu schieben, bleibt dieser liebenswerte Film noch lange in unserem Gedächtnis.

Dass ist allerdings auch den Autoren Peter Francke und Kurt Heuser zu danken, die ein Drehbuch geschrieben haben, das auf jede unnötige Effekthascherei verzichtet und dem Film den Weg in die Herzen des Kinopublikums bereitet.

Daten zum Film

Gottes Engel sind überall (Illustrierte Filmbühne Nr. 366) ist ein aus Österreich stammendes Drama mit komödiantischen Elementen aus dem Jahr 1947 nach einer Erzählung von Peter Francke. Unter der Regie von Hans Thimig spielen Attila Hörbiger (als Soldat Josef Weidinger), Heiki Eis (als Dreikäsehoch Flori), Lotte Lang (als Frau Nußberger), Susi Nicoletti (als Liesl Fischer), Paul Hubschmid (als amerikanischer Soldat). Gedreht in Wels (Oberösterreich), Gmunden (Salzkammergut), Melk (Wachau) –

Erstaufführungen:  22. März 1948 in Österreich, 26. Oktober 1949 in der Bundesrepublik, am 24. Februar 1950 in Frankfurt (Harmonie, Schauburg, Casino).