Grenzstation 58

Illustrierte Filmbühne Nr. 1078 (E. S.) – 1950 hat das Schmuggel-Geschäft in Mitteleuropa Hochkonjunktur. Nach einer Recherche der Hamburger Wochenschrift „Die Zeit” gehen der Bundesrepublik Anfang der Fünfziger Jahre jährlich rund 800 Millionen Deutsche Mark an Zöllen und Steuern verloren. Der Hauptanteil davon geht auf Kaffee- und Zigaretten-Schmuggel zurück, ein Rest (etwa ein Achtel) entfällt auf illegale Einfuhr von Tee, Schokolade und Nylonstrümpfe.

Grenzstation 58Das hat seine Gründe. Die Preise in den verschiedenen Staaten sind extrem unterschiedlich, Zölle und Steuern gerade in Deutschland exorbitant hoch. In der Bundesrepublik müssen immerhin 46 Prozent des Zigarettenpreises an den Fiskus abgeführt werden; auf jedem Kilo Kaffee liegen 10 Mark Steuer, auf einem Kilo Tee sogar 15 Mark. Und besonders der Schmuggel an der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Belgien nimmt Besorgnis erregende Formen an, aber auch in den Alpen werden zwischen Italien, der Schweiz, Österreich und Bayern kiloweise Waren über die gefährlichen Saumpfade der Berge geschleppt. Kein Wunder, dass sich auch die Filmemacher auf das brisante Thema stürzen. Grenzstation 58 ist ein Beispiel dafür. Die Zöllner und Grenzbeamten an der Grenze zwischen Bayern und Tirol werden in dem Film von einer raffinierten Bande in Atem gehalten, wobei Grenzjäger Reitlechner (Heinz Engelmann) und seine Kollegen fast immer auf verlorenem Posten stehen. Die Menschen im Dorf – fast alle direkt oder indirekt verbandelt mit den Schmugglern und deshalb fast alle auch ein wenig korrupt –, lachen sich über die erfolglosen Einsätze der Staatsdiener in’s Fäustchen.

Das Melodram ist sowohl Kriminal- als auch Heimat- und Bergfilm. Neben der Jagd nach den Schmugglern steht natürlich auch noch eine Liebesgeschichte im Raum, denn Reitlechner ist mit der Bauerntochter Anna Leitner (Hansi Knoteck) liiert, deren Vater freilich wenig Freude an seinem zukünftigen Schwiegersohn hat – immerhin ist der Leitnerbauer als Schmuggler einschlägig vorbestraft. Grenzinspektor Mayer (Hannes Keppler) dagegen ist der attraktiven Wirtin Retta Schwaiger (Mady Rahl) hörig, was insofern problematisch ist, als diese in Wahrheit als heimlicher Kopf der Bande die dunklen Fäden zieht.

Die vertrackte Situation wird durch den Mord an dem Grenzer Mitterer (Gustl Gstettenbauer) verschärft, wofür Reitlechner verantwortlich gemacht wird. Doch der Grenzjäger entzieht sich durch Flucht der angeordneten Untersuchungshaft. Aus einem Versteck in den Bergen kann er nun die Schmuggler, die die Beerdigung Mitterers für einen großen Coup nutzen wollen, in einem Kampf auf Leben und Tod besiegen und so ganz nebenbei auch noch den wahren Mörder stellen. In der Beschreibung der „Illustrierten Filmbühne” heisst es dazu lapidar:

„Als Reitlechners Unschuld erwiesen ist, hat auch die Feindschaft zwischen dem Leitnerbauern und ihm ein Ende gefunden, nachdem der Bauer zum letzten Mal auf gefährlichen Schmugglerwegen gegangen ist.”

So also ist der Film nicht frei von den üblichen Klischees, aber insgesamt doch recht spannend.

Daten zum Film

Grenzstation 58 (Illustrierte Filmbühne Nr. 1078) ist ein deutscher Kriminal-Bergfilm aus dem Jahr 1950 (Titel in Österreich: Die Tochter vom Grenzbauernhof), hergestellt von der Astra-Film im Erstverleih der Siegel-Monopol in einer Länge von 93 Minuten. Produzent und Ideengeber ist Harry Grimm, die Regie führt Harry Hasso. Als Darsteller sind Heinz Engelmann (als Grenzjäger Reitlechner), Hansi Knoteck (als Anna Leitner), Mady Rahl (als Wirtin Retta Schwaiger), Elise Aulinger (als Rosi), Elisabeth Biebl (als Maria Brandl), Ernst Fritz Fürbringer (als Polizeiinspektor Hirzinger), Sepp Rist (als Sepp), Hannes Keppler (als Grenzjäger Mayer), Willy Rösner (als Leitnerbauer) und Gustl Gstettenbauer (als Grenzjäger Mitterer) zu sehen.

Am Drehbuch werkeln Harry Grimm, Wolf Neumeister und Hanns Prechtl, Kameramann ist Sepp Allgeier, die Musik ist komponiert von Fritz Wenneis. – Erstaufführung am 16. März 1951. Gesehen vom Autor im Herbst 1951 in den Wall-Lichtspielen in Frankfurt-Sachsenhausen.